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3 Fragen an Peter Reitz

12. Dezember 2018
Peter Reitz, Vorstandsvorsitzender EEX (Portraitbild: EEX)

Die Zertifikatspreise sind in den letzten Monaten gestiegen. Inwieweit zeigt die Reform des europäischen Emissionshandels, des ETS, also Wirkung?

Die Preise für Emissionsberechtigungen sind in den letzten eineinhalb Jahren deutlich gestiegen, bis auf teilweise 25 Euro je Tonne CO2. Mittlerweile hat sich der Preis bei etwa 20 Euro je Tonne CO2 eingependelt. Die Reform des Emissionshandelssystems scheint ihre Wirkung zu zeigen, und das noch bevor die Reform tatsächlich Anwendung findet. Denn die Marktstabilitätsreserve, die einen Teil des aktuellen Überschusses an Zertifikaten aus dem Markt nimmt, wird erst 2019 wirksam und die weitere Verknappung der jährlichen Emissionsbudgets sogar erst in der neuen Handelsperiode ab 2020. Da die Zertifikate in die neue Handelsperiode übertragbar sind, antizipiert der Markt offensichtlich bereits jetzt die zukünftige Verknappung, was sich letztlich in den Preisen widerspiegelt.

Sollte der Emissionshandel auf Verkehr und Wärme ausgeweitet werden?

Wir betrachten den Emissionshandel als das zentrale Klimaschutzinstrument, das die klaren Vorteile hat, dass es etabliert ist, aktuell weiter gestärkt wurde und europäisch ausgelegt ist. Mehr Klimaschutz sollte also über das ETS erreicht werden. Dazu gehört für uns auch die Einbeziehung weiterer Sektoren. Eine zusätzliche CO2-Bepreisung der Sektoren Wärme und Verkehr mit anderen Instrumenten wie einem Mindestpreis oder einer CO2-Steuer kann daher nur ein Zwischenschritt sein, vor allem wenn es sich um rein nationale Maßnahmen handelt.

Wie könnte der ETS in fünf bis zehn Jahren aussehen?

Klimaschutz und damit CO2-Bepreisung ist ja kein rein deutsches oder europäisches, sondern ein globales Thema. Das Pariser Klimaabkommen zeigt das sehr deutlich. Auch in anderen Teilen der Welt wird an Instrumenten für eine CO2-Bepreisung gearbeitet, oftmals in Form von Handelssystemen, für die das europäische ETS als Blaupause dient. Die Frage ist also, wie sich langfristig eine Koordinierung dieser Systeme herstellen lässt. Die EEX hat mittlerweile 13 Jahre Erfahrung als Marktinfrastrukturprovider im europäischen Emissionshandel. Mit dieser Expertise engagieren wir uns beispielsweise in China und in den USA, um dort in einem ersten Schritt an der Entwicklung des Emissionshandels und in einem zweiten Schritt an einer möglichen globalen Verbindung der verschiedenen Handelssysteme mitzuarbeiten. Das langfristige Ziel muss dabei ein globaler CO2-Preis sein, der marktwirtschaftlich ermittelt wird. hd

Erschienen in Ausgabe: Nr. 10/2018