Der Kampf der Elemente

Trennen sich zwei Elemente. Sagt der Wasserstoff zum Kohlenstoff: War ja schön, natürliches Erdgas zu sein, aber es geht auch anders.

23. August 2013

Was hat es der Wasserstoff doch momentan gut - an allen Ecken und Enden gefragt. Gut, dass er so gern mit dem Sauerstoff anbändelt, wir wären sonst bestimmt längst verdurstet.

Die Chemie und Industrie braucht ihn für bestimmte Prozesse und Verfahren, um daraus zum Beispiel Synthesegas zu produzieren. Ein wichtiges Grundprodukt, aus dem sich auch Kraftstoffe herstellen lassen.

Andererseits eignet er sich als "Zwischenspeicher" für Erneuerbare Energien - Stichwort Power to Gas. Und umgesetzt zu synthethischem Erdgas kann er dann sogar wieder zurück in die Pipeline. Dazu läuft momentan ein Projekt im niedersächsischen Werlte von Audi.

Dagegen gilt Kohlenstoff - gerade in seiner Verbindung CO2 - ja nun eher als der Buhmann der Nation, obwohl sich auch hier unter dem Stichwort Carbon Capture and Usage einiges getan hat, womit der Kohlenstoff sein Image aufpolieren könnte.

Denn anstatt ihn sich nur im Erdboden verstecken zu lassen, könnte er uns in Basischemikalien, als Kunststoff oder in pflanzlicher Biomasse wieder begegnen und, ja tatsächlich - wie unser sich gerade erst in Scheidung befindlicher Wasserstoff - auch im Synthesegas wieder auftauchen. Einer neuen Verbindung mit dem Wasserstoff stünde also nichts im Wege.

Aber kommen wir nun zum Grund der Scheidung unserer beiden Elemente am Anfang dieser nun doch schon recht langen Geschichte: Forscher von BASF, Linde und Krupp starteten im Juli ein Projekt, in dem sie mit Hilfe einer neuartigen Hochtemperatur-Technologie im großtechnischen Maßstab aus Erdgas Kohlenstoff und Wasserstoff herstellen wollen.

Die Technologie baut auf anderen Ansätzen der Methan-Spaltung auf. Unterschiede bestehen in der Menge, dem verfahrenstechnischen Ansatz und in einem der Zielprodukte - nämlich dem festen Kohlenstoff. Die große Menge an der entstehenden Abwärme soll zudem durch ein neuartiges Reaktorkonzept direkt wieder eingesetzt werden.

Einer Frage, der die Forscher unter anderem nachgehen werden, ist eine mögliche Verwendung des festen Kohlenstoffs in der Koks- und Stahlindustrie als Ersatz für Steinkohle. Wenn also alles klappt, könnten wir in Zukunft aus Erdgas Wasserstoff und Kohle-Ersatz gewinnen - um daraus dann wieder Erdgas herzustellen, synthetisiertes Erdgas natürlich.

Bleibt nur zu hoffen, dass bei diesem verwirrendem hin und her nicht plötzlich ein Streit ausbricht - wer mit wem zuerst und überhaupt und warum. Und die Rohstoffe Kohlendioxid und Wasser sollten uns dabei besser nicht ausgehen. Werden Sie wohl auch nicht, solange wir immer genügend CO2 in die Atmosphäre pusten und die Kohle immer schön verbrennen. Also gut damit eindecken, ist eine Investition in die wärmende Zukunft.