"Die Datenkommunikation ist multikomplex"

Menschen

Smart Metering steht in den Startlöchern. Paul Vincent Abs von E.on Metering über Entscheidungen, Prozesse und die Stadtwerke-Allianz des Unternehmens.

22. April 2016

Jetzt wird es Realität. Und ich glaube, der Druck auf die Stadtwerke ist immens. Denn die Energieversorger müssen 2017 auch wirklich anfangen. Der Fahrplan bleibt derselbe, egal wann das Gesetz kommt – so haben wir es aus dem Bundeswirtschaftsministerium gehört.

Für den grundzuständigen Messstellenbetrieb stellt sich damit auch die Frage: Mache ich alles selbst, oder gebe ich etwas ab? Was gilt es dabei abzuwägen?

Die Entscheidung Make or buy ist eine ganz wichtige. Es gilt, genau unter die Lupe zu nehmen, was man derzeit an Kompetenzen im Haus hat und welche Aufgaben man zukünftig erfüllen muss: Vom Gateway-Einbau bis zu den Sicherheitsvorgaben durch das BSI. Die gesamte Datenkommunikation ist multikomplex. Und die zweite große Frage ist, rechnet sich das wirklich für mich. Unabhängige Studien haben ergeben, dass zirka 500- bis 700.000 Zählpunkte nötig sind, damit es wirtschaftlich ist. Skaleneffekte sind somit entscheidend. Ein Stadtwerk braucht aber bis 2019 nur zehn Prozent seiner Zähler im Bereich von sechs bis 10.000kWh auszurollen. Selbst bei mittelgroßen Netzbetreibern reden wir von in Summe betroffenen Zählern von zehn bis 25.000 Zählpunkten. Das ist nicht so viel. Nichtsdestotrotz müssen sie das machen.

Das klingt nach einer Herausforderung …

Meines Erachtens nach wird das ein einzelnes Stadtwerk unter der Maßgabe der Preisobergrenzen nicht selber wirtschaftlich darstellen können. Alleine was wir gerade für eine Vorarbeit leisten bei der Prüfung der Gateways. Auch bei der Programmierung der Schnittstelle zwischen dem Abrechnungssystem und der Gateway-Administration. Denn die Daten aus dem Gateway müssen in die Abrechnung übertragen werden, das muss man neu programmieren.

Dann brauchen wir ein Geräteverwaltungssystem. Passt das zu den Daten vom Gateway – das müssen Sie prüfen. Und am Ende des Tages müssen Sie die Funktion des Gateway-Administrators übernehmen – die Daten verarbeiten, aufbereiten und an Kunden und Netzbetreiber schicken.

Wichtig ist auch, welche Prozesse muss ich einbinden, welche IT-Voraussetzungen benötige ich …

Genau. Wir haben gerade mit einem unserer Pilotkunden in der Stadtwerke-Allianz Messwesen die Pilotphase vorgezogen, wo wir diesen Fragen nachgehen wollen. Wir sind sehr froh darüber, dass die Stadtwerke Celle-Uelzen-Netz sich dazu entschlossen haben. Wir werden genau testen, wie man das Abrechnungssystem und die Smart-Meter-Gateway-Daten zusammenbringt. Wir fangen an, auch wenn das Gesetz noch nicht verabschiedet ist.

Und warum?

Weil sie so viel berücksichtigen müssen. In dieser Vorphase wollen wir das Konzept erstellen. Wir wollen im Oktober die ersten 24 intelligenten Zähler mit Gateways einbauen, auch wenn diese sehr wahrscheinlich noch kein Schutzprofil haben. Nur so können wir testen. Zum Beispiel: Werden die Daten richtig verarbeitet? Oder wie kommuniziert das Gateway? Sie haben ja heute noch keine Prozesse, wir wissen noch nicht genau, wie es am Ende des Tages funktioniert.

Wie viele Pilotkunden haben sie hier?

Wir haben jetzt drei an Bord, Ziel sind vier bis fünf. Hintergrund ist, dass wir mit diesen Partnern dann mit vier bis fünf unterschiedlichen Abrechnungssystemen 80 Prozent des Marktes abdecken können. Und das wir dann den anderen Stadtwerken, die sich noch beteiligen wollen, sagen können, ihr habt doch auch dieses Abrechnungssystem, wir haben es getestet.

Bei ihrer Stadtwerke-Allianz geht es um Austausch von Wissen und Erfahrung sowie Mitgestaltung von Mehrwert-Lösungen. Wie wird das konkret ausgestaltet?

Es wird Workshops zu unterschiedlichen Themen geben von rechtlichen Fragen bis zum Prozessualen sowie zu vertrieblichen Themen. Ein weiterer Punkt: Wir haben als E.on Metering alleine 60 Leute in Essen, die für uns reine Produktentwicklung machen. Die etwa überlegen, was sind denn tatsächlich Mehrwert-Dienste? Und wir tauschen uns mit anderen Partnern am Markt aus. Das bringen wir in die Allianz mit ein, so dass die Stadtwerke davon profitieren und das unter ihrem Namen ausrollen können.

Unterstützen Sie die Stadtwerke, auch hinsichtlich Kooperationen untereinander?

Das ist der Ansatz in den ersten Phasen. Newsletter, Seminare, Workshops und Entwicklungs-AGs sind kostenlos reiner Informations- und Wissenstransfer. Da kann so etwas entstehen. Natürlich erhoffen wir uns, dass die Stadtwerke dann später Betrieb und Rollout mit uns machen. Dann kostet es natürlich Geld. Aber hier kann ein Stadtwerk noch frei entscheiden: Mache ich es selbst, kooperiere ich oder gehe zu einem anderen Dienstleister. Da erhoffen wir uns, dass die Stadtwerke auch untereinander Allianzen schnüren.

Wie viele Stadtwerke machen mit?

Stand Februar sind in dieser ersten Stufe 150 Stadtwerke mit dabei.

Erschienen in Ausgabe: 04/2016