"Die Kosten der Energiewende senken"

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Bei den Energieparks Amsdorf und Profen ist die Rekultivierung der Tagebaue hin zu einem ganzheitlichen Konzept erneuerbarer Energien das Ziel. Wie gestaltet sich die Kooperation mit den Braunkohlefirmen? Dazu Chris Döhring von Getec green energy.

07. September 2016

Sie haben im Sommer Kooperationsvereinbarungen mit Braunkohleunternehmen geschlossen. Ihr Unternehmen ist bislang als Projektentwickler von Wind-, Sonne- und Biomassesystemen bekannt. Wechseln Sie jetzt in die Braunkohlesparte?

Ganz und gar nicht. Wir bleiben unserem Anspruch treu, die Energiewende mitzugestalten und setzen auf regenerative Quellen. Dies haben wir in den letzten Jahren vor allem mit dem Aufbau von Energieparks erfolgreich umgesetzt. Hierbei vernetzen wir Grüngas, Wind- und Solarenergie so, dass ein einheitliches System entsteht. Bisher haben wir in solche Konzepte rund 300 Millionen Euro investiert.

Der Grundstein für den Energiepark Amsdorf wurde mit der PV-Anlage im ehemaligen Tagebau des Montanwachsherstellers Romonta, mit einer Leistung von zirka 28MW, gelegt. Diese Kooperation bauen wir jetzt aus. Sie ist ein wichtiger Baustein im Gesamtprojekt ›Mitteldeutscher Energieverbund Zukunft‹.

Der Energiepark Profen ist ein weiterer solcher Baustein. Auch hier entwickeln wir ein Konzept für eine ressourcenschonende, sichere und bezahlbare Energieversorgung aus regenerativen Quellen. Hier sehen wir große Chancen.

Inwiefern? Braunkohle gilt doch in Ihrer Branche als eine Art Erzfeind?

Die Braunkohle als Energieträger ist endlich und auch vom politischen Willen her in Deutschland ein Auslaufmodell. Wir wollen mit unseren Kooperationen zu den Energieparks Profen und Amsdorf den Wandel mitgestalten, indem wir die vorhandenen Potenziale vor Ort ausschöpfen und die Flächen für die Erzeugung von regenerativen Energien nutzen. Mit der Wandlung vom Braunkohlentagebau hin zu einem hochmodernen Energiepark vollziehen wir eine Reise in die Energiewelt der Zukunft. Damit stärken wir die Region bereits jetzt für eine Zeit nach der Braunkohle. Wir werden zudem auch Speicher integrieren. Damit die Energiewende bezahlbar bleibt, müssen wir mittelfristig die hohen Redispatchkosten bei der Stromübertragung reduzieren, die unser Stromsystem immer mehr belasten.

Bisher werden für die Einspeisung von Erneuerbar-Strom feste Vergütungen gezahlt, für Speicher fehlen feste wirtschaftliche Größen. Sie investieren trotzdem?

Das haben wir vor und zwar sowohl in große Batteriespeicher mit einer Leistung von bis zu 30MW als auch in kleinere Pumpspeicher-Kraftwerke. Es ist zwar in der Tat so, dass die Bereitstellung von Reserveleistung derzeit nicht ausreichend wirtschaftlich honoriert wird, aber für ein Gesamtsystem im Energiepark sind Speicher eine absolut sinnvolle und wirtschaftliche Ergänzung. Mit diesen können wir Energiespitzen glätten und so die Netze entlasten und stabilisieren.

Außerdem können wir Energie für das Aufrechterhalten wichtiger Infrastrukturen, beispielsweise die Versorgung eines Krankenhauses, bereitstellen, wenn es tatsächlich zum Stromausfall kommt.

Diese systemische Kopplung werden wir mit großen Forschungseinrichtungen zielgerichtet untersuchen. Ich bin optimistisch, dass in fünf Jahren die wirtschaftliche Bewertung solcher Speichersysteme ganz anders sein wird.

Die EEG-Novelle wird in der Branche insofern beklagt, dass die Ausschreibungen für die Einspeisung das Ende der Energiewende seien. Sehen Sie das ähnlich kritisch?

Diese Pläne der Bundesregierung sind in der Tat problematisch, weil sie in einer Phase, wo viele Anlagen der erneuerbaren Energien schon wirtschaftlich sein können, viele neue Fragen aufwerfen.

Wir haben uns beispielsweise an mehreren Ausschreibungen für neue Solarparks beteiligt, aber keinen Zuschlag bekommen. Ich befürchte, dass da Spieler auf den Markt drängen, die ihre Versprechungen letztlich nicht einhalten können. Da werden vermutlich einige sinnvolle Projekte am Ende gar nicht gebaut.

Noch einmal zurück zur Kooperation mit der Braunkohlenindustrie, die sich ja auch als Partner der Energiewende erklärt hat. Wenn Sie heute die Systemkosten für den billigen Strom aus diesen Kraftwerken mit dem aus Sonne, Wind oder Biomethan vergleichen, wann werden Sie günstiger sein?

Die Erzeugungskosten sind in den letzten Jahren enorm gesunken. Um einen sinnvollen Vergleich herzustellen, darf man das aber nicht auf die reinen Erzeugungskosten einer Megawattstunde reduzieren, sondern muss auch die Folgekosten für die Zeit nach der Kohle einbeziehen. So haften beispielsweise alle Betreiber von Windrädern für sämtliche Schäden durch ihre Anlagen, während die Renaturierung oder mehr noch die Endlagerung für die Reste der Kernenergie zu einem erheblichen Teil von der Allgemeinheit getragen werden müssen. Das ist eine Schieflage, die der Gesetzgeber beheben muss.

Manfred Schulze

Vita

Chris Döhring ist Vorstandssprecher von Getec green energy. Er leitete als Geschäftsführer mehrere Unternehmen im Bereich der regenerativen Energien. 2004 ist der Diplom-Ingenieur bei Getec beschäftigt gewesen. Er rief dort die Abteilung EEG/Sonderprojekte ins Leben, die er als Abteilungsleiter kontinuierlich ausbaute. Im Rahmen der Gründung von Getec green energy ist er nun als Vorstand der Gesellschaft tätig.

Erschienen in Ausgabe: 07/2016