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E-Mobilität für Stadt und Land

Wie können Energieversorger den Ausbau der E-Mobilität in Stadt und Land fördern, um sich als Treiber der Entwicklung zu positionieren? Das fragen sich viele Stadtwerke und EVU. Antworten gibt ein Beispiel aus der Rhein-Sieg-Region.

31. Juli 2019
E-Mobilität für Stadt und Land
(Bild: Ralf Geithe – stock.adobe.com)

Die Rhenag mit Standorten in Köln und Siegburg will den Umstieg auf Elektrofahrzeuge weiter beschleunigen und damit ihre Rolle als einer der zentralen Treiber für Elektromobilität in der Rhein-Sieg-Region unterstreichen. Mit welchen Maßnahmen das geschehen soll, erläuterte das Unternehmen im Juli beim Jahrespressegespräch.

Obgleich die Zulassungszahlen auch im Rhein-Sieg-Kreis derzeit noch überschaubar sind (715 Vollelektroantriebe, 3.566 Hybridantriebe, Stand: 30.06.2019), ist das Unternehmen überzeugt, dass Elektromobilität in den nächsten zwei bis fünf Jahren deutlich an Fahrt aufnehmen wird. „Wir befinden uns noch in einem frühen Marktstadium“, so Rhenag-Vorstand Kurt Rommel. „In dieser Phase braucht es starke Akteure, die das Thema entschlossen anschieben. Überregional sind hier der Gesetzgeber und die Automobilhersteller gefragt.“ In der Region habe die Rhenag die Rolle des Vorreiters, Antreibers und Umsetzers übernommen, so Rommel.

Ladetechnik der zweiten Generation

Seine Elektromobilitätsstrategie leitet der Rhein-Sieg-Versorger dabei aus der übergeordneten Unternehmensstrategie ab. Die strategische Zielsetzung: Elektromobilität alltagstauglich machen.

Aus Sicht des Unternehmens gehe es vor allem darum, die Mobilität von Elektrofahrern durch schnelle und ausreichend vorhandene Ladesäulen zu sichern; ferner darum, das Laden zu Hause und im Unternehmen zum innovativen Technikerlebnis zu machen und die Bürger über Sharing-Angebote in Kontakt mit E-Fahrzeugen zu bringen.

Rhenag hat den Angaben zufolge in einer zweiten Ausbauwelle seit Ende 2018 die Ladeinfrastruktur deutlich verdichtet. „Und auch an den Ladezeiten arbeiten wir weiter. So steht die Installation von zwei Schnellladern der neuesten Generation in Siegburg unmittelbar bevor“, so das Unternehmen in einer Mitteilung. An diesen DC Ultra-Schnellladesäulen können E-Fahrzeuge in sechs Minuten Strom für 100 Kilometer aufnehmen.

Auch die private Ladetechnik entwickelt sich weiter. Die neue E-Box-Generation steht kurz vor dem Roll-Out. Sie laden mit bis zu 22 KW doppelt so schnell wie ihre Vorgänger und sind mit dem Smartphone für die Zugangskontrolle oder das Monitoring der Ladevorgänge vernetzt.

Elektromobilität und Sharing

Kurz bevor steht der Startschuss für das E-Car-Sharing in Siegburg, heißt es. Nachdem Rhenag im Frühling die Ausschreibung zum Aufbau eines solchen Angebots gewinnen konnte, wurden acht E-Fahrzeuge für die Stadt beschafft. „Rhenag stellt die Buchungsplattform, verwaltet die Fahrzeuge und rechnet sie ab. Während der Dienstzeiten stehen die E-Fahrzeuge exklusiv der Stadt als Ankernutzer der Sharing-Flotte zur Verfügung“, so das Unternehmen.

Außerhalb der Dienstzeiten können fünf E-Fahrzeuge von der Allgemeinheit genutzt werden. „Dieses Angebot verbindet zwei Megatrends: Elektromobilität und Sharing“, unterstreicht Kurt Rommel.

Elektromobilität mit Hausenergie-Innovationen verzahnen

Ein Erfolgsrezept für E-Mobilität ist die Einbettung von Elektromobilitätsangeboten in ein energetisches Gesamtkonzept. „Wir stellen fest, dass sich die Themen nicht nur ergänzen, sondern gegenseitig befeuern“, so Rhenag-Vorstand Hans-Jürgen Weck. E-Autofahrer seien wesentlich offener für die Themen Photovoltaik und Speicher, so Weck.

Bidirektionales Laden

Um Energiewende und Verkehrswende weiter zu verzahnen, arbeitet Rhenag an Lösungen für die Zukunft. Sie hat sich hierfür mit anderen Schlüsselakteuren der Elektromobilität in dem überregionalen Forschungsprojekt Bidirektionales Laden zusammengeschlossen. Damit können E-Autos nicht nur Strom aufnehmen, sondern wieder ins Netz zurückspeisen. Ab 2020 soll diese Technik mit ersten Pilotfahrzeugen im Rhenag-Versorgungsgebiet erprobt werden.