Die Kraft der Kohle nicht unterschätzen;
Es gibt Produkte, die per se mit einem negativen Image zu kämpfen; haben. Kohle gehört; sicherlich dazu. Waren es anfangs die an Staublunge erkrankten Kumpel oder die gelben und stechend riechenden Schwefel-emissionen, kamen später; die hohen Sub-ventionen hinzu. Und seit der Emissions-handel die Diskussion in der Energiebranche beherrscht, ist das Ansehen noch weiter gesunken. So gelten Kohlekraftwerke etwa gegenüber; solchen mit Erdgas betriebenen aufgrund höherer; CO2-Emissionen und ge-ringerer Wirkungsgrade nicht gerade als umweltfreundlich. Dass der Druck auf die Kohle zunimmt, ist eigentlich schwer nachzuvollziehen. Kaum jemand bestreitet, dass Kohle neben Kern-kraft zur Grundlasterzeugung bestens ge-eignet ist und derzeit dort schwerlich zu er-setzen sein wird. Mit dem beschlossenen Ausstieg aus der Atomenergie wird ihre Bedeutung sicherlich nicht geringer. Gas bietet in der Grundlast mit seinen volatilen Brennstoffpreisen und der übersichtlichen; Anzahl an Lieferländern; augenscheinlich das höhere; Risiko. Die Bedeutung des schwarzen Rohstoffes wird außerdem; durch aktuelle politische Ver-änderungen; wachsen: Mit der Erweiterung der Europäischen; Union steigt der Kohle-anteil an der EU-Stromerzeugung von 27 % auf 32 %. In Tschechien basieren 75 % auf Kohle, in Polen sind es sogar 96 %. Dazu kommt das Alter der Kohlekraftwerke in den neuen EU-Ländern;, das etwa doppelt so hoch ist, wie in den alten. Viele dieser An-lagen sollten baldmöglichst; erneuert werden.
Die Jahresinhaltsverzeichnisse zum Download als PDF-Datei:
ES Inhaltsverzeichnis 2002.pdf
ES Inhaltsverzeichnis 2003.pdf
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Ein erhebliches Potenzial für; innovative deutsche Kraftwerksbauer. In den neuen Mitgliedsstaaten würde; Verstromungstechnik „made in Germany“, wie sie gerade im neuen Block K des Kohlemeilers Niederaußem; verwirklicht wurde (Seite 14), den Wirkungs-grad gleich um einen zweistelligen Prozent-satz nach oben treiben. Im Hightech-Kraft-werk Niederaußem; sorgte ein Mix von Ver-besserungen dafür;, dass der Wirkungsgrad auf 43 % anstieg. Wie unsere Reportage zeigt, haben die Kohlekraftwerkstechniker bereits heute Wirkungsgrade jenseits der 50 % im Visier. Zu schaffen sein wird dies aber nur mit neu-artigen Konzepten, wie dem Einsatz von Werkstoffen, die den dann notwendigen hohen Temperaturen von rund 700 °C stand-halten. Die Materialien (wie Nickel-Stahl) für; diese kritischen Bedingungen glauben die Entwickler zwar zu kennen, allerdings wissen sie noch wenig über; ihr Verhalten in solch voluminösen; Bauteilen, wie sie in Kohlekraft-werken benötigt; werden. Um dies zu erfor-schen, sind einerseits erhebliche Investitio-nen vonnöten;, andererseits mehrjährige; Testläufe.;
Noch sind die Europäer;, und hier speziell deutsche Unternehmen, gemeinsam mit den Japanern führend.; Damit dies so bleibt, be-darf es aber rechtzeitiger politischer Signale. Vielleicht werden dann Kohlekraftwerke zu einem ähnlichen; Exportschlager wie jüngst; GuD-Kraftwerke. Und der Umwelt sowie dem Image wäre; ebenfalls gedient. Haben doch Experten errechnet, dass beim weltweiten Einsatz der anspruchsvollen deutschen Kohlekraftwerkstechnik 1,5 Mrd. Tonnen CO2 eingespart werden könnten.; Das ist dreimal so viel, wie heute Deutschlands Industrie insgesamt ausstößt.;
Michael Nallinger
Chefredakteur
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