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Effiziente Veranstaltung

HANNOVER MESSE Das Thema Energieeffizienz zog sich wie ein roter Faden durch die diesjährige Veranstaltung. Zahlreich sind die Anregungen aber auch die Zukunftsaufgaben.

01. Juni 2007

Beim Zentralverband Elektrotechnik - und Elektronikindustrie e. V. (ZVEI) stand die Zahl 20 im Zentrum der Diskussion. 20 % weniger CO2-Emissionen und 20 % Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung bis 2020, so lautet die bekannte Festlegung der EU zum Thema künftige Stromversorgung. Dr. Joachim Schneider, Vorsitzender des ZVEI-Fachverbandes Energietechnik, stellt dazu unumwunden fest: »Die Stromversorgungsinfrastruktur in Deutschland und Europa ist den kommenden Anforderungen in der heutigen technologischen Konzeption nicht gewachsen.«

Auf Seiten des Stromverteilungsnetzes stellen insbesondere die Integration verbrauchsferner Windkraftanlagen, die Bildung eines wachsenden europäischen Strombinnenmarktes und das Einbeziehen der zunehmenden dezentralen Erzeugungskapazitäten die Netzbetreiber vor besondere Herausforderungen. Der Lösungsansatz des ZVEI ist das Smart Grid, also der Einsatz intelligenter Regelsysteme, um einen »möglichst effizienten Ausgleich zwischen stark schwankenden Lastanforderungen und teilweise ebenfalls fluktuierenden Erzeugungskapazitäten zu erzielen«.

Zudem müssen für den zunehmenden Transport großer elektrischer Leistungen über lange Strecken neue Technologien zum Einsatz kommen, die im Grundsatz heute schon verfügbar sind, wie die Hochspannungs-Gleichstromübertragung (HGÜ) mit bis zu 800 kV.

Um ineffiziente und damit teure Lastspitzen der Kraftwerke zu vermindern, verlangt der ZVEI, den Endverbraucher in das Effizienzgeflecht einzubeziehen. Smart Metering lautet hier das Schlagwort. Gemeint sind onlinegestützte Abrechnungssysteme, die es ermöglichen, alle Energieverbräuche im Haushalt zeitnah zu erfassen. Die erweiterten Kommunikationsmöglichkeiten zwischen Endverbraucher und Versorgungsunternehmen schaffen die Möglichkeit, mit flexiblen Tarifen, die etwa den Stromeinsatz zu verbrauchsarmen Zeiten belohnen, das Verbraucherverhalten in Richtung auf möglichst hohe Energieeffizienz zu steuern.

Die gewerblichen Energieverbraucher hat die EnBW mit ihren ›Netzwerken Energieeffizienz‹ im Visier. Als drittes Projekt dieser Art ging auf der Hannover Messe das ›Netzwerk Energieeffizienz Weser-Ems‹ an den Start.

NEUES NETZWERK IM NORDEN

Zwölf norddeutsche Industrieunternehmen haben sich dabei unter der Leitung des baden-württembergischen Energiekonzerns zusammengefunden, um gemeinsame Lösungen zur effizienten Energienutzung, Kosteneinsparung und Umweltentlastung zu entwickeln. Dafür erhält jedes Unternehmen zunächst eine Energieeffizienz-Diagnose durch die EnBW. Anschließend werden sich die Firmenvertreter regelmäßig zum Erfahrungsaustausch treffen.

Die am Pilotprojekt beteiligten Unternehmen stammen aus verschiedenen Branchen - von der Lebensmittelherstellung über die Tapetenproduktion bis zur Herstellung von elektronischen Bauteilen. Das Konzept wird laut EnBW bereits erfolgreich in den Regionen Ravensburg und Leipzig umgesetzt.

Unter dem Dach der Hannover Messe fand auch in diesem Jahr der ›World Energy Dialogue‹ statt. Für Professor Klaus Töpfer eine erfolgreiche Sache: »Obwohl das Gemeinschaftsprojekt des BDI und der Deutsche Messe erst zum zweiten Mal stattfindet, hat es sich zu einer festen Größe entwickelt.«

Zu den neuen Programmpunkten gehört die Verleihung des Energy Efficiency Award. Ausrichter ist die Deutsche Energieagentur (dena), unterstützt von E.on, EnBW, RWE und Vattenfall sowie vom Wirtschaftsministerium. Drei Preise im Gesamtwert von 20.000 € erhielten Unternehmen aus völlig unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen für ihre Energiesparprojekte. Ein Kriterium der Preisvergabe ist die schnelle Amortisation der Maßnahmen durch die eingesparte Energie. Die Investition von 50.000 € hat sich beim Sieger-Projekt der Firma Weidmüller bereits nach vier Monaten bezahlt gemacht. Zwei der Preisträger - die Weidmüller Interface GmbH und die Paderborner Brauerei - sind übrigens gleichzeitig Teilnehmer am vorgenannten neuen Energieeffizienz-Netzwerk Weser- Ems der EnBW.

Weidmüller hat die Erweiterung der Galvanikabteilung dazu genutzt, ihre zuvor strombetriebenen Galvanikbäder und Teile der Warmwasserversorgung mit einem Kraft-Wärme-gekoppelten Erdgas- Blockheizkraftwerk zu versorgen. Allein diese Substitution spart jährlich rund 775.000 kWh Strom ein. Durch die Installation einer Wärmerückgewinnungsanlage und die Abwärmenutzung aus Härterei und Kompressorstation konnte das Unternehmen den Brennstoffbedarf für die Raumheizung zusätzlich um rund 70 % reduzieren. Das bedeutet eine Verringerung der jährlichen Energiekosten um etwa 160.000 €.

Udo Kasten

Efficiency AwardDie Preisträger

Den ersten Preis erhielt das Unternehmen Weidmüller für das Energiekonzept seiner Galvanikabteilung. Ebenfalls ausgezeichnet wurde die Paderborner Brauerei Haus Cramer für die energieoptimierte Weiterentwicklung eines Druckluftsystems. Den dritten Preis erhielt die Metro Group für ein Belüftungs- und Heizungskonzept in einem Warenhaus.

Erschienen in Ausgabe: Nr. 06 /2007