»Effekte der Kannibalisierung«

Contracting Auf dem ESCO -Forum auf der Hannover Messe sprach die Branche über gute Geschäfte, äußerte aber, ob der Mängel in der Förderpolitik, erhebliche Zweifel am KWK-Ausbauziel.

04. Juni 2008

»Für uns als Contractoren ist gerade im industriellen Geschäft von größter Bedeutung, dass politisch motivierte Fördermechanismen wie das Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz nicht ausreichend ausgelegt sind, um die politisch vorgegebenen Zielsetzungen zu erreichen«, betonte Dr. Jobst Klien. Damit äußerte der Vorsitzende des ESCO-Forums im ZVEI und Geschäftsführer der Hochtief Energy Management Erste GmbH »erhebliche Zweifel« daran, ob sich das Ziel der Bundesregierung erreichen lässt, den Anteil des KWK-Stroms bis 2020 auf 25 % zu verdoppeln. Wie Klien in Hannover erläuterte, erreichen durchschnittliche KWK-Projekte die Rentabilitätsgrenze frühestens bei einer Erhöhung der Förderdauer von 30.000 auf 40.000 Vollbenutzungsstunden und einem Verzicht auf die zusätzliche Degression von 0,2 Ct/kWh für Strom zur Eigenversorgung. »Ohne diese Maßnahmen ist der erforderliche Anstieg bei KWK-Investitionen nicht zu erwarten«, so Dr. Klien. Beispielrechnungen anhand realer KWK-Anlagen aus dem Bestand der Mitglieder des ESCO-Forums zeigen, dass die Förderbedingungen des Gesetzentwurfs nicht ausreichen, um den erwarteten Investitionsschub und signifikanten Anstieg der Stromerzeugung aus KWK zu erzielen. »Die haushaltstechnisch motivierte Deckelung der KWK-Förderung auf 750 Millionen Euro wird der politischen Zielsetzung im Bereich des Klimaschutzes nicht gerecht werden können«, betont der ESCO-Vorsitzende. Folgerichtig unterstütze man die bereits vom Bundesrat geforderte Erhöhung der Fördergrenze auf rund 950 Mio. €. Für den Contracting- Verband ist klar, dass KWK der schnellste Weg ist, nachhaltig CO2-Emissionen einzusparen. Negativ wirke sich hier auch die »Inkonsistenz im gesetzlichen Bereich« aus, konkret in Form der gegenseitigen Beeinflussung von KWKG und EEG. Kontraproduktiv für die positive Entwicklung des Contracting ist hier insbesondere, dass die degressive Förderung des KWKG nach einigen Jahren »durch die tendenziell steigende EEG-Umlage quasi aufgefressen« wird.

Inkonsistente Energiepolitik

»Auch hier zeigen unsere Berechnungen, dass der Kannibalisierungseffekt für die Contractoren keine günstigen Investitionssignale in Richtung KWK setzt«, kritisiert Dr. Klien. Der Effekt entsteht durch die Tatsache, dass die Eigenversorgung weiterhin von der EEG-Umlage befreit bleibt, der Contractor aber für seine Stromlieferungen zur EEG-Umlage herangezogen wird. Dieses im Kreis fahren von Fördergeldern habe seine Ursache unter anderem auch in der inkonsistenten Energiepolitik, unter anderem zwischen dem Wirtschafts- und dem Umweltministerium, vermutet der Experte.

Diese Widrigkeiten träfen die Contracting- Branche in einem Marktumfeld mit zweistelligen Wachstumsraten. Die Preissteigerungen für Energieprodukte sorgten für einen »hohen Handlungsdruck gerade im energieintensiven Bereich der Industrie, aber auch bei den Betreibern von Gewerbeimmobilien«, so Klien. Ein anderes mit dem KWK-Ausbau verbundes Problem sprach Ralf Christian auf der Industriemesse an. »Wir stehen vor einem Paradigmenwechsel, von der festgefügten Stromverteilung zu einem intelligenten und flexiblen Stromnetz mit einer großen Zahl dezentraler Einspeisungen «, betonte der stellvertretende Vorsitzende im ZVEI-Fachverband Energietechnik. Die massive Zunahme von dezentralen Erzeugungskapazitäten stelle die Verteilnetzbetreiber vor große Probleme. Das Lastmanagement wird nach seiner Überzeugung zunehmend Aufgabe des Verteilnetzbetreibers werden. »Über das Intelligente Netz gewinnt der Verteilnetzbetreiber wertvolle Informationen, zum Beispiel zur Einhaltung der Spannungspegel. Oder er betreibt mit ihrer Hilfe aktives Energiemanagement durch das vertragliche Einwirken auf steuerbare Verbraucher wie Kühlhäuser «, so Christian.

Das Übermitteln eines minutenaktuellen Leistungs- und Strompreises könnte die Verbraucher zum aktiven zeitlichen Management der Stromnachfrage bewegen. Damit ließen sich Verbrauchsspitzenzeiten verringern und die Effizienz der Strominfrastruktur verbessern. Verbandskollege Herbert Brunner sieht in der Einführung einer monatlichen Energieverbrauchsabrechnung die Chance einer nachhaltigen Reduzierung der Energiekosten für die Verbraucher. »Mit Smart Metering, dem Einsatz intelligenter Haushaltszähler, erhalten die Kunden ein Instrument, ihre Einsparpotenziale zu erschließen«, so Brunner. Die E-Energy-Studie des Bundeswirtschaftsministeriums habe gezeigt, dass sich der Stromverbrauch in Haushalten um 6,5 % oder 9,5 TWh bis zum Jahr 2010 reduzieren lasse. Brunner fordert dafür von der Politik, dass sie der Industrie einen klaren Auftrag erteilt, mit rechtsverbindlichen Grundlagen zur flächendeckenden Einführung von intelligenten Zählern. (mn)

Erschienen in Ausgabe: 06/2008