Energie nur gegen Vorkasse

Neues Konzept zur Verbrauchsabrechnung

Wenn der Stromkunde nicht zahlt, sind schnell größere Beträge aufgelaufen - es bleibt häufig nur die Abschaltung. Ein alternativer Weg ist es, diesen Kunden Strom gegen Vorkasse zu liefern. Beim System Enerlytor lädt der Kunde Guthaben auf eine Chipkarte auf und erhält so lange Energie, bis dieses verbraucht ist.

24. August 2004

Das chipkartengesteuerte Vorkassesystem ist bereits für Trinkwasser erfolgreich seit 2002 auf dem Markt. Es ist ein mit den Münzzählern vergleichbares Zahlungssystem, das insbesondere die in den gesetzlichen Vorgaben (wie der PTB-A 50.7) aufgeführten Merkmale der Transparenz für den Endkunden erfüllt.

Die Variante für die Stromlieferung an Haushaltskunden besteht aus der vormontierten Mess- und Absperreinrichtung, die anstelle des Zählers in den Standardzählerplatz eingebaut wird, und einer über ein Datenkabel angeschlossenen Steuereinheit, die außerhalb des Zählerschrankes im Hausanschlussraum platziert wird.

Bei der Messeinrichtung handelt es sich um einen geeichten, elektronischen Drehstromzähler, der über eine rückwirkungsfreie M-Busschnittstelle die Verbrauchsdaten an die Steuereinheit liefert. Diese wird vom Abnehmer mittels einer Chipkarte, die er gegen Vorkasse von seinem Versorger erhält, mit einem Medienguthaben aufgeladen. Entsprechend den vom Abnehmer verbrauchten Medieneinheiten wird dann fortlaufend dieser Guthabenbestand verringert. Wenn der Abnehmer eine kontinuierliche Stromversorgung wünscht, muss er dafür Sorge tragen, dass durch regelmäßiges Aufladen stets ein Guthaben vorhanden ist.

Alternativ ist auch eine Übermittlung der Daten für die Guthaben-Chipkarte per E-Mail möglich. Diese Daten kann der Kunde dann selbst an seinem heimischen PC auf eine wiederverwendbare Chipkarte schreiben. Ist das Guthaben und ein eventuell eingeräumter Kreditbetrag verbraucht, schaltet das System die gesamte Versorgung des Haushaltes ab. Wird wieder ein Guthaben nachgeladen, erfolgt eine sofortige Freigabe der Energielieferung.

Alle Karteninhalte sind kryptografisch verschlüsselt

Durch plombierte Gehäuse und eine Verschlüsselung der Kommunikation der Systemkomponenten sowie durch die Protokollierung der regelmäßigen Verbindungsaufnahme wird eine hohe Manipulationssicherheit erreicht, betont der Hersteller. Ein weiterer Vorteil der Kommunikation über den MBus liegt in der digitalen Übertragung der Zählerstände und anderer Werte. Ein Verlieren von einzelnen Verbrauchssignalen ist so nicht möglich.

Das Chipkartensystem für den Betrieb des Vorkassesystems Enerlytor besteht aus Guthabenkarten für die Aufladung und aus Servicekarten für technische Funktionen, wie die Ausgabe der gespeicherten Betriebsprotokolle auf eine Chipkarte zur Auswertung. Alle Chipkarten werden mit der Software Enerbase erstellt, die auch die Kundendatenbank verwaltet.

Alle Chipkarteninhalte sind dabei mit einem modernen kryptografischen Verfahren verschlüsselt. Dieses Verfahren basiert auf individuellen Schlüsseln für jedes einzelne Vorkassesystem. Damit ist sichergestellt, dass Chipkarten nur von dem System akzeptiert werden, für das sie erstellt wurden. So ist auch ein Postversand der Guthabenkarten möglich, eventuell verloren gegangene Karten können leicht durch Kopien ersetzt werden, welche die Originalkarten gleichzeitig entwerten.

Die Software Enerbase kann vom Versorger erworben und durch geschultes Personal im Kundenzentrum bedient werden. Alternativ ist es möglich, die Chipkarten von einem Dienstleister erstellen zu lassen, der die komplette Datenhaltung übernimmt. So kann ein Versorger sogar kostengünstig einen eigenen Probebetrieb mit wenigen Vorkassesystemen fahren, da er keine komplexe Infrastruktur aufbauen muss.

Erschienen in Ausgabe: 09/2004