Effizienz? Ja, aber ...

Voriges Jahr hat die Bundesregierung mehrere Millionen Euro in die bundesweite Werbekampagne ‚Deutschland macht es effizient‘ investiert. Das bei der Energieeffizienz noch viel Nachholbedarf besteht, zeigt auch ein Energieeffizienz-Index, den Wissenschaftler der Universität Stuttgart erheben. Der Index ist nun auf den tiefsten Stand seit Beginn seiner Erhebung gesunken.

12. Februar 2018

„Unternehmen investieren weniger in Energieeffizienz und steigern die Energieproduktivität kaum noch, obwohl für sie die Bedeutung der Energieeffizienz nicht gesunken ist“, so das Institut für Energieeffizienz in der Produktion EEP der Universität Stuttgart.

                                                               

Das Institut erhebt seit 2013 halbjährlich aktuelle und geplante Aktivitäten der deutschen Industrie zur Energieeffizienz, heißt es.

 

Der Index wird unter anderem in Zusammenarbeit mit der Deutschen Energie-Agentur, dem Bundesverband der Deutschen Industrie, dem Fraunhofer IPA und dem TÜV Rheinland erstellt.

 

Investitionsindex bricht ein 

 

Die Einschätzung der Bedeutung von Energieeffizienz in den knapp 500 befragten Unternehmen bleibt stabil.

 

Auf den halben Wert im Vergleich zur letzten Erhebung sank der Investitionsindex, also der Anteil von Energieeffizienz-Maßnahmen an den gesamten Investitionen, die Unternehmen tätigen wollen.

 

Am extremsten zeigt die Kurve nach unten, welche die erwartete Steigerung der Energieproduktivität beschreibt. Innerhalb eines halben Jahres sank dieser Wert von 1,74 auf 0,2 ab, so das Institut.

 

Weniger Maßnahmen umgesetzt

 

Obwohl Unternehmen die Bedeutung der Energieeffizienz konstant hoch einschätzen, setzen sie deutlich weniger Energieeffizienz-Maßnahmen um, heißt es.

 

„Der Grund könnte sein, dass einfache Maßnahmen häufig bereits umgesetzt sind und für die schnelle Umsetzung komplexerer Maßnahmen die Ressourcen fehlen“, so Prof. Alexander Sauer, der Leiter des Instituts für Energieeffizienz in der Produktion EEP in Stuttgart.

 

Die aktuelle Hochkonjunktur sowie die politische Unsicherheit im Wahljahr haben nach seinen Worten diese Effekte noch verstärkt.

 

Knapp ein Drittel der befragten Unternehmen – je größer die Unternehmen, desto höher der Anteil – erfasst seine Energieverbräuche systematisch, bei den Großunternehmen ist es fast die Hälfte.

 

45 % der Unternehmen, die Energiedaten speichern, tun dies zur Identifizierung von Energieeffizienz-Potenzialen und entsprechenden Maßnahmen.

 

Kosten für Beleuchtung einsparen 

 

Die bei der Beleuchtung ergriffenen Maßnahmen haben dabei am häufigsten zu den größten relativen Einsparungen geführt.

 

Drei Viertel aller befragten Unternehmen verfolgen einen systematischen Ansatz zur Energieeffizienz-Verbesserung, ein Drittel dieser Gruppe nutzt dabei ein Energiemanagementsystem nach ISO 50001.

 

Nur rund 40 % der kleineren Unternehmen verfolgen einen systematischen Ansatz. Bereits 9 % der befragten Unternehmen gehören einem Energieeffizienz-Netzwerk an.

 

Rund 500 der befragten Unternehmen wünschen sich von der Regierung mehr Anstrengungen in Sachen Energieeffizienz.

 

Immer mehr Unternehmen könnten selbst identifizierte Energieeffizienz-Maßnahmen umsetzen, es fehlen aber die Impulse dies auch zu tun, so das Institut.

 

„Es ist daher weiterhin dringend notwendig, dass die Politik verbleibende Hemmnisse – wie etwa Informationsdefizite oder hohe Bürokratie – abbaut, Unsicherheiten reduziert und die Wirtschaftlichkeit von Energieeffizienz-Maßnahmen wieder erhöht. Gerade kleinere Unternehmen wünschen sich mehr Engagement von der Politik“, so Professor Sauer.

 

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