Die Energiewende mit urbanen Systemen in die Stadt tragen

Menschen

Im Jahr 2011 wurden die Stadtwerke Stuttgart formal gegründet. Am 1. Juli 2012 startete der operative Geschäftsbetrieb. Grund genug, den technischen Geschäftsführer Dr. Michael Maxelon nach Entwicklungen und Plänen zu fragen.

30. November 2015

Als die Stadtwerke 2012 mit dem operativen Geschäft starteten, wie gestaltete sich dieser Beginn damals?

Die Stadtwerke Stuttgart sind 2012 buchstäblich auf der grünen Wiese gestartet. Zum Beginn hatte ich lediglich zwei Mitarbeiter, nämlich eine Sekretärin und einen Universitätsabsolventen. Es galt also, schnell weitere Frauen und Männer zu finden, die von der Idee eines »neuen, ökologischen Stadtwerks für Stuttgart« zu begeistern waren.

Und welche Herausforderungen stellten sich dabei?

Wir hatten die erste große Herausforderung das Konzessionsverfahren der Landeshauptstadt Stuttgart für die Strom- und Gasnetze bereits vor der Brust. Hier mussten sich die Stadtwerke rasch als Bieter positionieren. Auch die Stadt Stuttgart, die Kommunalpolitik und die Stuttgarter Bürgerschaft hatten hohe Erwartungen an ihr neues kommunales Unternehmen. Das ist im Übrigen heute immer noch so.

Wie hat sich die Situation bis heute entwickelt?

2015 haben wir uns vollends als Stadtwerk der Energiewende etabliert. Mittlerweile haben wir vier Geschäftsfelder: Energievertrieb, Energienetze Strom und Gas, Windenergie sowie die Urbanen Energiesysteme.

Urbane Energiesysteme - was verstehen Sie darunter konkret?

Darunter verstehen wir Produkte und Lösungen speziell für die Energiewende im großstädtischen Raum.

Zurück zur Entwicklung bis 2015 ...

Auch die Belegschaft ist gewachsen: Inzwischen sind es über 30 Beschäftigte; wobei im neuen Jahr noch weitere 190 Mitarbeiter beim neuen Netzbetreiber hinzukommen. Seit ihrer Gründung haben die Stadtwerke über 300 Millionen Euro in den Erwerb der Energienetze, in die Windenergie, in den Bereich Urbane Energiesysteme und in den Strom- und Gasvertrieb investiert.

Wie sehen Ihre Pläne in Sachen erneuerbare Energien aus?

Ein Investitionsschwerpunkt im bestehenden Portfolio ist die Windenenergie. Wir realisieren und betreiben zurzeit 31 Anlagen bundesweit, die jährlich 80MW Strom erzeugen. Bei der Photovoltaik haben wir sechs Anlagen installiert, die zusammen mehr als 1,3MW erzeugen. Unsere Kapazitäten bezüglich des Stroms aus erneuerbaren Energien sind ausreichend, um rechnerisch 70.000 Haushalte zu versorgen. Die jährliche CO2-Einsparung liegt bei 140.000 Tonnen.

Und im Bereich Urbane Energiesysteme?

Unser Entwicklungskonzept Urbane Energiesysteme legt den Fokus auf Stuttgart: Wir planen den Ausbau der Photovoltaik mit Speicher für alle Kundengruppen, die Kombination mit Wärmelösungen und in einzelnen Kundensegmenten einen Schwerpunkt auf der Kraft-Wärme-Kopplung. Ein intelligentes, onlinefähiges Gateway sorgt dafür, dass der Kunde sein dezentrales Energiesystem sukzessive erweitern und es mit anderen Erzeugern vernetzen kann. Das verstehe ich unter ›Energiewende-ready‹.

Welche Pläne haben Sie bezüglich der Strom- und Gasnetze?

Als Ergebnis des Konzessionsverfahrens haben die Stadtwerke Stuttgart und die Netze BW ein Kooperationsunternehmen für Eigentum und Betrieb der Strom- und Gasnetze in der Landeshauptstadt gegründet, die Stuttgart Netze GmbH. Der Betrieb startet am 1. Januar 2016 mit einem um gut einen Cent gesunkenen Netzentgelt. Die Stadtwerke arbeiten auch daran, die Bereiche Hochspannung und Hochdruck in das Netzunternehmen zu integrieren.

Vor welche zukünftigen Herausforderungen sehen Sie sich gestellt?

Ich sehe drei Schwerpunkte: Die Urbanen Energiesysteme sollen zwischen 2016 und 2023 ausgebaut werden, mit Gesamtinvestitionen von rund 100 Millionen Euro. Das ist sehr ambitioniert. Zweitens geht es darum, die vorhandenen Kompetenzen und Mitarbeiterkapazitäten im Unternehmen weiter auszubauen. Und nicht zuletzt geht es immer auch darum, das Vertrauen der Bürger und der Gesellschafter in ihre Stadtwerke zu festigen.

Anette Weingärtner

Vita

Dr. Michael Maxelon

Der promovierte Physiker hat Physik und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Göttingen studiert.

Anschließend war er sieben Jahre bei der Managementberatung A.T. Kearney in Frankfurt als Senior Manager tätig, bevor er zu den Stadtwerken Krefeld wechselte. Dort war er von 2008 bis 2012 Leiter der Unternehmensentwicklung und Geschäftsführer von Tochterunternehmen.

Seit 2012 ist er Geschäftsführer der Stadtwerke Stuttgart, die er nach deren Gründung im Jahr 2011 aufgebaut hat. Er wechselt zum 1.1.2016 zur Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH.

 

Erschienen in Ausgabe: 10/2015