Da geht was im Norden

Husum Wind Der Standort Husum könnte authentischer nicht sein: Inmitten von Nordfriesland, der Wiege der Windindustrie, überzeugt die Messe mit Atmosphäre, Kongress, Events sowie einem besonderen Spirit. Das Interview mit Arne Petersen bestätigt diese Aussage auf der Website.

06. September 2019
Da geht was im Norden
(Bild: Messe Husum & Congress)

Herr Petersen, voriges Jahr sagten Sie in einem Interview, dass die Messen mehr denn je gefordert seien angesichts des Drucks auf die deutsche Windbranche. Wie spiegelt sich das auf der Husum Wind wider?

Arne Petersen: Die Buchungslage deckt sich mit den Zahlen von 2017. Das heißt, die Branche bläst kein Trübsal. Zwei Themen sind prädestiniert für eine Messe wie die Husum Wind hier im Norden: erstens die Windstromerzeugung an Land und auf See per se, zweitens der Weiterbetrieb nach dem Ende der EEG-Vergütung. Hier in der Region standen die ersten Windenergieanlagen, hier geht die Branche zukünftig neue Wege – und wir als Fachmesse gehen mit. In Zusammenarbeit mit der Agentur für Erneuerbare Energien haben wir eine Sonderschau speziell zum Thema Nachnutzungsmodelle für Windenergieanlagen konzipiert. Messebesucher können sich konkret über unterschiedliche Lösungen aus den Bereichen Direktvermarktung, alternative Stromnutzung und Repowering bis Second Life und Anlagenrecycling informieren. Zudem wird das Thema in Foren auf dem Kongress diskutiert, der zeitgleich mit der Messe stattfindet. Ferner sind Feldexkursion geplant.

VITA

Arne Petersen

Studium der Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Marketing.

Berufliche Stationen: Hamburg Messe, Gruner+Jahr, Reed Exhibitions, Deutsche Messe Hannover, Koelnmesse mit weltweitführenden Veranstaltungen.

Seit Januar 2018 ist er Geschäftsführer der Messe Husum & Congress.

Unweit von Husum findet das Pilotprojekt E-farm von GP Joule statt. Windstrom wird in Wasserstoff umgewandelt und als Treibstoff für private Pkw und Regionalbusse genutzt.

Richtig. Das zeigt, dass Wasserstoff und Sektorkopplung keine Buzzwords sind. Für die Husum Wind und diese Region ist das eine große Chance. Hier stand die Wiege der Windstromerzeugung, hier entwickelt sich die technische und wirtschaftliche Integration von Windstrom ins Energiesystem maßgeblich und dynamisch weiter. GP Joule steht als Beispiel für innovative Unternehmen in Norddeutschland. Wichtig in diesem Kontext ist auch das Innovationsforum der Husum Wind. Das Programm hat Dr. Sascha Peters von Haute Innovation in Berlin konzipiert. Ich kenne ihn seit Jahren, er ist ein moderner Daniel Düsentrieb und wird über Innovationen für die Zukunft der Windenergie sprechen. Weitere Themen sind unter anderem Post-EEG-Geschäftsmodelle, Recycling, Power-to-Gas und schwimmende Fundamente für Offshore-Windparks mit Beiträgen von Vattenfall, Innogy, Fraunhofer und anderen.

Die Windbranche ist gespalten, ob sich der Weiterbetrieb nach dem EEG lohnt.

Den Eindruck habe ich nicht. Das Thema Rentabilität ist Teil der Sonderschau. Windpark Ellhöft und Greenpeace Energy haben voriges Jahr den ersten direkten Stromliefervertrag für Privatkunden abgeschlossen. Das zeigt, wohin die Reise geht. Wenn es nicht rentabel wäre, hätten beide Seiten keinen Vertrag geschlossen. Richtig ist, dass in der Branche bisher vor allem vertikal, in bestimmten Sparten gedacht wurde. Jetzt ist horizontales, spartenübergreifendes Denken gefordert. Beispiele wie das von GP Joule zeigen, wie das hier im Norden umgesetzt wird. Der Anfang ist gemacht. Die Skaleneffekte werden kommen, davon bin ich fest überzeugt.

Seit 2014 findet die Husum Wind im jährlichen Wechsel mit der Windenergy in Hamburg statt. Hat sich das bewährt? Wie klappt die Zusammenarbeit der beiden Messegesellschaften?

Ich bin seit Januar 2018 Geschäftsführer der Messe Husum & Congress. Seitdem habe ich eine gute und offene Zusammenarbeit zwischen uns und Hamburg erlebt. Beide Standorte haben ihre spezielle Ausrichtung. Hamburg setzt auf die globale Windbranche, wir in Husum fokussieren uns auf den deutschsprachigen Kernmarkt, wobei wichtige angrenzende europäische Schlüsselmärkte wie Dänemark, Niederlande, Polen oder Frankreich auch vertreten sind. Die Husum Wind war schon immer und bleibt eine Plattform für die Realität, sie ist gelebte Praxis. Wir verstehen uns als innovative Werkstattmesse, viele Fachbesucher sind beispielsweise Techniker im Bereich Wartung und Instandhaltung. Service ist ein wichtiges Geschäftsfeld. Die Fachbesucher bekommen auf der Husum Wind neue Anregungen, über die sie sich mit Vorgesetzten hinterher austauschen. Das kenne ich aus der Möbelbranche, ich war bei der Koelnmesse jahrelang für Möbelmessen verantwortlich. Dort kamen die Techniker aus der Möbelfertigung immer zu einer bestimmten Regionalmesse, die auf Beschläge und anderes spezialisiert ist. Deren Messeeindrücke und Informationen flossen dann in den Austausch mit den Vorgesetzten ein und letztlich in die Produkt- oder Prozessoptimierung.

Sie sind seit knapp eineinhalb Jahren in der Verantwortung. Wie lautet ihre erste Bilanz?

Als gebürtiger Hamburger war der Wechsel nach Husum quasi wie die Rückkehr nach Hause. Rückblickend kann ich sagen: alles richtig gemacht. Wir sind ein Team mit 35 Mitarbeitern. Also eher ein Start-up im Vergleich zu den großen Messegesellschaften. Das heißt, wir können vergleichsweise schnell Dinge umsetzen. Seit 2018 haben wir drei neue Messen gelauncht. Das geht in Messegesellschaften mit Konzernstruktur nicht in diesem Tempo.

hd

Erschienen in Ausgabe: 05/2019
Seite: 22 bis 23

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