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Menschen

»Der Schlüssel zum Kunden«

In zehn Jahren gibt es in jedem Keller ein Smart Meter Gateway, davon ist PPC-Chef und Mitgründer Ingo Schönberg überzeugt. Wir sprachen mit ihm über Mehrwertdienste und die Unternehmensentwicklung.

22. Januar 2018

Sie haben 2001 die PPC mitgegründet, damals noch ein Joint Venture von ABB und MVV. Was ist Ihnen aus der Anfangszeit als besonders einprägsam im Gedächtnis geblieben?

Als wir das Unternehmen 2001 gegründet haben, war es noch mit einem anderen Fokus unterwegs und ich für das TK-Geschäft in der MVV verantwortlich. Wir hatten damals die Idee, Internet aus der Steckdose zu machen. Das Unternehmen hatte dann über mehrere Jahre hinweg großes technisches Know-how im Bereich Breitband-Powerline und IP-Netze aufgebaut, aber keinen Markt hierfür. Die eigentliche Geburtsstunde der PPC war dann erst 2007, als wir mit einem Kernteam entschieden haben, dieses Know-how nicht in der klassischen Internetzugangswelt, sondern im Bereich Smart Grid und Smart Metering zu nutzen. Damals haben wir die PPC über einen klassischen Management-Buyout übernommen und neu ausgerichtet. Wie bei vielen Start-ups haben wir uns sukzessive finanziert und entwickelt.Als 2011 das Energiewirtschaftsgesetz angepasst und das Smart Meter Gateway SMGW aus der Taufe gehoben wurde, haben wir den Fokus von Breitband-Powerline auf alle Kommunikationsnetze und das SMGW ausgeweitet. Wir sehen uns heute als eine Smart-Meter-Gateway-Company mit ausgeprägtem IKT- und Betriebs-Know-how. Parallel dazu hat sich im Unternehmen die Gesellschafterstruktur verändert. Es gab früher mehr Venture-Capital-getriebene Investoren. 2016 sind wir aus der Start-up-Welt in eine nachhaltige Unternehmensentwicklung eines langfristig orientierten Gesellschafterkreises gewechselt. Seitdem sind zwar Gründer und Mitarbeiter weiterhin beteiligt, aber mehrere vermögende Family-Offices und die Kalorimeta haben das Venture-Capital abgelöst.

Die verwendbare Kommunikationstechnologie ist abhängig von den Gegebenheiten vor Ort. War das mit ein Grund, Ihr Profil von Breitband-Powerline auf weitere Technologien zu erweitern?

Ganz klar. Sie müssen für Smart Meter Gateways eine leistungsfähige und hochverfügbare Kommunikation haben. So kommen Sie automatisch in die Situation, dass Sie von der Leistungsfähigkeit her zwischen Breitband-Powerline, LTE, Glasfaser/Kabel oder CDMA450 wählen müssen. Die andere Facette ist die Verfügbarkeit. Das heißt, man muss abwägen, welche die richtige Kommunikationstechnologie für welche Anwendung oder für welchen Installationsort ist, und das kommt auf die lokale Situation an. Insofern bieten wir die gesamte Palette.

Natürlich beraten wir unsere Kunden, in welchem Fall welche Kommunikationslösung besser geeignet ist. Wenn Sie sich für Powerline entscheiden, hat das den Charme, dass man eine sehr gute Erreichbarkeit in den Kellern erzielt. Man ist ja schon da, ›Hase und Igel‹. Allerdings muss man dafür eine eigene Basisstruktur aufbauen und betreiben. Im Mobilfunkbereich ist die Erreichbarkeit im Keller oft schwierig, und dann werden Sie mit den hoffentlich erreichbaren Eigentümern diskutieren, wo Sie im Keller die Antenne anbringen dürfen. Dafür haben Sie außerhalb des Hauses ein vorhandenes Netz.

Ein zweiter Punkt sind die ökonomischen Rahmenbedingungen. Wenn Sie sehr wenige Anschlusspunkte haben, dann lohnt es sich möglicherweise nicht, eine eigene BPL-Basisstruktur aufzubauen. Wir sagen, Powerline lohnt sich ab einer Penetration von sieben bis zehn Prozent, also wenn jedes siebte Haus angebunden wird. Darunter ist tendenziell eher Mobilfunk die bessere Lösung. Als weiteres Entscheidungskriterium ist die Dienstleistungsstrategie zu berücksichtigen. Es gibt Unternehmen, die bei den Minimalausbaufällen bleiben wollen. Es gibt Andere, die sagen: Full-Rollout mit möglichst vielen Diensten.

Wir gehen mittlerweile auch auf Unternehmen zu, wenn diese unsicher sind, ob sie eine eigene Struktur betreiben möchten und sagen: Wir bauen für Euch die Struktur auf, betreiben diese und unterstützen Euch beim Aufbau der Dienste. So ermöglichen wir einen sanfteren Einstieg in die Powerline-Welt hinein.

Sie haben unter anderem die Kalorimeta als neuen Gesellschafter an Bord, wie sind die ersten Erfahrungen?

Dass es sehr spannend wird. Unser Fokus lag aufgrund unserer Historie primär auf der Energiewirtschaft, wir hatten die Wohnungswirtschaft mit den großen Immobilien nicht auf dem Radar. Doch dort besteht eine enorme Dynamik durch die Entwicklung des Submeterings sowie Smart-Building-Themen. Der Kalo-Vorstand hat sehr früh erkannt, dass mit dem SMGW Bewegung in den eigenen Markt kommt, und gemeinsam fanden wir eine klare Vision zur Digitalisierung und für klimaintelligente Immobilien. So entwickeln wir heute nicht nur ein spannendes Produkt-Portfolio für die Wohnungswirtschaft. Durch die Kooperation mit Qundis und der neu entstanden Noventic-Gruppe sind wir heute auch für unsere klassischen Kunden aus der Energiewirtschaft wichtiger Partner für deren Dienste geworden.

Vita

Ingo Schönberg

Schönberg ist Mitgründer, Gesellschafter und seit 2005 Vorstandsvorsitzender der PPC.

Als Gründungsmitglied des Fraunhofer Umsicht in Oberhausen war er von 1990 bis 1996 Leiter der Abteilung KWK/Energiedienstleistungen.

Danach war er in verschiedenen Führungspositionen bei der MVV Energie in Mannheim im Bereich Dienstleistungen und Innovation tätig sowie Geschäftsführer Telekommunikation.

Wie viele Kunden haben Sie in der Zwischenzeit bei den EVU?

In Deutschland gibt es an die 800 Netzbetreiber. Wahrscheinlich sind die 100 größten in der Lage, eigenständig etwas auf die Beine zu stellen. Zudem bestehen mittlerweile auch viele Kooperationen. Das heißt bei denen, die Smart Meter Gateways kaufen werden und die Gateway-Administration selbst oder als Dienstleistung anbieten, würde ich sagen, haben wir fast eine 100-Prozent-Quote. Also in den Top 50 sind wir wahrscheinlich in der Größenordnung von 80 bis 90 Prozent der Kunden. Es gibt in Deutschland fast kein Projekt, in das wir nicht in irgendeiner Weise involviert sind. Das liegt auch daran, dass wir mit zwei, drei anderen Marktbegleitern die Ersten sind, die Lösungen haben, die wirklich funktionieren und interoperabel mit den verschiedenen GWA-Systemen sind.

Wo wollen Sie in Zukunft Schwerpunkte setzen?

Der Schwerpunkt der nächsten 24 Monate ist, erst einmal das SMGW in den Rollout reinkommen zu lassen. Ein klarer Schwerpunkt ist zudem das Thema Immobilienwirtschaft und CLS-Ökosystem. Spätestens 2020 greift das Gesetz ja flächendeckend auch bei kleineren Verbrauchern. Außerdem gehen wir davon aus, dass das in Deutschland umgesetzte Datenschutz- und Security-Thema auch international Beachtung findet. Wir machen heute zwar auch schon internationale Geschäfte, aber nur im Bereich Powerline. Da sind wir in den Anrainerstaaten ganz erfolgreich.

Geredet wird von der Einführung von Smart Metern schon seit 2006. Mit Verabschiedung des Digitalisierungsgesetzes hat das Thema etwas Schub bekommen. Kann man sagen, dass ab 2018 die Durststrecke langsam hinter uns liegt?

Es ist definitiv so, dass wir erst 2018 den Hochlauf sehen werden. Aber ich glaube schon, dass das Thema eine enorme Dynamik bekommt, denn Digitalisierung kann man nicht aufhalten und sie ist meist schneller als man denkt. Wir werden dann 2019 in den vollen Rollout-Speed reinkommen. 2020 kommen die vielen Privathaushalte dazu, dann skaliert es sehr schnell. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir in zehn Jahren in jedem Keller ein Smart Meter Gateway hängen haben. Warum? Sie haben einen Rollout von oben und von unten. Von oben runter kommen die Pflichteinbaufälle, von unten hoch kommt die Wohnungswirtschaft. Das, was in der Mitte noch übrig bleibt, wird immer teurer, weil es die gesamten Prozesskosten der alten Struktur tragen muss. Zudem werden Dienste schnell skalieren und den Rollout treiben.

Wie könnte ein Smart Meter Gateway der Zukunft aussehen?

Es wird wahrscheinlich in der Zukunft genauso aussehen wie heute, vielleicht bunter. Im Grundsatz wird es aber technisch genauso aufgebaut sein wie heute. Was es können sollte? Eine hochsichere Zugangsplattform zur Immobilie mit höchstem Datenschutzanspruch und natürlich viele dynamische Tarife abbilden. Momentan sind vier Tarife verfügbar, aber es sind 13 vorgesehen. Das Zweite, was es können wird, ist über die CLS-Schnittstelle eine Vielzahl an Mehrwertdiensten im Haus zu ermöglichen. Vielleicht wird es Anwendungen geben, die direkt schon im Gateway vorgesehen sind und nicht in einem sekundären Device.

Das Gateway ist aus meiner Sicht für Stadtwerke und Wohnungswirtschaft ein digitaler Schlüssel für Mehrwerte sowie Dienstleistungen zum Kunden und zur Immobilie. Es wird natürlich Vieles in der Cloud passieren und Anwendungsentwickler werden den Zugang und Plattformen nutzen. Die Dienste aus der Cloud werden über das Gateway an den Kunden herangetragen. Der Grundgedanke ist ja: Man bekommt Instrumente in die Hand, die es einem ermöglichen, mit erneuerbaren Energien besser umzugehen, mit Speichern, mit Elektromobilen, oder auch um pures Energiemanagement zu machen.

Das BSI hat ein sehr hohes Sicherheitsniveau für das Gateway vorgesehen. Ich glaube, es ist richtig, dass wir das in Deutschland so gemacht haben. Denn so kann man von variablen Tarifen über Submetering bis hin zu energiefernen Bereichen rund um betreutes Wohnen oder Ähnliches realisieren. Letztendlich geht es beim Smart Meter Gateway ja nicht primär um Energie, sondern es geht um Sicherheit und Datenschutz in der Kommunikation. Die BMWi-Roadmap zeigt hier bereits die Zukunft auf. mwi

Erschienen in Ausgabe: Nr. 01 /2018

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