Distanz zur Nähe der Lösung

Editorial

›Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht‹. Dieses Sprichwort begleitete mich beim Besuch der gasfachlichen Aussprachetagung gat Ende vergangenen Jahres in Stuttgart.

31. Januar 2011

Hauptthema auf dem Branchentreffen war die Speicherung von überschüssigem Regenerativstrom – ein stetig wachsendes Problem – im Erdgasnetz. Die Technologie ist seit Langem bekannt und nach Ansicht von Experten auch technisch überschaubar: Mittels Elektrolyse wird Wasserstoff produziert und dieser direkt, oder nach Umwandlung zu synthetischem Methan, in das Erdgasnetz eingespeist. Die Potenziale sind im Vergleich zu anderen Lösungen wie Pumpspeicher oder künftig auch Elektroautos riesig und ein Großteil der Infrastruktur – das Gasnetz – ist bereits vorhanden (Seite 18).

Bei all diesen Vorteilen fragt man sich natürlich, wieso diese Lösung erst jetzt diskutiert wird. Schließlich stehen anderswo Alternativprojekte wie das Pumpspeicherwerk Atdorf im Südschwarzwald bereits auf der Kippe.Zumindest will der Branchenverband DVGW die Entwicklung jetzt intensiver vorantreiben. Erste Rückmeldungen aus der Politik zum ›Power-to-Gas-Konzept‹ sind positiv.

Dies lässt sich nachvollziehen, denn für die Politiker mutieren die erneuerbaren Energien immer mehr vom positiv belegten Zukunftsthema zum Problemstoff. Das Mannheimer ZEW hat in einer Expertenbefragung ermittelt, dass das EEG derzeit in seiner größten Krise steckt. Rund die Hälfte der Befragten sehen die EEG-Umlage in fünf Jahren bei vier bis sechs Cent pro kWh. Bei einer weiteren Erhöhung bestehe laut ZEW die Gefahr, dass das Fördergesetz kollabiere (Seite 16).

Die Antwort der Politik ist meist eine Kürzung der EEG-Vergütung. Für Solarstrom wird dies Anfang Juli soweit sein. Dies ist eine Möglichkeit. Eine zweite besteht darin, das Problem von der anderen Seite zu packen und die Verträglichkeit der Erneuerbaren durch Lösungen wie der Speicherung im Gasnetz zu erhöhen. Mal sehen, wer den Durchblick behält.

Michael Nallinger

Erschienen in Ausgabe: 01/2011