Von Januar bis Juni 2019 gingen in Deutschland nur 81 WEA mit rund 271 MW ans Netz. Damit ist es das ausbauschwächste Windenergie-Halbjahr seit 1998. Aber heißt das, dass wir Windparks wie vor 20 Jahren betreiben sollen? Zunächst einmal stellt sich die Frage, was eine Betriebsführung light sein soll? Wie light darf es sein? Reden wir von einer Nine-to-five-Leitwarte mit nur rudimentärem Reporting?

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Das wäre schon sehr reduziert. In Zeiten, in denen Betriebsführer immer mehr gesetzliche Auflagen abdecken müssen, wirft das unweigerlich die Frage auf, wer dann die sonstigen Leistungen für einen rechtssicheren und gewinnorientierten Windpark-Betrieb übernimmt. Wer befasst sich zum Beispiel mit den Optimierungsmöglichkeiten eines Windparks? Wer hat die Leistungskennlinie im Blick? Wer kontrolliert die Service-Leistungen?

Wie sieht es mit den Verantwortungen aus, die in den Bereich des Betreibers fallen? Wer hat die Prüffristen im Blick oder erstellt die Gefährdungsbeurteilungen? Wer kümmert sich um die Abarbeitung von Mängellisten? Wer setzt sich mit den genehmigungsrechtlichen Auflagen auseinander? Ist dem Betreiber bewusst, dass, wenn die Anlagenverantwortung nicht fachgerecht delegiert ist, er bei Unfällen persönlich haftet? Oder fallen solche Services einfach weg? Da würden Betreiber sicherlich Kosten einsparen.

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Aber in welchem Verhältnis ständen diese Einsparungen dann zur Performance und den Erträgen des Windparks? Und was passiert eigentlich mit dem Park, wenn die Leitwarte Feierabend hat? Sobald es eine Abschaltung gibt, bleibt er stehen. Und das möglicherweise auch ein ganzes Wochenende. Bei Volllast übersteigen die Ertragsverluste dann schnell die vorigen Kosteneinsparungen. Eine Betriebsführung light allein ist keine Lösung. Werden die sonstigen Leistungen auf mehrere Dienstleister verteilt, ist die Light-Variante im besten Fall ein Nullsummenspiel.

Daher: Sichern Sie sich im Vorfeld über den Leistungsumfang detailliert ab, seien Sie sich als Betreiber der Haftungsfragen bewusst und lassen Sie sich nicht von Angeboten locken, die zwar günstig aber durch Extrarechnungen schnell teuer werden.