Deutsche Energiewende als Blaupause für EU gesehen

Europaweit betrachten Experten die deutsche Energiewende als ein mögliches Modell für das EU-Energiesystem, wobei Erdgas darin eine wichtige Rolle einnehmen könnte. So lauten zwei Kernergebnisse des Expertenmonitors Erdgas, den TNS Emnid im Auftrag von Wingas durchgeführt hat.

23. Januar 2013

Je 100 Experten aus Deutschland, Österreich, den Niederlanden und Belgien befragte das Unternehmen. Die Vertreter aus Energiewirtschaft, Wissenschaft und Verbänden haben ihre energiepolitischen Einschätzungen angegeben.

Deutschlands Energiekonzept wird demnach von den befragten Experten nicht nur mit großem Interesse verfolgt, das Projekt erfährt auch durchgängig hohe Zustimmung: 84% halten die Energiewende länderübergreifend für sinnvoll. Dementsprechend betrachten auch drei Viertel der europäischen Experten (76%) Deutschlands Weg als mögliche Blaupause für das EU-Energiesystem.

Auffallend ist jedoch, dass die deutschen Experten in dieser Frage am skeptischsten sind: Während sich in Österreich 81% der Fachleute dafür aussprechen, die Ziele der Energiewende hinsichtlich erneuerbarer Energien und Kernkraft auf EU-Ebene zu übertragen, sind es in Deutschland nur 67%.

Für die konkrete Umsetzung der jeweiligen nationalen Energiepolitik bekommen die Regierungen von den Experten durchgängig negative Bewertungen: So schätzen nicht nur 71% der deutschen Befragten die aktuelle Energiepolitik der Bundesregierung als eher schlecht beziehungsweise sehr schlecht ein. Derselben Meinung sind auch rund zwei Drittel der befragten Fachleute in Österreich, 71% in den Niederlanden und 60% in Belgien mit Blick auf die jeweilige heimische Energiepolitik.

Bei der Frage, welcher konventionelle Energieträger hinsichtlich Umweltverträglichkeit, Klimaschutz und Versorgungssicherheit die beste Ergänzung zu den erneuerbaren Energien darstellt, konnte sich Erdgas mit länderübergreifend durchschnittlich 52% Zustimmung gegenüber den anderen Energieträgern durchsetzen; Kohle wurde von 5% genannt.

Eine Mehrheit der Experten geht sowohl in Deutschland (74%) als auch in Österreich (65%) und Belgien (61%) davon aus, dass der Anteil von Erdgas am Energiemix des jeweiligen Landes in den nächsten fünf Jahren steigen wird. Und auch die längerfristigen Prognosen sind nach Ansicht der Experten vergleichsweise gut: Mindestens zwei Drittel erwarten in Deutschland, 78% in Österreich oder 69% in Belgien einen steigenden oder gleichbleibenden Erdgasanteil.

Die Niederländer sind hier skeptischer. Die dortigen Experten gehen gerade mit Blick auf die kommenden 20 Jahren mehrheitlich (58%) von einer sinkenden Bedeutung von Erdgas aus.