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Da hat´s gefunkt: Stromnetze sicher steuern

Am 13. und 14. Juni hat sich die Energiebranche auf dem BDEW-Kongress in Berlin getroffen und über Themen der neuen Energiewelt diskutiert. Im Vorfeld des Kongresses haben Energieversorger verkündet, in den Aufbau eines hochverfügbaren Funknetzes zu investieren. Das bietet die Grundlage, um Stromerzeuger und -verbraucher sicher und digital zu vernetzen, so die Unternehmen.

13. Juni 2018

Die Energieversorger und Netzbetreiber EWE Netz, Netzgesellschaft Düsseldorf, Rheinenergie über die Tochter NetAachen, Teag Thüringer Energie, Wemag und Westfalen Wesernetz investieren dafür in 450 MHz-Funknetze.

Basis für Digitalisierung

»Die Energiewende hat unsere Stromversorgungssysteme einer radikalen Veränderung unterworfen. Die vielen dezentral und unregelmäßig einspeisenden Wind- und Solaranlagen und das darauf abgestimmte Speicher- und Lastmanagement beim Kunden erhöhen den Steuerungsbedarf enorm«, so Stefan Reindl, Sprecher des Vorstands der Teag Thüringer Energie.

»Um die Energiewende erfolgreich umzusetzen und jederzeit eine zuverlässige Versorgung zu gewährleisten, müssen sämtliche Einheiten des Systems digital vernetzt werden. Wir als Energiewirtschaft wollen diese Digitalisierung vorantreiben. Doch dafür brauchen wir eine leistungsfähige, sichere und hoch verfügbare Kommunikationsinfrastruktur.«

Im Einsatz für Stromnetze und Smart Meter

Die geplanten Funknetze sollen vor allem zur Steuerung der Stromnetze, zur Anbindung von Smart-Meter-Gateways und zur Notfallkommunikation eingesetzt werden, so die Unternehmen. Sie haben mit dem Aufbau begonnen.

Das Besondere sei, dass anders als herkömmliche Telekommunikationsnetze  diese Funknetze mit einer sehr hohen örtlichen und zeitlichen Verfügbarkeit funktionieren.

»Die Energiewirtschaft hat lange nach einer geeigneten Lösung für ihre Kommunikationsbedarfe gesucht. Denn die technischen Anforderungen sind enorm«, so Torsten Maus, Vorsitzender der Geschäftsführung der EWE Netz.

»Stromerzeuger, -verbraucher und Netzbetreiber müssen jederzeit und überall miteinander kommunizieren können. Das funktioniert nur, wenn auch in Kellerräumen verbaute Anlagen wie Smart Meter Gateways zuverlässig erreicht werden. Unsere Funknetzlösung bietet in Ergänzung unserer leitungsgebundenen Telekommunikation dank der vergleichsweise niedrigen Frequenz von 450 MHz eine hervorragende Gebäudeversorgung.«

Schwarzfallfähiges System

Mit dem System könne die Stromversorgung sicher gesteuert und auch im Notfall schnell wiederhergestellt werden, so die Unternehmen.

»Die wichtigste Eigenschaft unserer Funknetze ist die sogenannte Schwarzfallfähigkeit. Herkömmliche Telekommunikationsnetze fallen ohne Strom nach wenigen Stunden aus. Unsere Lösung ist mehrfach abgesichert und funktioniert hundertprozentig«, so Thomas Murche, Technischer Vorstand der Wemag.

»Sollte es je zu einem flächendeckenden Blackout kommen, können wir die Stromnetze schnell wieder hochfahren. Ohne funktionierende Kommunikationsmöglichkeit wäre das sehr schwer bis unmöglich.«

Strategische Partnerschaft für flächendeckendes Netz

Aufbau und Betrieb der 450 MHz-Funknetze erfolgen in einer strategischen Partnerschaft mit 450connect, einem Tochterunternehmen des niederländischen Stromversorgers Alliander. In enger Kooperation mit deutschen Energieunternehmen, wie unter anderem der EAM aus Kassel, realisiert 450connect ein bundesweites 450 MHz-Funknetz für Unternehmen und Organisationen mit kritischen Kommunikationsanforderungen, heißt es in der Mitteilung weiter.

»Wir konnten ein solches Netz bereits erfolgreich in den Niederlanden umsetzen. Dort wird es seit mehreren Jahren für die Kommunikation dezentralisierter und digitalisierter Stromnetze eingesetzt«, erläutert Frank Zeeb, Vorsitzender des Vorstands von Alliander.

Inzwischen seien fast eine Million Nutzer angeschlossen. »Unser Ziel ist es, auch in Deutschland in einer strategischen Partnerschaft mit der Energiewirtschaft ein flächendeckendes und hochverfügbares Funknetz für Unternehmen und Organisationen mit kritischen Kommunikationsanforderungen aufzubauen.«

Mit der Energiewende seien die Kommunikationsanforderungen der Energiewirtschaft deutlich gestiegen, so Stefan Kapferer, Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

»Wir als BDEW plädieren daher seit langem für den Aufbau eines bundesweiten 450 MHz-Funknetzes. Diese Kommunikationslösung ist wie keine andere geeignet, die durch Digitalisierung und Dezentralisierung entstehenden Bedarfe zu adressieren und auch  weiterhin die Daseinsvorsorge zu gewährleisten.«