Eigenerzeugung richtig nutzen

Markt

Abfall - In einigen Entsorgungsbetrieben entspricht die Stromerzeugung dem Bedarf des gesamten Unternehmens. Eine Möglichkeit, um diese optimal für den eigenen Verbrauch nutzbar zu machen, ist das Grünstromprivileg.

16. März 2011

Heute folgt die Strombeschaffung meist folgender Logik: Die eigenerzeugten Mengen werden in das örtliche Verteilnetz eingespeist und der Entsorgungsbetrieb erhält dafür eine Einspeisevergütung. Dabei werden Stromverbraucher auf dem Erzeugungsanlagen-Grundstück bereits aus dem KWK-System versorgt. Zusätzlichen Bedarf beschafft der Betrieb extern. Ebenso wird der Strombedarf für alle anderen Grundstücke zugekauft, auf denen sich Betriebstätten ohne Eigenerzeugung befinden.

Komplexe Prüfung notwendig

Der Preis für extern zu beschaffenden Strom ist aufgrund der in Deutschland anfallenden hohen Abgaben (Stromsteuer, KWK-Zuschlag, EEG-Umlage) deutlich höher als die Vergütung. Für den bezogenen Strom sind durchschnittlich insgesamt rund 14,6ct/kWh netto zu zahlen. Bei kommunalen Eigenbetrieben ergeben sich zusätzliche Aufwendungen durch die nicht abzugsfähige Umsatzsteuer; dann beträgt der Beschaffungspreis rund 17,4ct/kWh.

Diesem Wert steht ein Preis für die Eigenerzeugung von durchschnittlich 7,5ct/kWh ohne Durchleitung durch das örtliche Verteilnetz gegenüber. Einschließlich Netznutzungsentgelt für die Durchleitung ergeben sich 10,ct/kWh. Zusätzlich wird gegebenenfalls die EEG-Umlage fällig.

Für den Eigenverbrauch von Strom aus regenerativen Erzeugungsanlagen fällt keine Stromsteuer an, soweit der Strom auf dem eigenen Grundstück verbraucht oder an andere eigene Grundstücke über eine Leitung, die nicht zum örtlichen Verteilnetz gehört, geliefert wird. Wird Strom über das örtliche Verteilnetz an andere eigene Grundstücke geleitet, so ist neben Netznutzungsentgelten, Konzessionsabgabe und Umlage nach KWKG auch die Stromsteuer fällig. Daher ist die Nutzung eigener Erzeugung grundsätzlich günstiger als der Fremdbezug.

Das ›Grünstromprivileg‹ (§35I EEG) befreit Unternehmen andererseits von der EEG-Umlage, wenn mindestens 50% EEG-Strom geliefert wird. Das trifft häufig auf Entsorgungsbetriebe zu, weil die Stromerzeugung zu großen Teilen mit ›EEG-Anlagen‹ erfolgt. Da ein kommunaler Eigenbetrieb ein Teil einer Kommune und kein eigenständiges Unternehmen ist, muss die Prüfung, ob das Privileg in Anspruch genommen werden kann, für die gesamte Kommune erfolgen und wird damit komplex.

Eigenverbrauch liegt auch vor, wenn der Strom durch das örtliche Verteilnetz zu anderen eigenen Betriebsstätten geschickt wird. Es ist davon auszugehen, dass dieser Eigenverbrauch auch Eigenverbrauch im Sinne des EEG ist und daher grundsätzlich keine EEG-Umlage entrichtet werden muss. Allerdings ist dieser Fall rechtlich bislang nicht geklärt.

Die Bundesregierung möchte das Privileg außerdem begrenzen. Dazu ist geplant, die Einsparung der gesamten EEG-Umlage von 3,53ct/kWh auf eine maximale Einsparung von 2ct/kWh ab 1.1.2012 zu deckeln.

Die Optimierung der Stromerzeugung und der Strombeschaffung ist für jedes Unternehmen einzeln zu bewerten. Grundsätzlich gilt: Verbrauchsanlagen auf einem Grundstück mit einer Erzeugungsanlage sollten ihre Verbrauchsstruktur optimal an die Erzeugungsstruktur anpassen, damit der externe Bezug so gering wie möglich ist.

Auch können angrenzende eigene Grundstücke mit Grundstücken mit Eigenerzeugungsanlagen verbunden werden, um Bezugskosten zu minimieren. Außerdem kann die Durchleitung von eigenerzeugtem Strom unter Inkaufnahme von Netznutzungsentgelten und Stromsteuer deutlich kostengünstiger sein als ein externer Bezug.

Das zeigt auch ein Praxisbeispiel: Ein Entsorgungsbetrieb mit mehreren BHKW-Standorten und über 25 Betriebsstätten (Klär- und Pumpwerke) hatte eine unternehmensweite Projektgruppe gegründet, die zunächst die Planung der Erzeugung und des Verbrauchs anhand der vorliegenden Daten vornahm.

Der Betrieb wählte ein Modell, mit dem zusätzlich das Grünstromprivileg in Anspruch genommen werden kann. Der erzeugte Strom von rund 30Mio.kWh im Jahr wird weitgehend genutzt, um den Jahresverbrauch von circa 31.Mio.kWh zu decken.

Im nächsten Schritt wurde ein externer Dienstleister für das Bilanzkreismanagement (BKM) ausgewählt. Dieser gleicht täglich kurzfristige Ungleichheiten aus.

Während nach dem alten Modell ohne BKM noch externe Zahlungen in Höhe von rund 1,2Mio.€ als Differenz aus Einspeisevergütung und Stromrechnung für ein Jahr erfolgten, liegen diese nun unter 0,8Mio.€. Die Einsparung ist also enorm.

Reinhold Wetjen

Grünstrom

Verbände begrüßen Entscheid zum Privileg

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), der Bundesverband Windenergie (BWE) und der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) haben den Entschluss der Regierung begrüßt, die Deckelung des Grünstrom-Privilegs auf 2012 zu vertagen.

Eine Festlegung auf 2Ct/kWh sei aber verfrüht. Mit der Verschiebung wird berücksichtigt, dass Unternehmen im vorigen Jahr die Grünstrom-Mengen für 2011 beschafft und sich verpflichtet haben, diese auch liefern.

Erschienen in Ausgabe: 02/2011