Damit die Verkehrswende nicht zur Last wird

Wenn die Verkehrswende gelingen soll, muss das Stromnetz künftig viele E-Autos mit Strom versorgen. Damit die Stromleitungen nicht überlastet werden, müssen die Netzbetreiber Vorsichtsmaßnahmen treffen. Zum Beispiel mittels Lastmanagement. In Aachen wird das zur Zeit getestet.

10. April 2018

Smartlab aus Aachen entwickelt gemeinsam mit Regio IT ein zentrales Lastmanagementsystem.

 

„Das System ermöglicht die backendseitige Steuerung von Ladevorgängen“, heißt es in einer Mitteilung der Unternehmen.

 

Netzausbau vermeiden

 

„Dadurch können mit der vorhandenen Anschlussleistung mehr Autos gleichzeitig geladen werden, ohne dass diese kostenintensiv erhöht werden muss.“ Konkret können in vielen Fällen bauliche Maßnahmen vermieden werden, heißt es.

 

So werden dem Betreiber von Ladeinfrastruktur Einsparungen ermöglicht.

 

Bemerkenswert sei, dass das System herstellerübergreifend einsetzbar ist, so Smartlab.

 

Dadurch ist der Betreiber von Ladeinfrastruktur nicht nur an einen Anbieter gebunden, sondern kann sogar an einem Standort mehrere Fabrikate kombinieren.

 

Nach Unternehmensangaben würden in der nun gestarteten Testphase verschiedene Anwendungsfälle und Steuerungsarten erprobt.

 

Die Anzahl an E-Ladesäulen bundesweit wächst rasant. Zudem nehmen die Batteriekapazität und die Ladeleistung der Fahrzeuge zu.

 

„Dadurch ergeben sich neue Herausforderungen für Netzanschlüsse und Netzauslastung“, so Smartlab.

 

So gestalten sich zum Beispiel Netzanschlüsse für große Fuhrparks ohne Lastmanagement äußerst kostspielig oder sind bei Wohnhäusern nicht auf die Ladeprofile von Elektrofahrzeugen ausgelegt.

 

Über ein zentrales und flexibles Lastmanagement zur gezielten Steuerung der Ladeleistung könne laut Smartlab diesen Problemen vorgebeugt werden.

 

„Proprietäre Lösungen, die bereits auf dem Markt sind, verhindern die nötige Interoperabilität“, sagt Max Dern von Smartlab. „Das von uns entwickelte System ermöglicht die backendseitige gezielte Steuerung von Ladevorgängen. Es basiert auf dem offenen Protokollstandard OCPP 1.6 und ist so flexibel einsetzbar und ausbaufähig.“

 

Verkehrswende erfordert leistungsfähige Infrastruktur

 

Insgesamt werden in Deutschland nach Berechnungen des BDEW rund 70.000 Normal- und 7.000 Schnellladepunkte benötigt.

 

An Normalladepunkten finden Ladevorgänge in der Regel mit 230 V oder 400 V AC statt. Damit sind Ladeleistungen zwischen 3,7 kW und 22 kW möglich.

 

Vor allem die Schnelllade-Technik stellt hohe Ansprüche an die Infrastruktur, sagen Experten. Nach Angaben des Bundesverbandes E-Mobilität gibt es derzeit cirka 1.300 Schnellladepunkte in Deutschland. Ende des Jahres sollen es rund 1.800 sein, so der Verband.

 

Die Tesla-Supercharger arbeiten mit 480 V DC und erlauben eine Ladeleistung von 145 kW; ein Dienstleister lässt gerade in ganz Europa Ladesäulen aufstellen mit einer Ladeleistung von bis zu 350 kW.