Dialog über den Mix der Zukunft

Veranstaltung Die Energiethemen boomen auf der Hannover Messe. Drei von vier Hallen der ›Energy‹ waren bereits fünf Monate vor Messebeginn ausgebucht. Im Fokus stehen die Themen Energieeffizienz und Klimaschutz.

07. April 2008

Energieeffizienz wird das Thema sein, das sich wie ein roter Faden durch die Hannover Messe 2008 ziehen wird. Kostenersparnis und Klimaschutz sind dabei gleichermaßen Faktoren der Wettbewerbsfähigkeit. Schwerpunktthemen der weltweit bedeutendsten Industriemesse sind Automation und Energie. Rund 5.000 Unternehmen werden sich vom 21. bis 25. April präsentieren. In diesem Jahr finden sich in Hannover mit der ›Energy‹, der ›Pipeline Technology‹ und der ›Power Plant Technology‹ erstmals drei internationale Leitmessen. Der Veranstalter, die Deutsche Messe AG, erwartet im Energiebereich mehr als 1.000 Aussteller auf über 40.000 m² Fläche. Messemanager Oliver Frese ist sich sicher, das richtige Konzept zu verfolgen: »Alleinstellungsmerkmal der Energy ist, dass wir konventionelle und regenerative Energieformen gleichberechtigt nebeneinander darstellen und zudem die gesamte Welt der Übertragungs-, Speicherungs-, Verteilungs- und Umwandlungstechnologien präsent ist.« Neu ist in diesem Jahr, dass die Halle 27 erstmals komplett dem Thema Energie gewidmet ist. Unter anderem steht hier die neue Power Plant Technology, die internationale Leitmesse für den Bau, Betrieb und die Instandhaltung von Kraftwerken. »Die Veranstaltung baut den Angebotsschwerpunkt Energietechnologien weiter aus und ergänzt somit die bestehenden Leitmessen Energy und Pipeline Technology«, so Frese. Gleich nebenan findet sich in Halle 27 der ebenfalls neue Ausstellungsschwerpunkt ›Solar Gigawatt‹. In dieser Sonderschau, die die Brücke zwischen den immer stärker werdenden erneuerbaren Energien und der neuen Kraftwerksmesse schlägt, geht es um alle Facetten solarthermischer Kraftwerkstechnologien. Frese betont: »So können wir bereits heute den Energiemix der Zukunft abbilden.« Das Thema Solar Gigawatt entwickelte die Deutsche Messe gemeinsam mit der Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation (TREC), dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), dem Solar-Institut Jülich und dem Club of Rome. Studien im Auftrag der Bundesregierung gehen davon aus, dass der Anteil der Solarenergie am Energiemix erheblich steigen wird, besonders durch Stromimporte aus Südeuropa und Nordafrika. Solarthermie-Kraftwerke nutzen die Wärme der Sonne, um sie über Turbinen in elektrische Energie umzuwandeln. Ihre Technologie enthält Komponenten aus solarer Energiegewinnung und konventioneller Kraftwerkstechnik. Zu sehen sein werden in Hannover verschiedene Technologien wie Parabolrinnen-Kraftwerke, Solarturm-Kraftwerke, Dish-Stirling-Systeme mit parabolförmigen Spiegeln oder Fresnel-Spiegel-Kollektoren.

Deutsch-Japanisches Forum

Der boomende Markt der Solartechnik, wird nicht nur in der Halle 27 sondern auch in der benachbarten Halle 13 zu finden sein. Erstmals wird ein Deutsch-Japanisches Photovoltaik-Forum ausgerichtet. Japan ist Partnerland der diesjährigen Hannover Messe. Während das Thema Windenergie 2008 in den Renewables aufgeht, wird es ab 2009 eine bedeutende Rolle in Hannover spielen. Dann wird es im Zweijahresturnus eine eigene Leitmesse ›Wind‹ unter dem Dach der Energy geben. Gemeinsam mit dem Fachverband Power Systems im VDMA und dem Bundesverband Wind Energie soll die Leitmesse sukzessive ausgebaut werden. So wird die ›Wind‹ in Hannover im jährlichen Wechsel mit der HusumWindenergy stattfinden, die in 2008 als Nachfolgerin der HusumWind in Husum Premiere hat. Ein weiterer Schwerpunkt der Halle 13 ist die Bioenergie. Besonders dieser Bereich habe, so Frese, im Vergleich zum Vorjahr noch einmal deutlich zugelegt. Der besondere Charme von Halle 13 ist laut dem Messemacher der anschaulich präsentierte Erzeugungsmix: »Energieversorgungsunternehmen wie E.on, EnBW, EWE, Gazprom, Evonik und regionale Anbieter wie Stadtwerke Leipzig oder Stadtwerke Hannover nutzen die Energy, um ihre Kompetenzen darzustellen.« Den kommenden Technologien ist auch der Gemeinschaftsstand Wasserstoff + Brennstoffzellen zuzurechnen, der laut Veranstalter mit einer Rekordbeteiligung aufwartet. Mit rund 150 Ausstellern aus 25 Ländern handle es sich um die größte Präsentation dieses Themas in Europa. Der Südwesten des Messegeländes steht wie in den vergangenen Jahren ganz im Zeichen der Energietechnologien. In Halle 11 präsentieren sich Unternehmen, die sowohl Industrieautomation als auch Energietechnik anbieten. Die Aussteller dieser Halle sowie aus der gesamten Halle 12 zeigen Techniken zur Übertragung, Verteilung, Speicherung und Umwandlung von Energie.

›Dialogue‹ mitten in der Halle

Wichtig ist in Hannover schon traditionell die Verbindung Messe und Veranstaltung. Besonderes Highlight wird der ›World Energy Dialogue‹ sein, der in seiner dritten Auflage erstmals direkt im Messegeschehen und zwar in Halle 27 stattfindet. Unter dem Leitthema ›Kraftwerke und Netze der Zukunft‹ wird dort konkret diskutiert werden, was innovative Kraftwerkskonzepte und intelligente Netzstrukturen für die wirtschaftliche Entwicklung und den Klimaschutz leisten können. Schirmherr ist Bundeswirtschaftsminister Michael Glos. Organisatoren sind neben dem Bundesverband der Deutschen Industrie die Deutsche Energie-Agentur dena und die Deutsche Messe. Zu den Sonderveranstaltungen, die weiter gestärkt werden sollen, gehört der Gemeinschaftsstand des ESCO-Forums im ZVEI. Wie auch mittelständische Unternehmen erhebliche Kosteneinsparungen durch Energiecontracting erzielen können, wird dieses Forum beleuchten. Das Leistungsportfolio reicht vom Druckluft- und Kältecontracting bis zum Einsatz erneuerbarer Energien in Full-Service- Contracting-Lösungen. Hier schließt sich wieder der Kreis zur Energieeffizienz. Das Energiesparen in der Industrie lässt sich auf der Hannover Messe gut darstellen, da die Vertreter vieler bedeutender Industriebranchen sowieso auf der Messe anwesend sind. Für die Industrie ist das Energiesparen heute schon ein Wettbewerbsthema. Dies wird deutlich unter anderem anhand folgender Zahlen: Bis zu 70 % Energie können bei Pumpen, Lüftern, Druckluft und Kälteanlagen eingespart werden. Das ist inzwischen ohne Probleme möglich, denn die Produkte und Techniken sind ausgereift, verfügbar und zukunftsgerichtet. Die produzierende Industrie zähle zu den größten Energieverbrauchern in den führenden Industriestaaten und könne mit den richtigen Technologien einen entscheidenden Beitrag zur Reduzierung der CO2 Emissionen leisten, berichtet Messemanager Frese. Wie dies gelinge, könnten die Besucher in der Messehalle 6 im ›Energieeffizienztunnel‹ praxisnah begutachten. Dabei wird ein kompletter Produktionsprozess gezeigt. Displays und Terminals errechnen Einsparpotenziale oder kalkulieren neu eingegebene Anforderungen vor Ort. »Wer dann noch im Dunkeln tappt, wird spätestens am Ende des Tunnels Licht sehen«, verspricht Frese. Mit der Sonderschau ›EnergieEffizienz in Industriellen Prozessen‹ greife man ein topaktuelles Thema auf, das für viele Hersteller zunehmend wichtiger wird, betont auch Thomas Rilke, Leiter der Industrieautomation auf der Hannover Messe. Denn darauf legt sich Rilke fest: »In Zukunft wird ein Produkt dann wettbewerbsfähig sein, wenn es auch energieeffizient ist.« (mn)

www.hannovermesse.de

Interview mit Stephan Kohler, Geschäftsführer der dena

es: Im vergangenen Jahr hat der Energieverbrauch in Deutschland um 0,3 % zugelegt. Trafen die Effizienzkampagnen nicht den Nerv der Verbraucher?

Das Thema Energieeffizienz ist im letzten Jahr durch die Klimadiskussion auf ein großes Medienecho gestoßen. Gleichzeitig ist aber die Bevölkerung verunsichert, was zu Investitionszurückhaltung führt. So ist etwa der Absatz an neuen Heizungsanlagen im Jahr 2007 um 30 Prozent gesunken, obwohl eigentlich das Gegenteil notwendig wäre. Deshalb ist es dringend erforderlich, dass möglichst schnell klare und verlässliche politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen geschaffen werden.

es: Wie erfolgreich ist die dena bisher in ihrer Effizienzkampagne Industrie?

Wir sind hier mit der Initiative EnergieEffizienz gut aufgestellt. Unter anderem haben wir aufgezeigt, dass die Energieeffizienzpotenziale von Pumpensystemen durchschnittlich bei 30 Prozent liegen. Wir konnten viele Best- Practice-Beispiele initiieren, die anderen Unternehmen zur Nachahmung dienen. Auch die hohe Zahl qualitativ anspruchsvoller Bewerbungen für den internationalen ›Energy Efficiency Award‹ bestätigt, dass unsere Kampagnenarbeit in den Unternehmen auf fruchtbaren Boden fällt.

es: Sie sind Chairman beim World Energy Dialogue. Welche Rolle spielen solche Events, um das Thema Energieeffizienz nach vorne zu bringen?

Auf der Hannover Messe und dem World Energy Dialogue sind genau die Industrievertreter anwesend, die wir für die Optimierung benötigen. Deshalb engagieren wir uns bei solchen Veranstaltungen, die den theoretischen Hintergrund aufzeigen und in der Ausstellung dann die konkreten technischen Lösungen anbieten. (mn)

Erschienen in Ausgabe: 04/2008