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Menschen

»Eine neue Autobahn«

Die intelligenten Messsysteme bieten viele Möglichkeiten, ist Paul-Vincent Abs von E.on Metering überzeugt. Der Geschäftsführer über den Rollout und die Digitalisierung.

06. September 2018

Als wir uns 2016 auf der E-world getroffen haben, herrschte Aufbruchsstimmung beim Thema Smart Metering. Haben Sie damit gerechnet, dass wir jetzt, Mitte 2018, mit dem Rollout der intelligenten Messsysteme noch nicht begonnen haben?

Persönlich habe ich sehr gehofft, dass wir schon im Rollout sind. Aber in der Tat, wir haben jetzt eine Verzögerung um zweieinhalb Jahre und wissen immer noch nicht, wann der Rollout tatsächlich beginnt. Es fehlen weiterhin die zertifizierten Geräte. Ich hätte nicht gedacht, dass dieser Prozess so lange dauert. Allerdings hat uns das die Gelegenheit gegeben, uns noch besser vorzubereiten, auch von den Prozessen und der Technologie. Zudem konnten wir uns weitere Gedanken über Mehrwert-Services machen.

Wichtig ist, dass jetzt auch der Wille von allen Beteiligten da sein muss, das Thema voranzubringen. Wenn alternative Lösungen schon auf dem Markt sind, die der Kunde dann nutzt – seien es Verbindungen zur Heizung, seien es Verbindungen zu IoT-Boxen – dann verliert das intelligente Messsystem die Möglichkeiten, die es hat. Nämlich tatsächlich Mehrwerte anzubieten, zu steuern oder andere Funktionalitäten im Rahmen der Energiewende zu übernehmen. Wir hoffen jedenfalls, dass die Technologie bald kommt. Wir können nicht noch zwei, drei Jahre warten.

Wir brauchen drei vom BSI zertifizierte Smart Meter Gateways, damit es losgehen kann. Momentan laufen die Lebenszyklustests, die ALC-Tests, auch bei Ihnen. Werden wir damit etwas schneller vorankommen?

Die Kernfrage ist, wann geht es tatsächlich los? Für uns ist das ein Zeichen. Wir haben jetzt Geräte zur Verfügung, denen im Grunde genommen nur noch das BSI-Zertifikat fehlt. Wir können diese Geräte bereits in die Echt-Umgebung einbauen und unter Realbedingungen testen. Das deutet für uns darauf hin, dass zumindest ein oder zwei Hersteller in den nächsten ein bis drei Monaten das Zertifikat erhalten müssten.

Ich weiß, dass vor allem das Thema sichere Lieferkette für das BSI noch eine große Diskussion ist. Ich drücke den Herstellern die Daumen, dass dies auch bald gelöst sein wird. In Verbindung mit den ALC-Tests ist meine Hoffnung, dass bis Ende Q3 ein oder zwei Hersteller das Zertifikat haben, sodass wettbewerbliche Messstellenbetreiber starten können. Und, dass vielleicht gegen Ende dieses Jahres, vielleicht Anfang nächsten Jahres auch die Markterklärung erfolgen kann, wenn drei zertifizierte Gateways verfügbar sind.

Anfang des Jahres hat E.on 16.000 Smart Meter Gateways bestellt. Das soll ja nur der Beginn sein, Sie brauchen für den Rollout noch wesentlich mehr. Warum haben Sie sich bei der Kommunikation der ersten Geräte für LTE entschieden?

Für uns ist LTE im Moment die funktionierende Basistechnologie. Sie erreichen damit cirka 70 Prozent der Kunden. Aber Sie müssen auch die anderen 30 Prozent erreichen. Hier setzen wir auf die PLC-Technologie. Diese muss aufgebaut werden, auch in unserem eigenen Netzgebiet. Außerdem wollen wir als E.on nicht nur in unseren eigenen Netzgebieten intelligente Messsysteme ausrollen, sondern wir wollen als wettbewerblicher Messstellenbetreiber auch deutschlandweit tätig werden.

VITA: Paul-Vincent Abs

Seit 2016 Geschäftsführer der E.on Metering, parallel seit 2017 Geschäftsführer der E.kundenservice Netz.

Der Ökonom ist seit 2000 in verschiedenen leitenden Positionen in der Energiebranche tätig, davon 16 Jahre bei E.on.

Außerhalb der E.on-Netzgebiete gibt es im Moment für uns als wettbewerblichen Messstellenbetreiber tatsächlich nur LTE als Möglichkeit. Wir müssen warten, bis der lokale Netzbetreiber die PLC-Technologie ausrollt und wir diese dann gegen Entgelt nutzen können. Wir arbeiten an weiteren Ideen, wie man das Kommunikationsthema lösen könnte.

Sie haben in einem Interview gesagt, es geht nicht um Basisdienste, sondern um eine funktionierende Infrastruktur, auf der man neue Geschäftsmodelle und Mehrwerte anbieten kann. Aus welchen Gründen ist das wichtig?

Ich denke, der Gesetzgeber hat einen guten Rahmen geschaffen. Er hat uns mit dem Gesetz die Möglichkeit gegeben, eine neue Technologie auszurollen. Ich hätte mir nur einen Gesamtrollout gewünscht.

Nur, weil es nicht verpflichtend ist, heißt das ja nicht, dass Sie unterhalb von 6.000 kWh Verbrauch ihre intelligenten Messsysteme nicht an den Kunden bringen können.

Natürlich. Das denke ich, wird auch passieren. Die Wohnungswirtschaft wird sicher versuchen, gesamte Wohnkomplexe oder Wohngebäudekomplexe in einem auszurüsten. Aber insgesamt wäre es schön gewesen, wenn wir eine neue Infrastruktur schaffen, die alle Bereiche, alle Kunden umfasst. Wir reden über Digitalisierung. Digitalisierung bedeutet, dass Sie 100 Prozent der Kunden digitalisieren. Und dafür hat die moderne Messeinrichtung keinen Mehrwert – es ist im Endeffekt nur ein Zähler, der im Keller hängt und an dem ich sehen kann, wie hoch mein Stromverbrauch ist.

Das Gateway ist wie eine neue Autobahn, die über Deutschland hinweg ausgebaut wird. Die Aufgabe der Energiewirtschaft muss sein, auf diesem Gateway mehrere neue Funktionalitäten zu realisieren. Ein Beispiel ist Mehrspartenfähigkeit. Gleichzeitig wäre für mich wünschenswert, dass wir über das Gateway die Heizung anbinden, die Wallbox, die PV-Anlage, um das Gateway wirklich zum Enabler für die Energiewende zu machen. Ein weiterer Punkt ist, dass neue Intelligenzen und Mehrwert für den Kunden entstehen, etwa durch das Thema Disaggregation.

Sollte man sich als Stadtwerk mit Mehrwerten heute schon beschäftigen?

Es ist wichtig, dass die Stadtwerke sich damit beschäftigen. Wir bieten den Stadtwerken als Dienstleister an, für sie Teile der Produktentwicklung mitzumachen. Was wir unseren E.on-Kunden anbieten, können auch unsere Stadtwerkepartner als White-Label-Lösung erhalten. mwi

Erschienen in Ausgabe: Nr. 06 /2018

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