Deutschland 2.0: Wie viel Digitalisierung braucht das Land?

Eine Antwort bitte ... Matthias Heiting

So viel wie wir bekommen können. Denn als rohstoffarmes Industrieland hängt unsere zukünftige Wettbewerbsfähigkeit maßgeblich von einem in der Wirtschaft bisher viel zu wenig beachteten Rohstoff ab: Daten. Die smarte Nutzung von Daten wiederum braucht das Internet of Things (IoT). Daher wird der Einsatz des IoT für den Hightech-Standort Deutschland zur Bewährungsprobe.

02. August 2016

Denn wenn man den Voraussagen von Industrieanalysten Glauben schenken darf, werden in zwei bis drei Jahren 50 Milliarden und in zehn Jahren eine Billion ›Dinge‹ miteinander vernetzt sein. Zum Vergleich: Heute sind wir mit geschätzten rund acht Milliarden noch nicht einmal ein Prozent des Weges gegangen.

Hier wird die Basis für die industrielle Revolution gelegt, der Umgang mit dem IoT wird zum wichtigen Gradmesser für den wirtschaftlichen Erfolg. Das setzt jedoch auch kluge Investitionen in die IT und die Vernetzung voraus: Doch hier hinken wir nach Einschätzung einer Studie des Weltwirtschaftsforums ziemlich hinterher. Es bewertete in seinem »Global Information Technology Report«, welche Länder von ihren Investitionen in Informations- und Kommunikationstechnologien gesamtwirtschaftlich am meisten profitieren: Singapur, Finnland, die Schweiz, Schweden, Israel, die Niederlande und die Vereinigten Staaten sind die Besten. Wir haben den Sprung in diese Spitzengruppe (noch) nicht geschafft. Das muss Ansporn für uns sein.

Auch für die Energiewirtschaft: Sie befindet sich in einem dramatischen Wandel, die FAZ titelte gar »Die letzten Tage von RWE«. Warum? Die zentrale Erzeugung verliert an Bedeutung, erneuerbare Energien wachsen, Energieträger werden immer billiger, Kunden werden zu Produzenten. Neue Geschäftsmodelle müssen her, auch, damit nicht immer mehr Kunden den etablieren Anbietern den Rücken kehren.

Dieser Wandel in der Energiewirtschaft wird natürlich durch die Digitalisierung überhaupt erst möglich. Denn Informations- und Kommunikationstechnologien sind die ›Enabler‹, damit die Herausforderungen für das Energiesystem der Zukunft gelöst werden können. Intelligente digitale Messsysteme für Letztverbraucher, Netzbetreiber und Erzeuger helfen bei der Realisierung. Ein weiteres wichtiges Thema: ›Customer Insight‹ der Schlüssel zur Kundenbindung. Der Einsatz ausgefeilter Datenanalytik sowie kognitiver Intelligenz, mit der es möglich wird, den Kunden etwa auf seinem Smartphone geschickt anzusprechen und umfassend zu bedienen, wird zum Unique Selling Point. Auch hier steht die Branche erst am Anfang. Und wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Diese einfache Regel war noch nie so treffend wie heute.

Erschienen in Ausgabe: 06/2016