»Die globale Ernte jetzt einfahren«

Erzeugung Als Wachstumspfeiler der deutschen Windbranche sieht die Deutsche Bank Research den Ausbau im Bereich Repowering und Offshore an. Für Analyst Josef Auer ist das Technologiepotenzial der Windkraft noch längst nicht ausgeschöpft.

08. April 2008

es: Bei der Präsentation Ihrer Studie ›Windenergie – Deutschland weltweit führend‹ sprachen Sie der Windenergie die tragende Rolle zur Anhebung des Ökostromanteils zu. Woraus resultiert diese Fokussierung?

Josef Auer: An der global installierten Windleistung ist Deutschland mit einem Anteil von 28 % Spitzenreiter. Die deutsche Industrie fertig zudem mit 37 % den Löwenanteil der Anlagen. Diese Führungsposition und die globale Ernte früher Bemühungen und in der Vergangenheit auch hoher Subventionen sollte das Land jetzt einfahren. Große Potenziale sehe ich neben dem Export in den Feldern Repowering und Offshoring.

es: Und doch ist trotz vorhandener Technik und Know-how hierzulande der Bau von Offshore-Windparks verhalten.

In Deutschland sind viele Dinge nicht so einfach wie beim benachbarten Ausland. Das ist in der deutschlandtypischen Genehmigungspraxis begründet. Es sind weite Landentfernungen und damit zusammenhängend die sehr großen Wassertiefen vorgesehen. In der Summe resultieren aus diesem deutschen Sonderweg Kosten, die mit dem bisherigen EEG nicht aufgefangen wurden. Dänische und britische Unternehmen fanden hier mehr politische Flexibilität vor. Deutschland selbst konnte dagegen seine technologische Kompetenz im eigenen Offshoring noch nicht richtig nutzen.

es: Welche Risiken erkennen Sie speziell im Offshore-Bereich?

Deutsche Hersteller laufen Gefahr, nicht rechtzeitig Referenzanlagen im offenen Meer vorzeigen zu können, was den Export gefährdet. Deshalb ist ein Schulterschluss aller Beteiligten nötig, um den Durchbruch auf See zu erreichen. Kommt die Politik zu spät, könnte die deutsche Windindustrie ins Hintertreffen geraten. Die Arbeitsplätze entstünden dann im Ausland. Das Infrasturkturbeschleunigungs- Gesetz von 2006 und die anstehende EEG-Novelle zeigen, dass die Politik nun reagiert und die Stellschrauben in die richtige Richtung dreht.

es: Der Erfahrungsbericht zum EEG von Mitte 2007 legt offen, dass die Impulse des Repowering bisher noch ausgeblieben sind. Was könnte die Entwicklung ankurbeln?

Die vorgeschlagenen Änderungen im EEG könnten für mehr Schwung sorgen. Danach sollen Windmüller eine Vergütung bekommen, wenn durch Repowering die Leistung verdoppelt und nicht, wie aktuell gefordert, verdreifacht wird. Auch soll die EEG-Vergütung bereits erfolgen, wenn der Austausch der Windturbinen nach dem zehnten Betriebsjahr erfolgt. Ich bin sicher, dass dies den heimischen Unternehmen ermöglicht, auf dem globalen Markt die Windrichtung zu bestimmen.

es: Laut Ihrer Studie ist die Windenergie keineswegs die günstigste Variante für den Klimaschutz. Wie geht das konform mit Ihrem Plädoyer für die Windkraft?

Die Ausfallquote bei Getrieben, Generatoren und Rotoren zeigt, dass es genügend Verbesserungsansätze gibt. Der Fortschritt wird zur höheren Effizienz und daher auch zu niedrigeren Kohlendioxid-Vermeidungskosten führen. Ist der Fortschritt in der Windtechnik schneller als bei den Konkurrenzenergien, sinkt der Kostenabstand zur herkömmlichen Erzeugung. (ds)

Erschienen in Ausgabe: 04/2008