Das Wie der Wärme

Sektorkopplung kann auf verschiedenen Pfaden realisiert werden. Aber was kostet das und welche Auswirkungen hat es auf die Versorgungssicherheit? Mit diesen Fragen beschäftigt sich eine neue Studie, die acht Unternehmen aus der Energiebranche in Auftrag gegeben haben.

22. März 2017

Das Beratungsunternehmen Enervis hat die Studie im Auftrag von Dea, EWE, Gascade, Open Grid Europe, Shell, Statoil, Thüga und VNG erstellt.

30 Milliarden Mehrkosten

„Unsere Modellierungen zeigen die enormen Kosten einer Dekarbonisierung des Wärmemarktes“, so Julius Ecke von Enervis. „Diese Kosten dürfen nicht weiter aus der aktuellen Energiewende-Diskussion ausgeblendet werden.“ Das gelte insbesondere, wenn über die Grüne Vollelektrifizierung gesprochen werde, „die mittlere Mehrkosten von rund 30 Milliarden Euro pro Jahr verursachen würde“, sagt Ecke.

„Um diese volkswirtschaftlichen Kosten zu senken, brauchen wir einen Wettbewerb der Technologien und keine Vorfestlegung auf einzelne Optionen.“

Michael Riechel, Vorsitzender des Vorstands der Thüga Aktiengesellschaft ergänzt: „Wer auf dem Weg in die dekarbonisierte Welt vorhandene Infrastrukturen nicht bestmöglich nutzt, vernichtet unternehmerische Werte, schwächt die Versorgungssicherheit in Deutschland und treibt die Kosten für die Endkunden.“

Blick auf 2030 und 2050

Die Studie zeigt unterschiedliche Pfade in eine CO2-arme Zukunft auf. Der Fokus liegt auf den Effekten von Kohleausstieg, Vollelektrifizierung sowie Strom zu Gas (P2G) bis 2030 und 2050.

Ausgewertet wurden verschiedene Szenarien zur Dekarbonisierung des Wärmemarktes durch Voll- oder Teilelektrifizierung – mit und ohne P2G. Die Ergebnisse zeigen laut Enervis: Eine weitreichende Sektorenkopplung ist teuer.

Dabei liegen die Sektorenkopplungen per „Vollelektrifizierung“ und „Elektrifizierung mit P2G“ auf einem ähnlichen Kostenniveau, mit leichten Vorteilen für die Sektorenkopplung mit P2G.

Darüber hinaus kann der Einsatz von P2G den Leistungsbedarf des Systems um bis zu 53 GW gegenüber einem Szenario mit Vollelektrifizierung des Wärmemarktes senken.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Erdgas bleibt bis mindestens 2040 die kosteneffizienteste CO2-Vermeidungsoption für Wärme und bis 2050 und darüber hinaus ein kosteneffizienter CO2-armer Energieträger für Backup-Kraftwerke.

Branche sieht Power-to-Gas als gute Option

„Die Studie zeigt, dass wir verstärkt auf die Sektorenkopplung über Power-to-Gas setzen müssen, um die Klimaschutzziele kostengünstig zu erreichen“, so Ulf Heitmüller, Vorstandsvorsitzender der VNG.

„Im Vergleich zu einer Vollelektrifizierung für die wir eine umfangreiche Strominfrastruktur aufbauen müssten, können wir unsere bereits sehr gut ausgebaute Gasinfrastruktur nutzen, um synthetische Gase zu speichern und zu transportieren

Die Studie Klimaschutz durch Sektorenkopplung: Optionen, Szenarien, Kosten lässt sich hier auf den Seiten von Enervis herunterladen.