Eine Frage noch >Manfred Panitz

Finale

... Mehr Wettbewerb durch Einstieg der Kommunen?

30. November 2009

Der Erwerb der Beteiligungsgesellschaft Thüga durch einen Zusammenschluss von 50 kommunalen Energieversorgern verändert die Verhältnisse auf dem deutschen Energiemarkt. Dies könnte ein Wendepunkt beim stagnierenden Wettbewerb sein. In Anbetracht ihrer Größe bringt die Thüga als fünfter Player den deutschen Energiemarkt in Bewegung. Gemeinsam versorgt das Netzwerk 2,9 Millionen Kunden mit Gas und 3,5 Millionen mit Strom. Der 2,9 Milliarden Euro schwere Deal bietet aus Kundensicht Vorteile. Es entsteht ein weiterer Anbieter am Markt. Die Größe des neuen Verbunds reicht aus, um den Bau eigener Kraftwerke zu finanzieren und sich vor Kaufgelüsten der vier Riesen zu schützen. Zugleich setzen die selbstständigen Stadtwerkegruppen auf Kostenvorteile bei gemeinsamen Diensten wie Abrechnung und Energiebeschaffung.

Eine Schwäche der Thüga bleibt die geringe eigene Stromerzeugung. Die Kraftwerksleistung der beteiligten Stadtwerke von rund 3.000 MW reicht bei Weitem nicht aus, um den eigenen Kundenstamm zu versorgen. Die Gesellschafter werden auch weiter bei den vier großen Versorgern Strom einkaufen und stärker in die eigene Produktion einsteigen müssen.

Der Plan der Kommunen, gerade jetzt den Energiemarkt zurückzuerobern, kommt nicht von ungefähr. In den kommenden zwei Jahren laufen rund 2.000 Konzessionsverträge aus. Diese regeln den Zugang der EVU zum Verbraucher. Sie wurden von den Kommunen in der Vergangenheit vielfach an die privaten Energiekonzerne vergeben. Nun beginnt der Wettstreit um die Neuvergabe.

Wir sehen keinen Grund für übertriebenen Optimismus. Ein wirklicher Umbruch tritt erst dann ein, wenn die Konkurrenz und der Druck auf das Niveau der Energiepreise bei den Kunden ankommen. Als Preisbrecher wird die Thüga kaum auftreten. Dafür hängt der Strompreis nach wie vor zu stark von der Nutzungsgebühr der Netzbetreiber ab. Zudem ist die Zahl der Spieler im Markt noch immer äußerst gering.

Erschienen in Ausgabe: 11-12/2009