Der IT-Blick in die Glaskugel

KONGRESS Die IT muss sich flexibel an die sich immer schneller verändernde Entwicklung in der Energiewirtschaft anpassen. Dies war ein Thema auf der Utilities Conference von SAP.

19. April 2007

Der IT-Konzern präsentierte auf der International Utilities Conference in Amsterdam, die SAP zum sechsten Mal veranstaltete, unter anderem Erweiterungen seiner CRM- und Abrechnungssoftware sowie Anwendungen für die Advanced Meter Infrastructure (AMI) zur Verbrauchs- und Bedarfserhebung, die das Konzept einer serviceorientierten Architektur für Geschäftsanwendungen (Enterprise SOA) umsetzen.

Vorstandssprecher Henning Kagermann stellte in seinem Eröffnungsvortrag ein Competence-Center zur Unterstützung von Compliance-Anforderungen in deregulierten Märkten vor. Das neu gegründete ›SAP for Utilities Liberalization Competency Center‹, das eng mit Versorgungsunternehmen zusammenarbeiten soll, hat die Aufgabe Compliance-Funktionen in SAP for Utilities weiter an lokale Marktvorschriften anzupassen.

Klaus Heimann, Leiter der Geschäftseinheit Utilities, verwies auf die Sonderstellung, die das Unternehmen weltweit in der Versorgungswirtschaft einnimmt. SAP for Utilities sei das führende Lösungsportfolio im Markt. Mehr als 1.100 Kunden aus der Versorgungswirtschaft, darunter 32 der 50 größten Versorgungsunternehmen weltweit, würden auf die Lösungen von SAP setzen.

2006 habe man das Lizenzgeschäft in der Versorgungsindustrie weltweit, vor allem aber in den Kernregionen Nordamerika und EMEA (Europe, Middle East, Africa) überproportional steigern können. Insgesamt seien im letzten Geschäftsjahr 90 Neukunden hinzugekommen, 560 Kundenverträge wurden abgeschlossen, berichtete Heimann (Bild ob. li.).

Auf der Produktseite präsentierte der IT-Konzern in Amsterdam verschiedene neue Services und Anwendungen, die im Laufe des Jahres verfügbar sein werden. So wird SAP unter anderem ein Webclient basiertes Customer Interaction Center mit CRM- und Abrechnungslösungen von SAP einrichten. Dadurch sollen sich Call-Center-Prozesse für Full-Service-Versorgungsunternehmen in regulierten sowie für Endkundenversorger in deregulierten Märkten optimieren lassen.

NEUES ZUM ADVANCED METERING

Darüber hinaus präsentiert man neue Anwendungen für so genannte AMI, mit denen sich neue Produkte für Endkunden entwickeln und bedarfsorientierte Versorgungsprogramme optimieren lassen. Die AMI-Services entsprechen dem Konzept einer serviceorientierten Architektur für Geschäftsanwendungen (Enterprise SOA) und »sorgen damit für eine nahtlose Integration technischer und wirtschaftlicher Abläufe«. Die Services werden mit dem zweiten Erweiterungspaket von mySAP ERP zur Verfügung stehen, hieß es in Amsterdam.

Während das Marktmodell in Asien vorwiegend auf Wachstum basiert und in den USA auf Zuverlässigkeit, Sicherheit und niedrigen Kosten, stehen die Zeichen in Europa auf Deregulierung, Wettbewerb, Privatisierung und Innovation. Speziell die Deregulierung sei ein dynamischer Prozess, der permanenter Anpassungen bedürfe, betonte SAP-Mitarbeiter Dr. Stefan Engelhardt.

Das Ziel sei ein EU-weit harmonisiertes Marktmodell, das man bei SAP mitgestalten wolle.

Den Fokus auf Europa richtete auch Torsten Ecke, CIO bei der E.on AG. Die EU bewege sich auf einen integrierten Energiemarkt zu, betonte er in Amsterdam. In einem stärkeren Wettbewerbsumfeld werde das schnelle Handeln immer wichtiger. Dies habe direkte Auswirkungen auf die Anforderungen an die IT.

Diese müsse zwar überregionale Prozesse unterstützen, jedoch dürfe der lokale Fokus nicht komplett verlassen werden. Generell seien neue Prozesse schneller umzusetzen als in der Vergangenheit, machte Ecke klar. So könne es notwendig sein, neue Lösungen zunächst lokal zu testen, diese bei Bedarf aber global auszurollen. Hier adressiere SOA die künftigen IT-Herausforderungen der Versorger. Diese sei in die bestehende Architektur zu integrieren, sagte Ecke.

Die Bedürfnisse einzelner Geschäftseinheiten könnten dabei sehr unterschiedlich sein. Während etwa der Vertrieb Agilität benötige, stünde im Netzbereich die Prozesseffizienz im Fokus.

In diesem Umfeld gewännen Echtzeitinformationen an Bedeutung. Hier sei es wichtig, künftige Anforderungen an das Business vorherzusehen. Ecke verglich dies mit dem IT-Blick in die Glaskugel. Auf eine IT-Strategie zu warten als Resultat einer Businessstrategie könnte eventuell zu lange dauern, warnte der Informationstechnik- Chef von E.on.

(mn)

Erschienen in Ausgabe: 04/2007