Dekarbonisierung

Die geben Gas

Kohleausstieg, Dieselfahrverbote: Die Erdgasbranche nutzt die Gunst der Stunde und präsentiert Erdgas als verlässlichen Energieträger für die Energiewende. Innovationen mit Preisen geehrt.

01. Februar 2019
Die  geben Gas

Mit Erdgas in die Zukunft. Gasbranche präsentiert innovative Technologien für mehr Klimaschutz«: Mit dieser Überschrift informierten Wintershall und Zukunft Erdgas im November über ein neues Veranstaltungsformat. Mit der ›Zukunftswerkstatt Erdgas – Marktplatz der Innovationen‹ sollen Unternehmen auf sich und den Energieträger Erdgas aufmerksam machen.

Bei der Auftaktveranstaltung Ende November in Berlin stellte man 16 Projekte aus Wissenschaft und Wirtschaft vor. Das Ziel: Mit guten Ideen und Produkten will die Branche das zukünftige Energiesystem maßgeblich mitgestalten.

Die Wende mitgestalten

Seit Jahren muss die Branche miterleben, wie ihr quasi von Amts wegen die Geschäftsgrundlage abhandenkommt. Erdgas spielt im Klimaschutzkonzept der Bundesregierung eine untergeordnete Rolle; bis 2050 soll der Umbau der Energieversorgung auf Erneuerbare Energien weitgehend abgeschlossen sein. Ökostrom soll mittels Sektorkopplung für Wärme und Mobilität sorgen.

»Die präsentierten Konzepte stimmen mich optimistisch für unsere Zukunft.«

— Timm Kehler Zukunft Erdgas

Soweit die Theorie. Bedingt durch die öffentliche Debatte, dem Atomausstieg möglichst bald den Kohleausstieg folgen zu lassen sowie die Dieselfahrverbote, könnte Erdgas nun doch eine größere Rolle bei der Energiewende spielen als geplant. Die Chancen stehen nicht schlecht. Im Verkehrswesen würde Erdgas neben Strom und Wasserstoff zur Dekarbonisierung des Autoverkehrs beitragen. Das gilt vor allem für den Schwerlastbereich sowie die Binnen- und Hochseeschifffahrt. Bei der Stromerzeugung könnten Erdgaskraftwerke den forcierten Ausstieg aus der Braunkohleverstromung erleichtern.

In Berlin stellten die Organisatoren Produkte und Konzepte vor, die mit dem Innovationspreis der Gaswirtschaft ausgezeichnet wurden.

»Die präsentierten Konzepte und Projekte stimmen mich sehr optimistisch für unsere Energiezukunft. Erdgas ist nicht nur klimaschonend, sondern auch vielseitig und in allen Sektoren einsetzbar«, so Timm Kehler von der Initiative Zukunft Erdgas. »Wer heute Klimaschutz möchte und das auch noch bezahlbar, der kommt an Erdgas nicht vorbei.«

Erdgas ohne CO2

Zukunftsweisend sind die Themen Dekarbonisierung von Erdgas und sogenanntes grünes Gas, mit denen sich verschiedene Projekte bei der Zukunftswerkstatt beschäftigten. Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie haben ein Verfahren entwickelt, damit bei der Erdgasverbrennung kein CO2 entsteht.

Bei der Methanpyrolyse erzeugt ein Flüssigmetallreaktor Wasserstoff aus Erdgas. Statt Kohlendioxid freizusetzen, entsteht fester Kohlenstoff, der wiederum von der Industrie genutzt werden kann. Andere Projekte präsentierten, wie Kohlendioxid von Methan getrennt und anschließend gespeichert werden kann.

Stromspeicher im Quartier

Die Stadtwerke Augsburg stellten ein Konzept vor, um grünes Gas als Energiespeicher für Zuhause zu nutzen. Regenerativ erzeugter Überschussstrom aus hauseigenen Photovoltaikanlagen erzeugt vor Ort in einer Elektrolyseanlage Wasserstoff. Dieser wird mit Kohlendioxid zu synthetischem Methan umgewandelt. So entsteht ein CO2-neutrales Gas, das sich ebenfalls gut und effizient direkt vor Ort speichern lässt. Bei Bedarf wird das grüne Gas anschließend in einem Blockheizkraftwerk oder einer Gasbrennwerttherme in Strom und Wärme für die Mieter umgewandelt. Den Angaben zufolge erreicht das effiziente Energiekonzept so Wirkungsgrade bis zu 90 Prozent. Das Kreuzfahrtschiff Aidanova kann als weltweit erstes im Hafen und auf See mit LNG betrieben werden. Dadurch werden Emissionen von Feinstaub und Schwefeloxiden nahezu vollständig vermieden.

Schiffs- und Schwerlastverkehr

Der Ausstoß von Stickoxiden und Kohlendioxid verringert sich deutlich. Für den städtischen Linienverkehr stellte MAN in Berlin einen Bus mit Hybridantrieb vor. Das Antriebskonzept kombiniert einen Erdgas-Verbrennungsmotor mit einem Elektromotor. Die Firma Ineratec erhielt den Sonderpreis Start-ups für eine spezielle Power-to-Gas-Anlage.

Das Unternehmen hat eine kompakte chemische Reaktortechnologie für Power-to-X- und Gas-to-X-Anlagen für den Einsatz in Standard-Containerformaten optimiert. Durch die Technologie können Wasserstoff oder methanhaltige Gase in synthetische Kraftstoffe oder chemische Wertprodukte wie sauberes Benzin, Kerosin oder Wachse dezentral umgewandelt werden.

Den Angaben der Veranstalter zufolge können diese unter anderem in der chemischen, pharmazeutischen und kosmetischen Industrie eingesetzt werden. hd

Erschienen in Ausgabe: 01/2019