»Energetische Zeitenwende in der Industrie vorantreiben«

Interview

Contracting - Der Geschäftsführer von Spie Energy Solutions Peter Antic über neue Strukturen, Chancen und Strategien der ehemaligen Hochtief-Unternehmen im Spie-Konzern und die Rolle von Contracting für die Energiewende.

30. Januar 2014

Der Spie-Konzern, in dem die deutsche Spie GmbH eine bedeutende Rolle einnimmt, bietet die perfekte Struktur, um unser Geschäft gemeinsam mit unseren Kunden erfolgreich weiterzuentwickeln. Mit 30.200 Mitarbeitern an über 500 Standorten in 31 Ländern erwirtschaftete Spie 2012 in seinen vier strategischen Geschäftsbereichen ›Energy‹ mit einem Anteil von 26 Prozent, ›e-fficient building‹ 32 Prozent, ›Smart city‹ mit 25 Prozent und ›Industry services‹ 17 Prozent einen Umsatz von 4,217 Milliarden Euro. Damit gehört der französische Konzern zu den größten technischen Dienstleistern in Europa.

Was hat sich mit der Übernahme noch geändert?

Aufbauend auf unserer vorhandenen, flächendeckenden Struktur in Deutschland sind wir mit Spie nun in allen europäischen Schlüsselmärkten vertreten. Das bedeutet für viele unserer europaweit agierenden Kunden: Unsere Lösungen für mehr Energieeffizienz sind jetzt geografisch deutlich breiter aufgestellt. Außerdem bietet kaum ein anderes Unternehmen eine so sinnvoll vernetzte Kombination aus Facility- und Energy-Management-Lösungen wie wir. Da wir energieeffiziente Lösungen mit nachhaltigem, technischen Betrieb sowie hoher Eigenleistungstiefe und Ingenieurskompetenz intelligent verbinden, entsteht für unsere Kunden ein deutlicher Mehrwert gegenüber anderen Anbietern.

Was ist für die Zukunft geplant?

Die Spie GmbH ist für das wachsende Geschäft mit Energy- und Facility-Management-Lösungen in Deutschland, dem deutschsprachigen Ausland sowie in Osteuropa verantwortlich. Hier werden wir neben dem deutschen Heimatmarkt, der Schweiz und Österreich, vor allem in Polen, Ungarn und Tschechien stark wachsen.

Die Zeichen in Ihrem Unternehmen stehen also klar auf Expansionskurs ...

Ja, und das wird durch unsere französische Muttergesellschaft nachhaltig unterstützt. Das bedeutet, wir werden vor allem in den Bereichen Kälte- und Klimatechnik sowie Mess-, Steuer- und Regelungstechnik durch passgenaue Akquisitionen unser Know-how ausbauen und so unsere Position vor allem bei modernen Industriedienstleistungen weiter stärken. Dies treibt auch die Entwicklung und Einführung neuer, innovativer Produkte voran, die den Mehrwert unserer besonderen Kombination aus Facility- und Energy-Management unterstreichen. Zudem bietet auch die Energiewende für uns neue Chancen, die wir jetzt als Spie GmbH besser erschließen können als es in der Vergangenheit der Fall war.

Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen für den Contracting-Markt?

Deutschland setzt ganz klar auf die Energiewende. Doch die gibt es nicht zum Nulltarif und auch nicht kurzfristig, wenn sie nachhaltig wirken soll. Dem Contracting kommt daher eine wachsende Bedeutung zu. Zum einen können Unternehmen so ihre Energiekosten schnell sowie nachhaltig optimieren, zum anderen reduziert dieses Mehr an Effizienz nachhaltig den Ausstoß von CO2 und ist somit umweltpolitisch ebenfalls der richtige Ansatz. Eine Herausforderung sehe ich derzeit in einem noch nicht vorhandenen politischen Masterplan für die Energiewende. Dadurch sind viele Unternehmen in einer unbefriedigenden Wartestellung, um ihrerseits gesicherte, langfristige Strategien für ihr Energiemanagement umzusetzen. Hier schläft ein Markt für Unternehmen wie uns, der von der Politik wachgeküsst werden muss.

Welche Erwartungen haben Sie an die neue Regierung?

Es muss schnell eine Agenda Energiewende geben. Das bedeutet, die deutsche Wirtschaft braucht eine gesicherte Basis bestehend aus verlässlichen Zeitplänen, einem klaren regulatorischen Umfeld sowie Kostensicherheit. Erst dann setzt sich ein Uhrwerk in Gang, das präzise die energetische Zeitenwende in der Industrie und dem öffentlichen Sektor vorantreiben wird. Die anfängliche Aufbruchsstimmung weicht leider derzeit einem Stillstand, der dringend beendet werden muss, denn: Die Energiewende kann und sollte zum Wachstumsmotor unserer Wirtschaft werden.

Erschienen in Ausgabe: 01/2014