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3 Fragen an Klaus Nitschke

Ein Interview mit Klaus Nitschke, Geschäftsführer von Cortility, über Cloud-Lösungen: Wo sind sie sinnvoll, welche Auswirkungen ergeben sich auf das Geschäftsmodell und was ist bei der Umsetzung zu beachten?

31. Juli 2018

Bei welchen Prozessen kann die Cloud Versorger bei den Herausforderungen der Energiewelt unterstützen?

Grundsätzlich bei allen Prozessen, für die Geschwindigkeit, Variabilität und Automatisierung wichtig sind. Ein Beispiel dafür sind die Prozesse rund um Betreuung und Abrechnung der sogenannten Prosumer, also der Kunden, die mit ihren PV-Anlagen auch Erzeuger sind oder mit ihren Elektroautos Speicherkapazität zur Verfügung stellen. Hier kommt es für das EVU darauf an, skalierbare Systeme und schlanke Prozesse zu entwickeln, um für beide Seiten wirtschaftliche Lösungen anbieten zu können. Das ist ein klassischer Einsatzbereich von Cloud-Lösungen.

Aber auch für Produkte aus dem Bereich Smart Home bietet sich die Cloud an. Und Energievertriebe, die aktiv neue Kundengruppen gewinnen wollen, können im Bereich Marketing, Wechselportal und Bestellstrecke die notwendige IT-Unterstützung schnell bekommen. Ich gehe davon aus, dass im ersten Schritt besonders neue Geschäftsfelder und innovative Ideen in der Cloud umgesetzt werden, da hier häufig die klassische Entwicklung von IT-Systemen zu aufwendig und zeitintensiv ist.

Wie wirkt sich der Weg in die Cloud auf die Geschäftsmodelle der Unternehmen aus?

Die Cloud wird sich massiv auf Energieversorger auswirken, denn es ist kein technisch-funktionaler Release-Wechsel, sondern ein Transformationsprojekt, das in die Geschäftsmodelle der EVU eingreift. Natürlich ergeben sich durch die Cloud neue Möglichkeiten, schneller und agiler neue Geschäftsfelder zu besetzen oder mit innovativen Produkten auf den Markt zu gehen. Das kann zu moderneren Arbeitsweisen führen.

Zugleich werden hinsichtlich der IT grundlegende Veränderungen auf die Unternehmen zukommen: Bisher wurden IT-Systeme an die Geschäftsprozesse angepasst – egal welche ERP- oder Billing-Lösung auch im Einsatz war. In Zukunft ist die wesentliche Aufgabe, die Unternehmen an die Prozesse in den Cloud-Systemen heranzuführen und sie zu unterstützen, ihre Geschäftsprozesse an diesen Rahmen anzupassen. Insgesamt erwarte ich, dass sich in der Energiewirtschaft der bereits zu beobachtende Trend zur Prozessorientierung weiter verstärkt.

Was sind zentrale Aspekte, die bei der Umsetzung der Cloud-Lösung beachtet werden sollten?

Grundsätzlich ist zu bedenken, dass im Verantwortungsbereich des Cloud-Betreibers schützenswerte Daten verarbeitet werden. Daher ist die Wahl des Partners sehr sensibel.

Bei der Entwicklung einer Cloud-Strategie sollte man dem Prinzip »Der Weg ist das Ziel« folgen. Indem man einzelne Prozesse in die Cloud auslagert, entsteht ein hybrides System aus Cloud- und On-premise-Anwendungen. Hier gilt es, einzelne Etappen zu planen, sowohl unter ergonomischen wie auch wirtschaftlichen Aspekten. Daher nutzen wir das Bild der alpinen Wanderung, wenn wir vom Weg in die Cloud sprechen. Da ist das Ziel meist im Blick. Doch entscheidend dafür, wann und in welcher Verfassung man ankommt, sind die Vorbereitung und Planung der konkreten Umsetzung.

Erschienen in Ausgabe: Nr. 06 /2018

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