Daten sind das neue Öl

Management

Noch allzu oft nähern sich die Marktteilnehmer dem Thema aus technisch-normativer Perspektive. Dabei sind Daten der Rohstoff der Zukunft: Wer sie besitzt und sie auszuwerten versteht, bestimmt die Spielregeln.

21. September 2017

Dass die digitale Transformation kommt, ist Fakt. Vielmehr wird in 1-2 Jahren ein ganz anderer Aspekt im Vordergrund stehen: Welchen Nutzen generieren die erhobenen Daten – dienen sie der Erhöhung der Servicequalität oder zur Erschließung neuer lukrativer Geschäftsfelder?

Immerhin werden bundesweit nach Angaben der Atos Deutschland 40 Millionen Haushalte 3,8 Milliarden individuelle Datensätze erzeugen– und das jeden Tag. Die Wertschöpfung des digitalen Zeitalters liegt also vor allem in den verwertbaren Informationen. Kern zukünftigen Wachstums ist die Hoheit über die erfassten Daten.

Rohstoff der Zukunft

Das stellt auch gänzlich neue Anforderungen an die zugrundeliegenden IT-Systeme. »Nicht in der technischen Umsetzung – der reibungslosen Gateway-Administration – liegen die Potenziale, sondern in einem flexiblen ERP-System mit einem leistungsstarken Meter Data Management«, betont Sebastian Weiße, Lösungsarchitekt der SIV.AG. Er stellt hiermit einen entscheidenden Vorteil der Herangehensweise seines Unternehmens im Gegensatz zu anderen Software- und Beratungshäusern heraus. Noch allzu oft nähern sich die Marktteilnehmer dem Thema aus technisch-normativer Perspektive. Dabei sind Daten der Rohstoff der Zukunft: Wer sie besitzt und sie auszuwerten versteht, bestimmt die Spielregeln.

Lösungspaket

Zugleich entwickelt die SIV.AG ihre Komplettlösung für die kaufmännischen und datengetriebenen Aufgaben eines wettbewerblichen Messstellenbetreibers weiter – optional zuzüglich der Zusatzkomponente Gateway-Administration, die gemeinsam mit dem Partner Mitnetz umgesetzt wird.

Das Lösungspaket der SIV.AG basiert auf dem System ›kVASy‹ für die kaufmännischen und buchhalterischen Geschäftsprozesse sowie auf dem MDM-System der SIV.AG für die zusätzlichen Prozesse aller Marktrollen im Umfeld der intelligenten Messsysteme. Beide werden in zertifizierten Rechenzentren in Deutschland betrieben, können aber auch on-premises oder als BPO-Lösung genutzt werden. Für die Kunden der SIV.AG ist es besonders wichtig, auf ein möglichst umfassendes Dienstleistungsspektrum zurückgreifen zu können. Es reicht von der Geräteverwaltung über Kommunikation des Gerätewechsels und die Bereitstellung der Messdaten bis hin zur Rechnungslegung und zum Forderungsmanagement.

Investment kalkulieren

Sebastian Weiße rät Unternehmen, das Investment sorgfältig zu kalkulieren: »Es empfiehlt sich immer, ein einfaches Nutzenmodell zu wählen, also nur für Messlokationen zu zahlen, die auch tatsächlich auf dem System abgebildet sind. Ebenso wichtig ist eine einfache Anbindung an die vorhandene Systemlandschaft – über offizielle Marktschnittstellen oder standardisierte, produktive Buchhaltungsschnittstellen für den Jahresabschluss.«

Strategie entwickeln

Auch wenn es schon oft wiederholt wurde: Als unternehmensweite Managementaufgabe verändert die Digitalisierung der Energiewende die gesamte Aufbau- und Ablauforganisation der EVU. Ohne klare Ziele und eine feste Verankerung der Firmenstrukturen geht es daher nicht. Jedes Unternehmen muss hier seinen eigenen Weg finden; Universallösungen gibt es leider nicht.

Am Anfang sollte dabei stets eine sorgfältige Chancen-Risiken-Abwägung stehen. Erst nach einer ehrlichen Positionsbestimmung, aktuell und zukünftig, ist es sinnvoll, die technische Seite des Rollouts konkret durchzuplanen.

»Unsere Kunden sollen nicht nur kurzfristig die gesetzlichen Pflichtaufgaben erfüllen«, betont Weiße. »Gemeinsam mit ihnen möchten wir eine Grundlage für zukünftige innovative Geschäftsmodelle schaffen – also die Pflicht UND Kür meistern.« Das MDM-System ist dafür eine solide Basis, verwandelt es doch Millionen Datensätze in wertvolle Informationen. So können die EVU ihre größten Assets ausspielen und ihr Profil als servicestarke Energiedienstleister stärken. Bewusst hat sich die SIV.AG für die Entwicklung eines eigenen MDM-Systems entschieden, wobei eine offene Architektur und ein klarer Cloud-First-Ansatz oberste Prämisse sind.

»Mit unserer Lösung sind wir gleichermaßen für Bestandskunden und Interessenten offen – natürlich mit modernster Technologie, einer hohen Performance und minimalen Onboarding-Kosten«, so Weiße.

Meter Data Management

Dass die Branche den Smart-Meter-Rollout ganz pragmatisch angeht, ist vor allem der Komplexität des Themas geschuldet.

Die gesamte Dimension der Veränderungen wird sicher erst in zwei bis drei Jahren in einem konsolidierten Marktumfeld mit gereiften Technologien und gesetzten Preisen deutlich. Wer hier frühzeitig die Bedeutung eines effektiven MDM erkannt hat, kann sich schneller, agiler und präziser als der Wettbewerb aufstellen. Auf Basis zielgerichteter Big-Data-Analysen entsteht eine völlig neue Sicht auf den Endkunden. Hierzu gehören smarte Lösungen für die Wartung, Instandhaltungsmanagement beziehungsweise Predictive Maintenance und Elektromobilität ebenso wie maßgeschneiderte Energieeffizienz- und Tarifangebote, die Ableitung eigener Standardlastprofile, Optimierungen im Mehr-/Mindermengensegment sowie bessere Angebote für die Endkunden.

Diese lassen sich erst dann für den Smart-Meter-Einbau begeistern, wenn sie messbare Vorteile spüren. Meter Data Management kann dafür den Boden ebnen. Ein neues Messsystem allein wird das nicht schaffen. Vom Kunden her denken, Mehrwerte und positive Emotionen vermitteln – das ist auch zukünftig die Basis nachhaltigen Wachstums. Der Erfolg der gewählten Rollout-Strategie hängt nicht zuletzt von ganz individuellen Lösungspaketen ab. Während in der einen Stadt etwa viele Mieterstromprojekte angelaufen sind, gibt es in einer anderen Region mehr große Gewerbe- und Industriekunden mit RLM-Zählern. Die zielgerichtete Nutzung der erfassten Daten bietet hier völlig neue Möglichkeiten.

Dr. Anke Schäfer für die SIV.AG

Erschienen in Ausgabe: 08/2017