E.on und RWE legen Halbjahresbilanz vor

Die zwei großen Energieversorger E.on und RWE haben ihre Halbjahresbilanz vorgelegt und deutliche Einschnitte im Vergleich zum Vorjahr bekanntgegeben. Sie führen dies auch auf den beschleunigten Ausstieg aus der Kernenergie zurück. E.on gab außerdem Überlegungen zu einem möglichen Abbau von Stellen bekannt, über den in der letzten Woche schon von verschiedenen Medien berichtet wurde.

10. August 2011

»Die Beschlüsse zur Kernenergie führen zu erheblichen Ergebnisbelastungen. Das Energiekonzept der Bundesregierung bietet uns aber auch Chancen, die wir nutzen wollen«, so Jürgen Großmann, Vorstandsvorsitzender der RWE AG.

Die Laufzeitverkürzung für die deutschen Kernkraftwerke zusammen mit der Kernbrennstoffsteuer minderte das betriebliche Ergebnis gegenüber dem Vergleichszeitraum 2010 um rund 900Mio.€ gab der Konzern bekannt. Bei einem im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nahezu stabilen Konzernumsatz von 27Mrd.€ sank das EBITDA um 25% auf 4,6Mrd.€. Das betriebliche Ergebnis ging um 33% auf 3,3Mrd.€ zurück. Das nachhaltige Nettoergebnis verringerte sich um 39% auf knapp 1,7Mrd.€.

RWE plant laut eigenen Angaben verschiedene Maßnahmen umzusetzen, um die Kapitalbasis zu stärken: So werde das im Februar angekündigte Desinvestitionsprogramm auf bis zu 11Mrd.€ aufgestockt. Man prüfe unter anderem den Verkauf von Kohle- und Gaskraftwerken und eine vollständige oder teilweise Veräußerung von RWE Dea. Außerdem werden verschiedene Ansätze geprüft, Investitionsausgaben zu verringern, das Effizienzsteigerungsprogramm soll aufgestockt werden und eine Eigenkapitalmaßnahme sei geplant.

Auch E.on gab für das erste Halbjahr 2011 einen starken Rückgang bei allen wesentlichen Ergebniskennzahlen bekannt: Während der Konzernumsatz mit rund 53Mrd.€ etwa 20% über dem Vorjahresniveau lag, ging das Adjusted EBITDA um 45% auf 4,3Mrd.€ zurück.

Die wesentlichen Gründe hierfür seien die Novelle des Atomgesetzes mit den vorzeitigen, ungeplanten Stilllegungen von Kernkraftwerken in Deutschland, sowie die Brennelementesteuer, die das Adjusted EBITDA mit rund 1,9Mrd.€ belasten, negative Ergebnisse aus langfristigen Gasbezugsverträgen sowie geringere Erlöse im Stromhandelsgeschäft, so der Konzern weiter. Positiv entwickelten sich hingegen die Erdgasförderung, die Stromerzeugung in Russland und vor allem die Erneuerbaren Energien.

E.on-Vorstandsvorsitzender Johannes Teyssen hob die Überzeugung des Vorstands hervor, dass es zur Zukunftssicherung für den Konzern notwendig sei, eine deutliche Kostenreduzierung schnell und dauerhaft zu erreichen. »Gegen negative Veränderungen von Märkten, vor allem aber des politischen und regulatorischen Umfeldes, sind wir nicht gefeit. Umso mehr müssen wir unseren Handlungsspielraum im Inneren nutzen.«

Mit einer Verringerung von Sachkosten allein ließen sich die notwendigen Kostensenkungen allerdings nicht erreichen. Mittelfristig könnten daher nach ersten Überlegungen des Vorstands konzernweit 9.000 bis 11.000 Arbeitsplätze vor allem in der Verwaltung betroffen sein. Darüber hinaus werden Effizienzsteigerungsmaßnahmen in den operativen Bereichen untersucht. Der Energieversorger will die vorgestellten Überlegungen in den kommenden Wochen konkretisieren. Die entsprechenden Entscheidungen im Aufsichtsrat sollen im Herbst fallen.