»Die Größe entscheidet nicht allein«

Biomasse Das Institut für angewandtes Stoffstrommanagement der FH Trier untersuchte die Rentabilität von Biogasanlagen. Wir sprachen mit Matthias Holly, einem der Studienautoren.

09. April 2008

es: Unter welchen Aspekten haben Sie die Anlagen ausgewählt?

Matthias Holly: Die Datengrundlage der Untersuchung sind Fondsprospekte mit den dort dargestellten Planzahlen sowie Plandaten von existierenden oder von Planungsbüros kalkulierten Anlagen. Wir haben Anlagen mit unterschiedlichen Betriebs- und Finanzierungsformen ausgesucht, um mögliche Unterschiede zwischen Fondsanlagen und Anlagen ohne Fondsbeteiligung zu analysieren. Die jährlichen Einspeiseleitung der Anlagen liegen zwischen 3,7 Millionen kWh und 39 Millionen kWh.

es: Was ist das wichtigste Ergebnis der Studie?

Als Ergebnis aus der Wirtschaftlichkeitsanalyse lässt sich festhalten, dass alle Anlagen auf Basis unserer Modellrechnung die gewünschten Renditeforderungen der Eigenkapitalgeber erfüllen können und einen positiven Cashflow generieren. Das entwickelte Modell stellt Werte auf einer Basis bereit, die Vergleiche mit anderen existierenden und geplanten Biogasanlagen ermöglicht. Die Analyse zeigt, dass eine intensive und umfangreiche Prüfung von geplanten Investitionen oder Beteiligungen notwendig ist, um eine sichere Rendite zu gewährleisten.

es: Haben Sie die Ergebnisse überrascht?

Die guten und schlechten Ergebnisse im Bereich der kleineren Biogasanlagen waren überraschend, da dort Anlagen mit ähnlicher Ausgangsposition sehr unterschiedlich abschnitten. Hier zeigt sich aber, dass man den Erfolg einer Investition nicht vollständig planen kann, sondern dass individuelles betriebswirtschaftliches Handeln ebenfalls eine große Rolle spielt. Zudem wiesen die Ergebnisse der Anlagen bezogen auf eine produzierte Kilowattstunde überraschend auf, dass die Großanlagen mit den vermuteten Kostenvorteilen nicht generell deutlich besser abschnitten als kleinere Anlagen. Dies lässt sich wiederum mit individuellem betriebswirtschaftlichen Handeln, aber auch mit der höheren Förderung von kleineren Anlagen durch dass EEG begründen.

es: Welche Kriterien üben die größten Einflüsse auf die Rendite aus?

Die Einflüsse lassen sich in Kosten- und Erlösfaktoren unterscheiden. Die Untersuchung der Kostenstruktur der Anlagen legte offen, dass die Substratbeschaffung und technische Wartung der Maschinen die größten Anteile an den Gesamtkosten ausmachen. Die Erlösseite wird vor allem durch die eingespeiste Strommenge und den möglichen Verkauf der Wärme und des Gärrestes bestimmt. Diese beiden Seiten dürfen aber nicht getrennt betrachtet werden, da der Einkauf von qualitativ schlechteren, aber günstigeren Substraten die Gasausbeute und damit die Strommenge senken und auch einen Verkauf des Gärrestes als Dünger unmöglich machen kann. Eine Einsparung bei der regelmäßigen Wartung der technischen Anlagen kann die Gasausbeute und die Verfügbarkeit des Blockheizkraftwerkes senken, was sich stark auf die Erlösseite auswirken kann.

es: Wie groß ist denn konkret der Einfluss der Substratpreise?

Es zeigte sich, dass die Beschaffung der Biomasse mit 31 bis 52 Prozent der Gesamtkosten den größten Kostenblock darstellt. Die Sensitivitätsanalysen bei abweichenden Beschaffungskosten erbrachten zudem eine hohe Empfindlichkeit der Anlagen auf diesen Faktor.

es: Lassen sich denn Biogasanlagen überhaupt noch ohne ein schlüssiges Wärmekonzept wirtschaftlich betreiben?

Die untersuchten Anlagen wurden zum großen Teil ohne ein umfangreiches Wärmekonzept betrieben und konnten trotzdem unter den gewählten Rahmenbedingungen die gewünschte Rendite erreichen. Die steigenden Substratkosten und die höhere Förderung von KWK-Strom in der geplanten EEG-Novelle, aber auch die höheren Preise für herkömmliche Wärmeversorgung, wie steigende Gas- und Ölpreise, machen eine umfangreichere Nutzung der Wärme für alle Beteiligten lukrativer. Dies erfordert jedoch im Vorfeld die Identifikation von geeigneten Abnehmern in der Umgebung, was sich in der Praxis häufig als schwierig erweist. (mn)

Erschienen in Ausgabe: 04/2008