CO2-Handel als Finanzquelle

Möglichkeiten des globalen Emissionshandels nutzen

Die gesetzlichen Vorgaben für den CO2-Ausstoß sind geringer ausgefallen als von vielen erwartet. Kein Wunder, dass der Marktpreis pro vermiedener Tonne CO2-Emission rückläufig ist. Besser läuft es außerhalb Westeuropas. Dort werden mittlerweile Windparks durch den Verkauf von Emissionszertifikaten finanziert.

24. August 2004

Spätestens seit Berlin seinen Nationalen Allokationsplan für die Zuteilung von CO2-Emissionen (Kohlendioxid) vorgestellt hat, ist der Handel mit entsprechenden Zertifikaten wieder in Mode gekommen. Zum Hintergrund: Im März 1998 haben unter der Regie der Vereinten Nationen 55 Staaten gemeinsam beschlossen, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren, um das Weltklima wirksam zu schützen. Dabei sollen die Emissionen auf dem preiswertesten Weg reduziert werden.

Sollte ein Land seine Reduktionsziele beispielsweise im Ausland günstiger erreichen können, ist auch diese Maßnahme anrechenbar. Gleichzeitig können Staaten, die ihre Ziele übererfüllen, dieses Emissionsvolumen als Recht an andere Parteien verkaufen. Denn, so der Grundgedanke, Klimaschutz kennt keine Grenzen. Wichtig ist hierbei, dass die Maßnahmen zur CO2-Reduzierung von einer offiziell anerkannten Stelle zertifiziert sind.

Diese Vision ist zum Teil bereits Wirklichkeit geworden - der CO2-Handel hat begonnen. Ein Grund hierfür ist die Umweltschutzpolitik der Europäischen Union, die ebenfalls zu den Unterzeichnern des Kyoto-Protokolls zählt. Europa hat sich ein noch ehrgeizigeres Ziel gesetzt, als die internationale Staatengemeinschaft. Bis zum Jahr 2012 will die „EU 15“ insgesamt 8 % ihrer Emissionen abbauen. Deutschlands Zielvorgabe beträgt sogar minus 21 %. Um dieses Ziel zu verwirklichen, startet der offizielle CO2-Handel in Europa ab 1. Januar 2005. Im Blickpunkt sind dabei vor allem konventionelle Kraftwerke. Allein in Deutschland tragen sie mit 66 % zum gesamten CO2-Ausstoß bei. Um so enttäuschter reagierte die EU auf die hohe Zuteilung von Emissionsrechten an die deutsche Energiewirtschaft durch die Bundesregierung. Nach Meinung der EU-Kommission entfernen sich die Mitgliedstaaten zunehmend von dem vereinbarten Klimaschutzziel. Kein Wunder, dass der Marktpreis pro Tonne vermiedener CO2-Emission derzeit von 13 auf 7 € zurückgegangen ist.

Besser läuft es dagegen außerhalb von Westeuropa. So hat die Weltbank im April 2000 gemeinsam mit 17 Unternehmen und sechs Regierungen den „Prototype Carbon Fund“ gegründet, der Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern fördern soll.

Wie das in der Praxis funktioniert, zeigt ein Projekt, das die Nordex AG in Kolumbien realisiert hat. Der deutsche Hersteller von Windturbinen installierte für den regionalen kolumbianischen Energieversorger Empresas Publicas de Medellin (EPM) einen Windpark mit einer Leistung von 15 MW.

Durch die Liberalisierung des Strommarktes war das Preisniveau in Kolumbien so niedrig, dass der Windpark allein aus den laufenden Einnahmen für den Betreiber nicht finanzierbar gewesen wäre. Erst der CO2-Handel mit der Weltbank hat das Projekt kommerziell ermöglicht.

Im Rahmen einer & pos;Baseline Study& pos; wurde ermittelt, dass der Windpark gegenüber einem konventionellen Kraftwerk bei einer Betriebsdauer von 21 Jahren rund 1.168.000 t CO2 vermeidet. So konnte EPM die Reduzierung von 800.000 t CO2 für 3,24 Mio. US-Dollar an den Prototype Carbon Fund der Weltbank verkaufen.

Ein anderes Projekt von Nordex zeigt, dass der Geist von Kyoto inzwischen auch in Europa zum Klimaschutz beiträgt. So baut der Hersteller noch in diesem Jahr einen Windpark in Estland der zum Teil als & pos;Joint Implementation-Projekt& pos; im Rahmen des Kyoto-Protokolls refinanziert wird. Drei Parteien sind an diesem Handel mit CO2- Zertifikaten beteiligt: Estland, Finnland und der Kunde von Nordex, der norwegische Energieversorger Vardar. Hierbei überträgt die Kyoto-Vertragspartei Estland die so genannten Emissionsreduktionseinheiten an den finnischen Staat. Für die Vermeidung von 500.000 t CO2 erhält der Windpark-Betreiber Vardar 2,9 Mio. € aus Finnland.

Auch Deutschland bereitet sich auf den Emissionshandel vor. So plant die KfW Bankengruppe einen Klimaschutzfonds, der Emissionsgutschriften treuhänderisch erwirbt, um sie dann an Unternehmen aus Deutschland und anderen EU-Staaten anteilig zu übertragen. Die Idee: Durch die Portfoliobildung wird teilnehmenden Firmen eine günstige Möglichkeit gegeben, auch kleinere Beiträge zum Klimaschutz zu leisten. Insgesamt strebt die KfW ein Fondsvolumen von 50 Mio. € an.

Viele potenzielle Windparkbetreiber kennen ihre Möglichkeiten im Rahmen der bestehenden Regelungen und Angebote nicht oder sind mit dem Verfahren nicht vertraut und schrecken deshalb vor dem Genehmigungsweg zurück. Damit verzichten sie auf Geschäftspotenzial.

Deshalb arbeitet Nordex mit erfahrenen Partnern wie etwa dem TÜV Süd zusammen und stellt Kontakte zu entsprechenden Netzwerken her. So wird der CO2-Handel ein immer wichtigeres Instrument für den Hersteller, um seinen Kunden bei der Finanzierung von Windparks behilflich zu sein.

Erschienen in Ausgabe: 09/2004