Effizientes kommt von oben

CONTRACTING Als erstes Gotteshaus in Nordwestdeutschland wurde die Dreifaltigkeitskirche in Sarstedt vom Energiedienstleister E.on Avacon mit Gas-Infrarot-Heizstrahlern ausgestattet.

27. November 2006

Ruthe ist Diaspora. Eine kleine katholische Gemeinde zwischen Hannover und Hildesheim. Der schlichte, einschiffige Backsteinbau wurde 1896 errichtet und betreut heute rund 350 Seelen. 2004 stand die Sanierung der Warmluftheizung an, da die Abgaswerte nicht mehr den gesetzlichen Vorschriften entsprachen. Die verbrauchsgebundenen Kosten waren ohnehin schon explodiert und blockierten mit rund 3.000 € pro Jahr allein für Erdgas andere Renovierungsmaßnahmen.

Auf diesen Augenblick hatten Hans-Peter Rickes und Anlagenplaner Jürgen Radke schon seit einiger Zeit gewartet. Als Kundenbetreuer und Mitarbeiter im Geschäftskundenvertrieb von E.on Avacon wussten sie um den Zustand der Heizungsanlage in der Dreifaltigkeitskirche und hatten bereits einen Sanierungsplan in der Schublade.

Effektiver sollte es werden in jeder Beziehung: die Seelen gewärmt und nicht das Dachgebälk, zudem der Energiebedarf gesenkt um mindestens 30 %. Dazu müssen lediglich moderne Infrarot-Hellstrahler montiert, an die vorhandene Erdgasversorgung angeschlossen und in Betrieb genommen, ein Contractingvertrag mit der Kirchengemeinde zur Finanzierung der Sanierungsmaßnahme abgeschlossen und der kirchliche Denkmalschutz überzeugt werden.

Ein im Detail durchaus ehrgeiziges Unterfangen. Denn hier gilt es, nicht nur Raumhöhe und Kubikmetern zu trotzen, sondern auch Denkmalschutzbestimmungen einzuhalten und die besondere Atmosphäre eines geweihten Raumes zu berücksichtigen.

„Eine neue Heizung für eine Kirche ist ganz etwas anderes als für ein Einfamilienhaus“, seufzt Kirchenvorstand Reinhard Kellner noch heute, etliche Anträge und Genehmigungsverfahren später. Kellner war für E.on Avacon der direkte Kunde und damit erster Ansprechpartner. Der Kirchenvorstand ist zuständig für Renovierung und laufende Kosten und die drohten durch den Dachstuhl davon zu galoppieren. Denn die in Kirchen üblichen Warmluftheizungen blasen die Wärme unter die hohen Decken und sind nur schwer regelbar. Wenn dann noch die Warmlufterzeuger veraltet sind, ist es höchste Zeit zu handeln.

Deutlich weniger Gaskosten

Hans-Peter Rickes hatte schon kalkuliert: Circa 15.000 € würde eine neue Kessel-Brenner-Einheit kosten. Mit der gleichen Summe könnte man aber auch den kompletten Umbau auf eine Infrarot-Strahlerheizung finanzieren, inklusive aller Leitungen und Steuerungssysteme mit dem zusätzlichen Charme einer Effizienzsteigerung, die bei den Verbrauchkosten eine deutliche Ersparnis bringen würde. Im Klartext: 15.000 € sind ohnehin fällig, aber die Gasrechnung könnte demnächst geringer ausfallen.

Klingt zunächst nicht mehr als nett in den Ohren eines klammen Kirchenvorstandes, der nicht weiß, welches Loch zuerst zu stopfen ist. Woher sollen um Himmels Willen 15.000 € kommen? Dafür ist das Generalvikariat in Hildesheim zuständig und dort wird mit äußerst spitzem Stift gerechnet. Das weiß Kellner. Und Rickes auch.

Hier kann der Energiedienstleister seinem Namen voll und ganz gerecht werden und einen Trumpf aus dem Ärmel ziehen, der immer mehr zum Rettungsanker öffentlich-leerer Kassen wird: Energiecontracting.

Das zuständige Generalvikariat reagierte zunächst skeptisch auf die Verlockungen modernen Finanzmanagements, schließlich will man nicht den Teufel durch den Beelzebub ersetzen. Und dann ist da ja auch noch der Denkmalschutz.

Nichts für Hildesheimer Dom

Norbert Kesseler, Abteilungsleiter für Immobilien im Hildesheimer Generalvikariat, ist gezwungen, pragmatisch zu denken und zu handeln. Die Denkmalpflege des Bistums ist in seine Abteilung integriert. „Wir würden so eine Heizung nicht im Hildesheimer Dom einbauen, aber für Ruthe ist die Strahlerheizung die kostengünstige Lösung“, rechtfertigt der Immobilienverwalter den Einbau.

Schön anzusehen oder gar ästhetisch findet Kesseler die Strahler nach wie vor nicht. Kellner auch nicht. Und Rickes muss zustimmen, weist aber darauf hin, dass die Hersteller den Markt wittern und dabei sind, die Ästhetik der Strahler dem Einsatzzweck anzupassen. Der Markt ist in Bewegung.

2004 hätte die Alternative noch bedeutet, dass Hildesheim die Dreifaltigkeitskirche hätte aufgeben müssen. Das wurde verhindert. Und so tröstet sich Kesseler damit, dass mit den Strahlern nicht in die Bausubstanz eingegriffen wurde und zudem Orgel und Wandmalereien geschont werden. Kirchenvorstand Kellner freut sich bei jedem Gottesdienst, jeder Taufe, jeder Beerdigung, dass die Wärme ohne kostenintensiven Vorlauf und nahezu verlustfrei die Seelen erreicht.

Und Rickes hat sein Modellprojekt, bei dem Energieversorger E.on Avacon als Rundum-Energiedienstleister glänzt. Interessierte Besucher müssen nicht mehr ins Ruhrgebiet oder nach Österreich reisen, um eine Infrarot-Strahlerheizung in einer Kirche zu erleben.

Und Kirchvorstände aus Braunschweig, Hamburg und Flensburg äußerten sich nach dem Besuch in der Dreifaltigkeitskirche angenehm überrascht über ökonomische und ökologische Vorteile, aber vor allem über das wohlige Wärmeempfinden unter Infrarotbestrahlung, die nach dem Prinzip der Sonnenstrahlen funktioniert. Und nicht nur der Himmel weiß, dass das bloße Funktionsdesign der Strahler einer höheren Ästhetik weichen

muss.

Annette Linneweber

Erschienen in Ausgabe: 12/2006