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Menschen

3 Fragen an Peter Schmidt

27. Februar 2018

Überkapazitäten, veränderte Marktbedingungen bestimmen den Gasmarkt. Wie lässt sich den Herausforderungen als Speicherbetreiber begegnen?

Wo kommen diese Überkapazitäten her? Zum einen ist in den letzten zehn Jahren relativ viel Kapazität zugebaut worden. Zum anderen entstand durch die Liberalisierung eine Aufgliederung des Gasmarktes in unterschiedliche Marktrollen und meines Erachtens ist die Verantwortung für das Thema Versorgungssicherheit anders als in der Vergangenheit nicht explizit und damit klar einer Marktrolle zugeordnet. Somit werden Speicherkapazitäten bei der Risikovorsorge nicht mehr in dem Maße wie erforderlich berücksichtigt. Wie begegnen wir dem intensiven Wettbewerb? Kostenmanagement ist ein Stichwort. Zum anderen versuchen wir, uns neuen Geschäftsfeldern zuzuwenden. Eines dieser Felder ist die Energiespeicherung. Sie gliedert sich bei uns in zwei Richtungen: Das eine ist das Brine-for-Power-Projekt, bei dem wir Strom mit einer neuartigen, auf einem Sole-Polymer-Gemisch basierender Redox-Flow-Technologie in Kavernen speichern wollen. Auf der anderen Seite befassen wir uns mit der Umwandlung von regenerativ erzeugtem Strom in Wasserstoff und der Nutzung und auch Speicherung dieses Wasserstoffs in Kavernen. Das ist momentan noch im Entwicklungsstadium. Aber wir erwarten, hier in den nächsten Jahren vernünftige Ergebnisse zu sehen.

Könnte man Wasserstoff in Kavernen speichern?

Das muss natürlich noch intensiver untersucht werden. Derzeit gibt es keine Wasserstoff-Kaverne in Deutschland, wohl aber in den USA. Technisch setzt dies unter anderem die Verwendung von anderen Materialien als den beispielsweise aktuell genutzten Stählen voraus, weil Wasserstoff andere technische Eigenschaften zum Beispiel die Molekülgröße als Erdgas besitzt.

Momentan rechnet sich Power to Gas aus verschiedenen Gründen nicht. Was wäre Ihr Wunsch an die Politik, damit sich das ändert?

Die Energiespeicherung hat aktuell keine eigenständige gesetzliche Grundlage. Ich würde mir bei Power to Gas wünschen, dass Gasspeicher nicht den derzeitigen Status als Letztverbraucher behalten und somit von der EEG-Umlage und Netzentgelten für den verwendeten regenerativen Strom befreit werden. Denn dies macht den eingesetzten Strom teuer und führt dazu, dass wir die Wirtschaftlichkeit – zumindest wenn man eine Rückmethanisierung anstrebt – nicht erreichen. Man muss jetzt anfangen, das Thema anzugehen. Wenn man die nächsten zehn Jahre nichts macht und sich dann überlegt, wir haben Kavernen, die könnten wir doch für Wasserstoffspeicherung nutzen, dann ist es für die erforderliche Entwicklungsarbeit zu spät. Bis dahin sind vermutlich auch einige Speicherbetreiber aus dem Markt gegangen. Man muss auch seine Anwendung finden, im Brennstoffzellenbereich und zum Beispiel in der Mobilität.

Wir planen derzeit ein Demonstrationsprojekt an unserem Speicherstandort in Huntorf. Unsere Grundlast an Strom am Standort werden wir mit Freiflächenotovoltaik abdecken, mit dem überschüssigen regenerativ erzeugten Strom wird ein Elektrolyseur betrieben, um Wasserstoff zu erzeugen und diesen in einer Betriebstankstelle in Fahrzeugen zu vertanken. Auf diese Weise wird die komplette Wertschöpfungskette dargestellt, es handelt sich um ›die Energiewende zum Anfassen‹.

Erschienen in Ausgabe: Nr. 02 /2018

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