»Der Wert steckt in der Wärme«

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Im Markt für KWK stehen unter anderem mit der KWKG-Novelle Veränderungen an. 2G-Finanzvorstand Dietmar Brockhaus über den magischen Faktor für die Wirtschaftlichkeit und über die neue Tochter 2G Rental.

26. Mai 2015

Das Bundeswirtschaftsministerium will das KWK-Ausbauziel neu definieren: Basis soll künftig nur die thermische Erzeugung sein. Welche Auswirkungen hätte das?

Die Ist-Situation ist, wir haben 16 Prozent Anteil KWK an der Stromerzeugung in Deutschland, und bis 2020 müssten noch neun Prozent ausgebaut werden. Das ist aktuell wohl nicht erreichbar. Wir haben heute rund 22 Prozent Anteil KWK an der thermischen Erzeugung. Damit ist die Politik dem erneuerten KWK-Ziel deutlich näher und kann in 2020 Erfolg vermelden. Wir als börsennotiertes Unternehmen würden für solch einen Kunstgriff zerrissen werden. Wenn die Ziele einfach neu definiert werden, würde das den Ausbau der KWK einschränken. Denn mit dem Ausbauziel ist ein Anreizsystem verbunden gewesen. Darauf haben sich die Branche und die Kundschaft eingestellt.

Bedeutet das einen Investitionsstopp?

Nein. Denn ich sehe die Technologie und die gekoppelte Erzeugung von Elektrizität und Wärme als magischen Faktor an, der die Branche auch stützt. Und es sind nicht nur Strom und Wärme, es sind auch Kälte und Dampf, die produziert werden können. Die Vielfältigkeit der Nutzung ist von maßgeblicher Bedeutung. Das Thema immer nur auf den Strommarkt und die Elektrizität zu reduzieren, ist aus meiner Sicht eine falsche Denkweise.

Was wäre bei der KWKG-Novelle wichtig?

Zumindest eine Basisförderung für Bestandsanlagen und für Neuinvestitionen beizubehalten.

Wie sehen Sie eine zeitliche Begrenzung?

Das wäre auf jeden Fall gut. Eine Volkswirtschaft, die sich auf Subventionen oder Förderkulissen ausruht, legt sich irgendwann schlafen. Und wir sehen, dass Unternehmen unabhängig von der Förderkulisse investieren. Weil sie den Wert der Wärme sehen, der hohe Rentabilität aufweist. Die Amortisationszeiten einer Investition liegen in der Regel zwischen drei und vier Jahren. Nehmen Sie den Sonderfall Textilindustrie: Das Unternehmen mit einem sehr hohen und kontinuierlichen Wärmebedarf hat Amortisationszeiten für seine Investition von zwei Jahren. Durch die Einsparungen, die sie mit der Wärme-Eigenerzeugung erreichen, ist es für sie hoch wirtschaftlich, in die Technologie zu investieren. Unabhängig, ob die Eigenstromerzeugung gefördert wird. Denn der Wert steckt in der Wärme.

Sie haben Anfang des Jahres Ihre Tochter 2G Rental gegründet, die ein Mietmodell für KWK-Anlagen anbietet. Wie passt dies in die derzeitige Marktlage?

Sehr gut. Wenn Stadtwerke oder auch sonstige Unternehmen in KWK investieren wollen, müssen sie ein Investitionsbudget auflegen, das dann häufig durch die höchsten Unternehmensgremien durchgeleitet und genehmigt werden muss. Ist es aber rein über das operative Budget abbildbar – über das, was ich tatsächlich an Miet- oder Leasingkosten habe kann ich es direkt über mein Abteilungsbudget darstellen und brauche diese Entscheidungsprozesse nicht in Gang setzen. Getreu unserem Slogan Innovation ohne Investition. Bilanztechnisch ist es bei 2G in der Bilanz. Sollten wir es über einen Leasing- oder sogenannten Vendor-Finance-Partner generieren, ist es bei diesem in der Bilanz.

Wie funktioniert Ihr Business-Case?

Wir haben eine Zweiteilung – das Mietmodell und das Leasingmodell. Wir können einiges auf unsere Bücher nehmen, wollen aber nicht in unserem Bonitätsrating abrutschen. Daher wollen wir das Gros des Geschäftes über den Vendor-Finance-Partner abbilden. Im Falle des Mietmodells haben wir zunächst auch die Vorfinanzierung voll auf unserer Seite. Bei Lieferbereitschaft, bevor die Anlage unser Haus verlässt, muss aber klar sein, dass die Mittel auf Kundenseite da sind.

Gibt es schon Anfragen?

Wir haben die ersten Verträge abgeschlossen. Die Resonanz ist zudem recht gut und sehr breit gefächert. Das überzeugt uns, dass wir hier mit einem richtigen Ansatz als Pioniere am Markt sind.

Mit welchem Leasing-Partner arbeiten Sie zusammen?

Wir sind jetzt gerade, im Mai, mit einem international tätigen und erfahrenen Spezialisten für Absatzfinanzierungen in eine sogenannte Pre-Program-Phase in Deutschland gestartet. Der Kooperationsvertrag steht kurz vor Abschluss.

Für welche Bereiche von 2G sehen Sie denn großes Potenzial für die Zukunft?

In der Netzintegrationsfähigkeit unserer Anlagen, Stichwort Flexibilisierung und Virtuelle Kraftwerke. Wir haben in der Steuerung eine entsprechende Fahrweise etabliert – wärmegeführt, aber stromorientiert. Unsere Anlagen bieten ein sehr flexibles System, um durch Leitwarten gesteuert zu werden. Denn dezentrale und steuerbare Einheiten werden mit zunehmendem Anteil volatiler Erneuerbarer immer wichtiger. Dies haben auch die großen Energieversorger erkannt.

Vita

Dietmar Brockhaus ist seit Dezember 2012 Finanzvorstand (CFO) des BHKW-Anbieters 2G Energy AG aus dem nordrhein-westfälischen Heek.

Zuvor leitete er fünf Jahre das Finanzressort der börsennotierten Daldrup & Söhne AG und verantwortete darüber hinaus die Geschäftsbereiche Merger & Acquisitions sowie Marketing.

Erschienen in Ausgabe: 05/2015