Verbraucher mögen's grün. Das ist die Erkenntnis des BÖLW-Branchenreports 2020. Danach gaben die Deutschen 2019 rund 12 Mrd. Euro für Bio-Lebensmittel und Getränke aus. Ob Milch, Joghurt oder Öl, ob Bier oder Limonade: Wo der Inhalt schon biologisch ist, ist es die gläserne Verpackung oft nur halbherzig.

CO2-Intensive Glasproduktion

Denn alles Mehrweg kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Glashütten vornehmlich fossiles Erdgas nutzen. Die Glasindustrie und ihr Verband, der Bundesverband Glasindustrie e. V., halten sich mit belastbaren Zahlen zu den eigenen Verbräuchen und Emissionen aus der Gasnutzung zurück.

Bekannt ist: 2018 wurde aus 4,057 Mio. Tonnen Glas sogenanntes Behälterglas, also zum Beispiel Flaschen für Mineralwasser und Bier hergestellt. Rechnet man das anhand des ebenfalls bekannten Gewichts der jeweiligen Normflaschen um, entspricht das etwa 6,7 Mrd. Mineralwasserflaschen oder 11,1 Mrd. Standard-Bierflaschen. Anhand dieser Zahlen lässt sich erahnen, dass für die Produktion eine enorme Menge fossiles Gas durch die Leitungen fließt und die CO2-Belastung entsprechend groß ist.

Was Strom kann, kann Gas schon lange

Offener in der Kommunikation ist die Branche, wenn es um den Einsatz moderner Technologien und Maschinen sowie um Grünstrom geht. Wenngleich diese Schritte oft nur deshalb gegangen werden, weil die von der Politik geschaffenen Anreize stimmen.

Bei Gas aber sind die Bedenken groß: Maschinen sind sensibel, können nur bestimmte Mengen eines Gases wie Wasserstoff verkraften und die Umstellung einer ganzen Produktion ist kostenintensiv. Diese Argumente sind jedoch schnell entkräftet, wenn man den Einsatz von Biomethan betrachtet. Das, was Strom leistet, kann das grüne Gas nämlich schon lange.

Energieintensive Industrien wie Glashütten können unbesorgt sein: Biomethan geht nicht aus.

— Maximilian Kurth Bmp greengas

Punkt eins: die Produktion umstellen. Um klimafreundlicher zu produzieren, muss nicht gleich die gesamte Produktion auf Biomethan umgestellt werden – es genügt zum Einstieg schon eine Produktlinie. Ob Normbrunnenflasche oder individuelle Designflasche ist dabei freigestellt.

Punkt zwei: keine technischen Umrüstungen notwendig. Um auf Biomethan umzusteigen sind keinerlei technische Veränderungen an Infrastruktur oder Anlagentechnik erforderlich. Die Umstellung geht also schnell und kostet an dieser Stelle keinen Cent mehr.

Biomethan-Anteil flexibel bestimmen

Punkt drei: Biomethan-Anteil flexibel bestimmen. Es ist möglich, 100 Prozent Biomethan zu nutzen, es ist aber nicht notwendig. Auch eine prozentuale Beimischung ab zehn Prozent reduziert bereits die umweltschädlichen Emissionen.

Punkt vier: Emissionsfaktor bedenken. Die energieintensiven Industrien, zu denen auch Glashütten zählen, sind emissionshandelspflichtig. Hier darf Biomethan im jährlichen Emissionshandelsbericht mit dem Faktor Null geltend gemacht werden.

Checkliste

Einspeisevolumen von Biomethan in Deutschland:

2018*:

10.018 GWh – 7.672 Volllaststunden

2017:

9.838 GWh – 7.624 Volllaststunden

2016:

9.257 GWh – 7.526 Volllaststunden

2015:

8.564 GWh – 7.314 Volllaststunden

(*Hochrechnung dena)

Quelle: dena

Punkt fünf: auf Biomethan-Potenzial vertrauen. Energieinten- sive Industrien wie Glashütten können unbesorgt sein: Biome- than geht nicht aus. Im Gegenteil, das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft.

Der BDEW hat Anfang 2019 Zahlen veröffentlicht: Insgesamt kommt man dort auf einen Wert von 90 bis 118 TWh. Gerade die Industrie kann also durch hohe Energieverbräuche die Erschließung des ungenutzten Potenzials weiter ankurbeln und muss sich keine Sorge über Lieferengpässe machen. Punkt sechs: Marketingeffekte einbeziehen. Ein grünes Produkt von A bis Z ist auch im Verkauf ein Argument.

100 Prozent Bio im Glas

Verbraucher sind grundsätzlich gewillt, für klimafreundliche Produkte höhere Preise zu bezahlen. Es ist eine Aufgabe der Kommunikation, hier breites Bewusstsein zu schaffen. Die Effekte einer Umstellung auf Biomethan sind also auch ohne konkrete, öffentliche Zahlen der Industrie hoch zu bewerten. Kombiniert mit dem Mehrwegsystem, der Nutzung recycelten Glases, biokonform produzierten Inhalten und bestenfalls kurzen Transportwegen entstehen Produkte, die dem Zusatz Bio eine neue Bedeutung geben.

Maximilian Kurth, Bmp greengas GmbH