E-Volution bei der Post

Praxis

Bei der Elektrifizierung ihrer Zusteller-Töffs ist die Schweizerische Post längst weit über Pilotversuche hinaus: Seit Herbst 2011 werden Motor-Zweiräder ausschließlich durch elektrische abgelöst. 2016 wird es keine Benzin-Töffs für den Zustellbetrieb mehr geben.

22. Mai 2012

> Postzustellung In der Schweiz nennt man ein motorisiertes Zweirad ›Töff‹. Und gefühlt kommt dort auch die Post mit dem Töff. Was nicht ganz stimmt, denn täglich machen rund 15.000 Zusteller des größten eidgenössischen Logistikunternehmens ihre Runde – der Fuhrpark der Post zählt aber nur 7.500 motorisierte Zwei- und Dreiräder. Je nach Region und Zustellgebiet sind die Zusteller eben auch zu Fuß oder mit dem Lieferwagen unterwegs.

Bezüglich des Antriebskonzeptes ist gerade in den Zwei- und Dreirad-Fuhrpark kräftig Bewegung gekommen: »2008 gingen wir nach jahrelangen Tests mit einer kleinen Flotte von 250 Elektrorollern erstmals in die Praxis«, so Thomas Baur, Leiter Zustellung PostMail der Schweizerischen Post. Die Tests vor 2008 dauerten deshalb so lange, weil es damals noch keine Fahrzeuge auf dem Markt gab, die einen wirtschaftlich und technisch sinnvollen Einsatz im Zustelldienst der Post ermöglichten.

Der ab 2008 durchgeführte Testeinsatz in der Praxis hat viel dazu beigetragen, die Technologie an die Erfordernisse der Zustellung anzupassen. Baur: »Die Erfahrungen, die wir sammelten, waren gut. In der Folge ging es deshalb recht schnell, dass wir aus dem Stadium der Pilotversuche herauskamen. Im Sommer 2011 waren so bereits rund 1.500 Elektroroller bei der Briefzustellung im täglichen Einsatz.«

Von der Bevölkerung, so Baur, werden die Roller geschätzt, weil sie keine Abgase verursachen und leise sind. »Lautlos und – dank dem Windstrom, den die Post bezieht – auch CO2-neutral gleiten die Roller durch die Quartiere.«

Als Roller wählte die Post den Cargo Scooter des italienischen Herstellers Oxygen aus. Er wiegt 161kg, bringt es auf 45km/h und hat eine Reichweite von 90km. Die Ladezeit für die LiMePo-Akkus beträgt drei bis vier Stunden.

Stand 2011: rund 1.500 Elektroroller

Für den größten Teil der Touren sind die Roller das geeignete Arbeitsgerät der Zusteller. Doch auf einigen Touren waren weder Reichweite noch Zuladung der Roller zufriedenstellend. Auf der Suche nach Alternativen stieß man auf den schweizerischen Hersteller Kyburz, der bereits langjährige Erfahrungen bei Kranken- und Behindertenfahrzeugen und bei Intralogistiklösungen hatte.

Dieser entwickelte mit dem Kyburz-DXP ein Elektro-Dreiradfahrzeug speziell für die Bedürfnisse der Post: Es hat bereits in der Basisversion mit 120kg die doppelte Nutzlast im Vergleich zum Roller. Durch einen speziellen Anhänger, der mit elektrischer Áuflaufbremse ausgerüstet ist, kann die Nutzlast auf 270kg erhöht werden. Auch das Zustell-Dreirad ist 45km/h schnell und schafft in wenig bergigem Gelände bis zu 100km mit einer Batterieladung.

Dreirad mit höherer Zuladung

Baur: »Für die Zusteller hat dieses Fahrzeug nicht nur den Vorteil größerer Sicherheit – etwa bei schlechten Straßen- und Wetterbedingungen. Es bietet auch Zeitvorteile, weil es nicht bei jedem Halt auf den Ständer gestellt werden muss. Es steht dank einer automatischen Parkbremse still, sobald der Zusteller absteigt und etwa zu einem Hauseingang geht.«

Von diesem Typ sind bei der Schweizerischen Post mittlerweile 500 Fahrzeuge im Einsatz. »Es werden zügig mehr, denn wir gehen bei der Beschaffung von Elektrofahrzeugen rasch voran«, so Baur. Bis Ende des Jahres soll die Gesamtsumme der Elektrofahrzeug bei der Post bereits 4.000 betragen.

»Spätestens 2016 werden wir den letzten Benzinroller aus dem Verkehr nehmen.« Bereits 2013 will die Post ein erstes wichtiges Etappenziel erreicht haben: 15.000t weniger CO2 als noch 2010 will das Logistikunternehmen bis dahin jährlich ausstoßen. Deshalb werden zunehmend auch kleine Elektro-Lieferwagen eingesetzt. Bei größeren Lieferwagen rüstet die Post auf Erdgasbetriebene Fahrzeuge um . 140 dieser Ducato-Vans sind bereits im Einsatz. Betankt werden sie mit 100% Biomethan – womit sie CO2-neutral fahren.

Schulung für ›eco‹-Fahrweise

Außerdem schult das Unternehmen seine Fahrer regelmäßig in der energiesparenden ›Eco-Drive‹-Fahrweise. Diese Maßnahme wurde bereits vor Jahren für die Fahrer der Schweizerischen Post-Autos eingesetzt. Im Busbetrieb konnten dadurch 3% des Treibstoffverbrauchs eingespart werden. Jetzt wird die Schulung auf alle Fahrer von Kraftfahrzeugen ausgeweitet.

Konzernchef Jürg Bucher ordnet die Umrüstung auf die Elektro-Zustellfahrzeuge und die weiteren Maßnahmen zur Treibstoffeinsparung in das Gesamtkonzept ›pro clima‹ ein: »Wir rüsten auch die Dächer von mehr als 20 Betriebsgebäuden mit Photovoltaikanlagen aus.« Das ergäbe eine Stromproduktion von rund 6.000MWh/a, was rund 4% des Strombedarfs der Post decken würde. Im Briefzentrum Zürich-Mülligen, arbeitet mittlerweile eine PV-Anlage mit 26.000m2 Fläche.

»Auch die Energieeffizienz unserer Gebäude haben wir uns im Rahmen von ›pro clima‹ vorgenommen. Mit verschiedenen Maßnahmen konnten wir dort den Verbrauch um 20% senken.« Hauptaugenmerk der Klimaschutz-Bemühungen liegen aber auf dem Transport. Schließlich ist hier einerseits die Kernkompetenz des Logistik- und Transportunternehmens. Andererseits entstehen hier auch die höchsten Kosten – verursacht durch steigende Treibstoffpreise. Was ökologisch Gebot der Stunde ist, macht daher auch ökonomisch Sinn.

Unter dem Strich

Die Elektro-Flotte der Post umfasste im Herbst 2011 bereits 1.500 Cargo-Roller und 500 Lasten-Dreiräder. 2016 sollen die letzten Benzin-Roller ausgemustert werden.

+Die Post ist längst über Pilotversuche hinaus

+Erfahrungen flossen in E-Fahrzeuge ein

+Strom kommt klimaneutral aus Windenergie

Fazit: Thomas Baur, Leiter Zustellung PostMail, kann heute sagen, dass die Schweizerische Post in Sachen Zustellung mit Elektrofahrzeugen internationaler Vorreiter ist. Das rechnet sich ökonomisch und ökologisch.

Erschienen in Ausgabe: 01/2012