»Der Markt bekommt mehr Speicherkapazität«

Flexibilität Mit der neuen Gesellschaft E.on Gas Storage will E.on Ruhrgas das Speichergeschäft bündeln und internationalisieren. Wir sprachen mit dem Geschäftsführer Hans-Peter Floren unter anderem über die zukünftigen Pläne.

06. November 2008

Für den durch Wettbewerb und Importabhängigkeit geprägten europäischen Erdgasmarkt sind Speicher von zentraler Bedeutung. Ausreichende Speicherkapazitäten stellen neben anderen Steuerungsmöglichkeiten des Gasabsatzes sowie der Diversifizierung von Importen einen wichtigen Baustein für eine sichere und bedarfsgerechte Versorgung mit Erdgas dar. Dabei gilt es, zukünftig erwarteten Änderungen im Erdgasmarkt Rechnung zu tragen. Bei steigendem Gasbedarf in Europa und gleichzeitig abnehmender heimischer Förderung müssen immer größere Mengen aus entfernteren Lieferländern mit zunehmenden Grundlastanteilen importiert werden. Dazu ist die Entwicklung weiterer und der Ausbau bestehender Erdgasspeicher erforderlich.

es: Welche Kapazitäten streben Sie für die kommenden Jahre an?

Wir werden unsere Speicheraktivitäten ausweiten. So haben wir den bereits Ende 2007 mit dem Bonner Unternehmen IVG Kavernen GmbH langfristig geschlossenen Vertrag zur Nutzung von Kavernen in Etzel mit einem zusätzlichen Arbeitsgasvolumen von bis zu 2,5 Milliarden Kubikmeter übernommen. Eine stufenweise Inbetriebnahme des Erdgasspeichers soll ab 2012 erfolgen. Weitere Projekte, wie im ostfriesischen Jemgum, sind in Planung oder in Vorbereitung.

es: Deutschland wird sich durch die Nordeuropäische Pipeline stärker zur Erdgas- Handelsdrehscheibe entwickeln. Mit welchen neuen Kundengruppen rechnen Sie?

Die Nord-Stream-Pipeline ist ein europäisches Projekt, das einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Sicherung der Erdgasversorgung der EU-Mitgliedstaaten leisten wird. Die Sicherung und Ausweitung der Erdgasversorgung wird zu steigender Nachfrage nach Speicherdienstleistungen führen, die wir gerne anbieten. Wir rechnen mit neuen Kunden aus dem deutschen Markt und den europäischen Nachbarländern.

es: Sie bieten auch anderen an, Ihre Speicher nutzen zu können. Welche Bedingungen müssen Kunden hierbei erfüllen?

Wir erwarten von unseren Kunden einen dem Geschäftsumfang angemessenen Bonitätsnachweis sowie einen gewissen zeitlichen Vorlauf für Prüfung und Abwicklung der Kapazitätsprüfungen und Implementierung neuer Verträge. Wir entwickeln derzeit darüber hinaus eine kundenfreundliche und internetgestützte Plattform für die zukünftige Angebotsdarstellung und deren zeitnahe Abwicklung. Unsere wesentlichen Geschäftsbedingungen sind im Internet veröffentlicht und beschreiben unsere Dienstleistungen, die wir nun Zug um Zug ausbauen und erweitern werden.

es: Sie bieten auch an, für Kunden individuelle Speichermöglichkeiten zu realisieren. Gibt es hier schon konkrete Pläne?

Für die jeweils unterschiedlichen Bedürfnisse unserer Kunden werden wir diversifizierte Speicherlösungen anbieten. Dabei werden unsere Kunden zwischen der Bestellung von gebündelten und ungebündelten Speicherkapazitäten aus unterschiedlichen Speichern mit entsprechend individuellen Leistungen wählen können. Auch die Laufzeit der Verträge kann bedarfsgerecht gestaltet werden. Wir werden noch zum Ende des jetzigen Kalenderjahres über diese neuen Produkte und Dienstleistungen im Detail informieren.

es: Die Pläne der EU-Kommission, auch die Gasspeicher einer Regulierung zu unterwerfen, sind nicht vom Tisch. Wie stehen Sie zu diesem Thema?

Aus unserer Sicht erscheinen viele der geplanten Regulierungsmaßnahmen überflüssig. Mit der Gründung der E.on-Gas Storage ist beispielsweise eine rechtliche Verselbstständigung der Speicheraktivitäten erfolgt, ohne dass der Gesetzgeber tätig werden musste. Wir bieten bereits heute allen Interessenten aus dem In- und Ausland freie Speicherkapazitäten und die dazugehörenden Dienstleistungen auf Grundlage der europäischen Speicherleitlinien GGPSSO zu fairen und transparenten Bedingungen an. Auch in diesem Punkt ist eine gesetzliche Regulierung überflüssig. Es wird künftig darauf ankommen, mehr Speicherkapazitäten zu schaffen und dem Markt zur Verfügung zu stellen. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die, im Unterschied zu Deutschland, mit Speicherkapazitäten deutlich geringer versorgten Nachbarländer.

es: Das heißt Sie werden künftig im Ausland verstärkt aktiv werden?

Richtig. Wir werden neue Kapazitäten schaffen, sofern die Marktrahmenbedingungen ein entsprechendes Engagement und Investitionen erlauben. Eine weiter gehende normierte Regulierung diesbezüglich halten wir für nicht erforderlich. Gegebenenfalls wäre sie sogar kontraproduktiv, weil sie die Wirtschaftlichkeit von Ausbauprojekten gefährden kann. Dies betrifft auch die derzeitig diskutierte mögliche Verpflichtung zur Vorhaltung strategischer Erdgasreserven.

Udo Kasten

Erschienen in Ausgabe: 11/2008