Eine Frage noch > Thomas Seltmann…

… Wird der Brennstoff Uran knapp?

02. September 2007

Er ist bereits knapp. Vielleicht müssen im Jahr 2013 sogar die ersten Reaktoren aus Brennstoffmangel abgeschaltet werden. Nur 60 Prozent des derzeit für Atomkraftwerke benötigten Urans wird bergmännisch gewonnen. Die fehlenden 40 Prozent kommen aus Lagerbeständen, insbesondere dem Rückbau russischer Atomsprengköpfe. Die Lieferverträge laufen jedoch in sechs Jahren aus und Russland hat bereits angekündigt, die Verträge nicht über das Jahr 2013 hinaus zu verlängern.

Um allein den Bedarf der bestehenden Kraftwerke zu decken, müsste die weltweite Förderkapazität also kurzfristig um mehr als die Hälfte gesteigert werden. Tatsächlich ist die Uranförderung aber im Jahr 2006 sogar um fünf Prozent gesunken. Die günstigsten Vorkommen gehen zur Neige. Nun müssen vor allem Minen mit schlechterem Erzgehalt aufwendig erschlossen werden. Das Beispiel Cigar Lake in Kanada illustriert die Probleme: Im weltweit größten Minenprojekt und einzigen mit guter Erzqualität sollte 2007 der Erzabbau beginnen. Doch Wassereinbrüche überfluteten im Oktober 2006 die Mine vollständig. Ob der Erzabbau wie geplant 2010 beginnen kann, halten Beobachter für fraglich.

Verzögerungen und sinkende Lagerbestände führten zum sprunghaften Anstieg des Uranpreises auf bis zu 136 US-$ (je British Pound lb Uranoxid), gegenüber einem Preis von 7 US-$ im Jahr 2000. Der Preis hatte sich also in nur sieben Jahren fast verzwanzigfacht. Auch die Strompreise werden deshalb steigen. Früher galt, dass der Uranpreis keine Auswirkung auf den Strompreis hat. Nun wird auch Uran für die Kraftwerksbetreiber zum Kostenfaktor wie Öl, Gas und Kohle. Wir von der Energy Watch Group haben errechnet, dass sich 136 US-$ Uranpreis bereits mit 0,67 ct Mehrkosten je Kilowattstunde niederschlagen. Mit jeder weiteren Steigerung um 100 US-$ kommen weitere 0,5 Eurocent hinzu. Laufzeitverlängerungen und Neubauten von Atomkraftwerken würden die Situation verschärfen.

Thomas Seltmann, Projektmanager bei der Energy Watch Group, einem Projekt der Ludwig Bölkow Stiftung

Erschienen in Ausgabe: 09/2007