Energieaudit künftig Pflicht statt Kür

Management

Energiemanagement - Vielen Investitionen in Energieeffizienz unterbleiben, weil die Unternehmen sich keine Zeit für das Thema nehmen. Jetzt werden sie dazu gezwungen. Im Dezember tritt das neue Energiedienstleistungsgesetz in Kraft.

31. August 2015

Es zielt darauf ab, den Energieeinsatz in Unternehmen zu senken und damit das erklärte nationale Einsparziel von 20% bis 2020 zu erreichen. »Mit dem neuen Gesetz wurden die Verpflichtungen zum Energiesparen wesentlich verschärft und auf eine größere Anzahl an Unternehmen ausgeweitet«, sagt Sandro Pautz, bei Verbundnetz Gas (VNG) in Leipzig für technische Dienstleistungen zuständig. Die Fachberater der VNG-Gruppe stellen ihre Kompetenzen für Industrie und Gewerbe, Wohnungsgesellschaften und Haushalte zur Verfügung.

audit oder enms

Die Regelungen gelten für sogenannte Nicht-KMU. Das sind Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern, einem Jahresumsatz größer 50 Mio. € oder einer Bilanzsumme größer 43 Mio €. Das Gesetz fordert ab diesem Jahr alle vier Jahre ein Energieaudit nach DIN 16247-1; das ist eine systematische Untersuchung des Energieeinsatzes und Energieverbrauchs. Stichtag für das erstmalige Audit ist der 5. Dezember 2015. Bei Versäumnissen drohen Geldstrafen bis zu einer Höhe von 50.000 €. Vollzugsbehörde ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA).

Alternativ können die Unternehmen laut Pautz auch ein Energiemanagementsystem nach ISO 50001 oder ein freiwilliges Umweltmanagement und die Umweltbetriebsprüfung umsetzen nach EMAS III. Laut der Energieagentur Rheinland-Pfalz müssen allein in dem südwestlichen Bundesland rund 700 Unternehmen bis Dezember erstmals ein Audit in Energiefragen durchlaufen. Bundesweit sind schätzungsweise mehrere Tausend Firmen von der Neuregelung betroffen.

Genaues Ausmaß unklar

Die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF) schätzt, dass in Deutschland mindestens 50.000 Firmen und Betriebe von den Neuregelungen betroffen sind. Genaue Zahlen gibt es nicht.

Die Initiative hat im Frühjahr einen Praxisleitfaden veröffentlicht, der die Neuregelungen detailliert dokumentiert. Unternehmen können so schnell herausfinden, ob sie betroffen sind und welche Schritte nötig sind, um fristgerecht den gesetzlichen Vorgaben nachzukommen. Die Verpflichtung, ein Energieaudit nach DIN 16247-1 durchzuführen, gilt für alle Unternehmen die keine KMU sind, unabhängig von Energieverbrauch, Prozess oder Mitarbeiterzahl. Unternehmen werden ab 25% kommunaler Beteiligung als Nicht-KMU betrachtet (Ausnahme: Hoheitsbetriebe im Sinne des § 4 KStG). Bei Partnerunternehmen ab 25% und bis 50% Beteiligung oder verbundenen Unternehmen mit mehr als 50% Beteiligung sind detaillierte Berechnungen zur Bestimmung des Status erforderlich.

Momentaufnahme der Stoffströme

»Ein Energieaudit ist gleichbedeutend mit einer Momentaufnahme der energetischen Situation in einem Unternehmen mit allen relevanten Energie- und Stoffströmen sowie Prozesse«, sagt Pautz.

Es ist zugleich eine systematische Inspektion und Analyse des Energieeinsatzes einer Anlage oder Organisation mit dem Ziel, die Energieeffizienzpotenziale zu identifizieren und zu dokumentieren.

Im Rahmen eines Energieaudits muss der Energieauditor Möglichkeiten zur Verbesserung der Energieeffizienz identifizieren und bewerten. In einem Bericht legt er eine Rangfolge der Maßnahmen nach vorher vereinbarten Kriterien fest und schlägt ein Umsetzungsprogramm vor.

Das Energieaudit enthält also bereits konkrete Umsetzungshinweise, eine Maßnahmen-Priorisierung nach ökonomischen Kriterien, einen Vergleich zwischen alternativen Maßnahmen sowie Hinweise zu technischen Wechselwirkungen zwischen mehreren Maßnahmen. Energieaudits sind eine Sache. Die Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen eine andere. Die DENEFF rät in ihrem Leitfaden dazu, den Bericht des Auditors auch tatsächlich umzusetzen: »Zwar wird im Rahmen der Vorschriften des EDL-G keine Umsetzung der im Audit identifizieren Maßnahmen verlangt, jedoch bringt nur die Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen auch die angestrebte Energiekostenentlastung und sorgt dafür, dass sich der Aufwand auszahlt.«

Stichproben zu erwarten

Zudem müssen Unternehmen mit Stichproben des BAFA rechnen. Laut DENEFF-Leitfaden gilt das für rund 20% der Unternehmen. »Je nach energetischer Anlage und Bereich können aus Erfahrungen heraus zwei bis fünf Prozent des Energieverbrauchs allein durch Handlungsumstellungen reduziert werden«, sagt Sandro Pautz. Wer in Energieeffizienz investiert, kann hinterher sogar 10 bis 20% Energiekosten einsparen. (hd)

Energieaudit

Das Energieaudit muss den Anforderungen der DIN EN 16247-1 entsprechen. Nicht einbezogen werden müssen die Teile 2 bis 5 der DIN EN 16247. Darüber hinaus werden im Gesetz und im Merkblatt des BAFA weitergehende Anforderungen an das Audit definiert:

- Das Audit muss auf aktuellen, kontinuierlich oder zeitweise gemessenen, belegbaren Betriebsdaten zum Energieverbrauch und zu den Lastprofilen basieren.

- Das Audit muss eine eingehende Prüfung des Energieverbrauchsprofils von Gebäuden oder Gebäudegruppen und Betriebsabläufen oder Anlagen in der Industrie einschließlich des Transports einschließen.

- Die Wirtschaftlichkeitsberechnungen sollten nach Möglichkeit auf einer Lebenszykluskosten-Analyse basieren.

- Auch sollte das Energieaudit verhältnismäßig und so repräsentativ sein, dass sich ein zuverlässiges Bild der Gesamtenergieeffizienz ergibt und sich die wichtigsten Verbesserungsmöglichkeiten zuverlässig ermitteln lassen. (Quelle: DENEFF-Praxisleitfaden)

Erschienen in Ausgabe: 07/2015