Elektronischer Weg vorgezeichnet

VDEW/EDNA-Fachtagung ‚util:IT‘ in Erfurt

Mehr als 140 Experten aus der Energiewirtschaft, von Unternehmensberatungen und IT-Anbietern, trafen sich im November 2004. Das Fazit: Es wird künftig unumgänglich sein, auch im Energiemarkt die Kommunikation auf elektronischem Wege abzuwickeln.

21. April 2005

Zum Motor für die weitergehende Automatisierung der Kommunikationsprozesse dürfte sich binnen kurzer Zeit die Regulierungsbehörde etablieren. Denn die Kommunikation mit der neuen Behörde wird in jedem Falle IT-basiert erfolgen. Und auch bei der Kommunikation der Marktteilnehmer untereinander setzt diese eindeutig auf den elektronischen Datenaustausch. Das betonte Jörg Meyenborg, der sich als Referent Energieregulierung in der RegTP mit dem Thema Informationstechnologie befaßt, in seinem Eröffnungsvortrag. Dabei begrüßte er ausdrücklich die Bemühungen der EDNA-Initiative, hier für eine marktübergreifende Interoperabilität der IT-Lösungen zu sorgen. „Man sollte besser miteinander reden, als übereinander. Und wir werden den Standards, die von allen Marktteilnehmern umgesetzt werden, sicher nicht im Wege stehen“, sagte er. Deutlich wurde auch, daß die Regulierungsbehörde erst am Anfang ihrer Bemühungen steht. Offen blieb beispielsweise die Frage, welche Modelle sich für die IT-technische Umsetzung der Anforderungen des Unbundling eignen - eine Frage, die derzeit in vielen Unternehmen der Energiewirtschaft heftig diskutiert wird.

„Im derzeitigen Stadium wird die RegTP keinerlei Aussagen machen, was die Einhaltung der Unbundling-Vorschriften durch einzelne IT-Lösungskonzepte angeht“, so die knappe Antwort Meyenborgs auf diese Diskussion. Dabei hatte er durchaus Verständnis für die Dringlichkeit einer klärenden Antwort, ließ aber offen, wann die Regulierungsbehörde diese Antwort geben kann. Diese werde zum gegebenen Zeitpunkt den Dialog mit den Netzbetreibern suchen und Datenformatlösungen vorgeben, die nicht an der Praxis und am Markt vorbeigingen. Daß es beim Thema ‚Elektronischer Datenaustausch‘ im Energiemarkt noch an vielen Ecken klemmt, machten die weiteren Referate deutlich. Nachholbedarf in Sachen Sicherheit und Verbindlichkeit erkannte Andreas Mitzkus von T-Systems in seinem Vortrag. Bei einem Aufkommen von insgesamt 2,5 Mrd. Nachrichten pro Jahr sei es höchste Zeit, die Ergebnisse der VDEW-Arbeitsgruppe ‚Sicherheit im elektronischen Datenaustausch‘ umzusetzen.

Viele Unternehmen haben bereits begonnen, sich auf das elektronische Zeitalter im liberalisierten Markt vorzubereiten. So berichtete beispielsweise Torsten Dorn von den Technischen Werken Friedrichshafen, wie die elektronische Abwicklung des Zählerdatenmanagements und des Lieferantenwechsels heute diese komplexen Prozesse sehr viel besser im Griff haben als vor der Umstellung.

Er machte deutlich, dass es hier nicht nur um den Daten-Versand geht, sondern um den Daten-Austausch. Deswegen lobte er die Effekte des EDNA-Qualitätssiegels und das Zertifizierungsverfahren mittels der EDNA-Testmaschine. Denn diese prüft tatsächlich, ob alle Prozeßschritte korrekt abgewickelt werden. So mußten für das neue Qualitätssiegel für den MSCONS-basierten Verbrauchsdatenaustausch, das erstmals auf der diesjährigen util:IT verliehen wurde, mehr als 600 Einzelszenarien durchlaufen werden. „Hier zeigt sich der Nutzen dieser Testmaschine. Denn es wäre für viele Unternehmen wenig wirtschaftlich, sich ein solches Testszenario nur für die eigene Software aufzubauen. Und es wäre in dieser Qualität für ein einzelnes Unternehmen auch kaum möglich, denn in der EDNATestmaschine werden die Erfahrungen ganz unterschiedlicher Hersteller zusammengeführt“, betonte Dr. Franz Hein, Koordinator der EDNA-Initiative. „Das Beispiel MSCONS hat aber auch gezeigt, wie wichtig es ist, gegen eine Referenzanlage testen zu können. Denn obwohl MSCONS jetzt bereits seit rund fünf Jahren im praktischen Einsatz ist, hat sich bei den Tests gezeigt, daß dieser Standard immer noch nicht absolut eindeutig definiert ist“, so Dr. Hein. Die Ergebnisse und offenen Punkte seien deswegen bereits an den VDEW übermittelt worden, der zugesichert hätte, die Definitionen zu prüfen und ggf. anzupassen. Ohne Refernzanlage und Prüfung sei die nötige Interoperabilität nicht zu gewährleisten.

Erschienen in Ausgabe: 01/2005