Das Heim in der Tasche

Spezial

Smart - Home Der Weg zum Massenmarkt hängt von verschiedenen Faktoren ab, das Interesse der Verbraucher ist grundsätzlich da. Nun gilt es neben einer klaren Kommunikation der Vorteile und Mehrwerte einerseits, auch die Automatisierung voranzutreiben. Doch ohne die zum Nutzertyp passende Hardware im Heim könnte das mit dem Mehrwert auf Dauer nur schwer funktionieren.

30. November 2012

Smart Home ist ein Zukunftsmarkt, der in den kommenden Jahren stark an Bedeutung gewinnen wird – abhängig davon, ob sich die erforderlichen Standards entwickeln und durchsetzen werden. Derzeit ist der Markt heterogen und zeigt eine große Lösungsvielfalt, wie eine Analyse der Berater von Mücke, Sturm & Company aufzeigt. Diese geben auch einen Ausblick auf die mögliche Entwicklung bis 2015. »Die Nachfrage ist eindeutig vorhanden. Anbieter und Unternehmen, die den Zukunftsmarkt Smart Home betreten wollen, können sich jetzt positionieren«, sagt Michael Mücke, Managing Partner der Managementberatung.

»Die größte Herausforderung besteht darin, den Verbraucher für das Smart Home zu begeistern«, so Dr. Thomas Goette, CEO des Smart-Meter- und Smart-Home-Software-Anbieters GreenPocket. »Zwar zeichnet sich eine deutliche Demokratisierung des Marktes ab, dennoch ist das Preis-Leistungs-Verhältnis für viele potenzielle Kunden noch nicht überzeugend.« Der Weg zum Massenmarkt hänge von Produktinnovationen ab, die erschwinglich sind und den Alltag erleichtern. »Das technische Potenzial dazu ist da – nun gilt es, überzeugende Lösungen zu finden, die beim Verbraucher einen ›Wow-Effekt‹ auslösen.«

Die Zielgruppe für das Smart Home ist groß, führt Goette weiter aus: Vom technikbegeisterten Early Adopter über den komfortbewussten Familienvater oder Energiesparer bis hin zum Rentner, dessen Alltag von Ambient-Assisted-Living-Funktionen erleichtert wird. »Umfragen zufolge ist die Mehrheit der Deutschen an Smart-Home-Lösungen interessiert.«

An solchen Lösungen arbeitet auch das Stadtwerke-Netzwerk Trianel. Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft 2012 wollen im Netzwerk Smart Metering engagierte Stadtwerke ihren Kunden einen Heizungs- und Sicherheitsassistenten anbieten. »Den Kunden ist es besonders wichtig, dass diese Lösungen einfach und intuitiv zu handhaben sind«, so Tim Karnhof, Leiter Smart Metering bei Trianel. Intelligente Energieprodukte sollten nicht aufgezwungen werden, sondern müssten den Anwendern einen echten Mehrwert bieten.

Konkrete Mehrwerte gefragt

Die Technik muss fehlerfrei funktionieren und einfach zu bedienen sein, sieht auch Thomas Goette eine wichtige Anforderung an solche Lösungen. »Die Herausforderung besteht unter anderem darin, die technologische Komplexität des Smart Home in intuitiv verständliche Funktionen zu übertragen.« Die neue Technologie müsse den Weg in den Alltag des Verbrauchers finden. Hier seien konkrete Mehrwerte gefragt.

»Alle sprechen von der ›Killer-App‹ für das Smart Home. Bisher hat aber keiner eine Idee, wie diese aussehen soll«, sagt er. »Das ist auch überhaupt nicht erstaunlich. Schließlich geht es beim Smart Home weniger um die ›eine, alles in den Schatten stellende‹ Innovation als um eine Vielzahl unterschiedlicher Dienste und Features, aus denen der Verbraucher individuell auswählen kann.«

Der Mehrwert für den Verbraucher besteht zum Beispiel darin, dass er sein Zuhause individuell steuern und automatisieren kann – über den PC, aber auch von unterwegs über das Smartphone, so Goette weiter. »Hier ergeben sich ganz neue, vielfältige Nutzungsszenarien.« Das Spektrum reicht von einer energieeffizienten Heizungssteuerung, über die Integration einer PV-Anlage, bis hin zur vollen Automatisierung einzelner Räume. »Dadurch lässt sich nicht nur der Komfort erhöhen, sondern langfristig auch Energie sparen.« Wichtig sei die Arbeit an dieser Automatisierung.

Für den langfristigen Erfolg ist es laut GreenPocket aber auch wichtig, eine passende Kombination zwischen Software und Hardware zu finden. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch die Studie von Mücke-Sturm. Die Attraktivität der Lösungen steigt für den Verbraucher mit der Anzahl an verfügbaren Anwendungsmöglichkeiten.

Hardware passend zum Typ

Smart Home steht und fällt mit der Hardware, ist Goette überzeugt. Die Optimal Pattern Technology (>e 10, S. 20) soll künftig die Hardware analysieren, um daraus etwa Nutzertypen zu erstellen. »Das Ziel ist, Soft- und Hardware perfekt aufeinander abzustimmen, zu automatisieren und dabei die Präferenzen des jeweiligen Nutzers möglichst genau zu berücksichtigen.«

Die Kooperation des Unternehmens mit dem Online-Shop-Anbieter Grünspar gehe bereits in diese Richtung. »Über einen integrierten Online-Shop kann der Nutzer die passende Hardware schnell und einfach auswählen. Die Empfehlungen dazu werden dann aus der Software selbst kommen.« Dabei lassen sich solche Lösungen auch als Marketing-Tools und als innovative Service- und Kommunikationskanäle nutzen, sieht er weitere Möglichkeiten für EVU.

Zudem gibt es gerade in der Kommunikation des Themas an sich noch einiges zu tun. So ergab eine Studie von TNS Infratest, das rund ein Drittel der Befragten keinen Mehrwert der Lösungen im Vergleich zur konventionellen Zeitschaltuhr oder automatischen Temperaturregulierung erkennt. Aufgabe der Unternehmen sei nun, die Unterschiede deutlich herauszustellen und die Vorteile klar zu kommunizieren. »Viele Menschen wissen heute nicht genau, was sich hinter dem Begriff versteckt«, sagt auch Goette. »Die Möglichkeiten und Vorteile für den einzelnen Nutzer müssen ebenso erklärt werden wie die Möglichkeiten und Vorteile für die Energieversorgung.«

Erschienen in Ausgabe: 10/2012