Energieberatung neu strukturiert

Das Bundeswirtschaftsministerium weitet die Förderungen für die Energieberatung für Wohngebäude und mittelständische Unternehmen aus. Ab dem 1. Dezember können die Förderungen für „Energieberatung für Wohngebäude“ und „Energieberatung im Mittelstand“ von allen Handwerksbetrieben oder Energieversorgern mit entsprechender Qualifikation beantragt werden.

13. November 2017

„Wir stellen die Energieberatung auf eine breitere Basis und bringen sie näher zum Verbraucher. Dafür ist eine sehr viel größere Zahl an qualifizierten Energieberatern notwendig, die über direkte Kundenkontakte verfügen und beim Verbraucher das Interesse an einer Energieberatung wecken können", so Thorsten Herdan, Abteilungsleiter Energiepolitik – Wärme und Effizienz im BMWi.

„Eine qualifizierte Beratung bildet nach unserer Erfahrung eine wichtige Grundlage für energieeffiziente Gebäudesanierungen und die Wärmeversorgung mit erneuerbaren Energien und trägt dazu bei, dass die Energie- und Klimaziele erreicht werden können.“

Mit einer Öffnung der Förderung für Energieberater ermögliche man mehr qualifizerten Fachleuten, den Weg in die staatlich bezuschusste Energieberatung einzuschlagen, wie das BMWi weiter mitteilt.

Anforderung an Qualität bleibt erhalten

Eine Energieberatung und die energetische Sanierung dürften fortan zudem vom selben Handwerks- oder Baubetrieb geleistet werden, sollten Kunden dies wünschen.

Zuvor war das nicht möglich, lediglich ihrer beruflichen Tätigkeit nach unabhängige Energieberater ohne wirtschaftliches Eigeninteresse wie Architekten, Ingenieure oder Handwerker ohne eigenen Betrieb konnten einen Antrag auf staatlichen Zuschuss stellen.

Die Anforderungen an die Qualität einer objektiven und neutralen Energieberatung bleiben mit der Ausweitung des Angebots an förderfähigen Energieberatern erhalten: Der Berater muss wie bisher eine Grundqualifikation, etwa Ingenieur oder Handwerksmeister, und eine Weiterbildung zum Energieberater nachweisen. Die Beratungsberichte müssen umfassend sein und werden stichprobenweise geprüft, so das BMWi.

Zwei Beratungsarten

Für eine „Energieberatung für Wohngebäude“, wie die bisherige Vor-Ort-Beratung ab dem 1. Dezember 2017 heißen wird, übernimmt das BMWi 60 Prozent der förderfähigen Kosten, maximal 800 Euro für Ein- und Zweifamilienhäuser und 1.100 Euro für Mehrfamilienhäuser.

Bei der „Energieberatung im Mittelstand“ gibt das BMWi bis zu 80 Prozent Zuschuss zu den Beratungskosten, die exakte Höhe hängt von den Energiekosten des Unternehmens ab. Die ebenfalls vom BMWi geförderte Energieberatung durch die Verbraucherzentralen ist von der Neuregelung nicht betroffen.

Reaktion des VKU

Auch Stadtwerke können mit der neune Regelung in Zukunft an ausgewählten Förderprogrammen für Energieeffizienzberatung partizipieren. Bisher war kommunalen Energieunternehmen der Zugang verwehrt.

„Stadtwerke verfügen über weitreichende Kompetenzen in der Energieberatung. Für ihre Kunden sind sie hoch qualifizierte Ansprechpartner, wenn es darum geht, Energieeffizienzpotenziale zu heben. Daher ist es richtig, dass sie sich zukünftig noch stärker in diesem Bereich einbringen können", so VKU-Hauptgeschäftsführerin Katherina Reiche.

„Der Ausschluss von den Förderprogrammen war ein klarer Wettbewerbsnachteil. Mit dem Zugang zu den Programmen hat das Bundeswirtschaftsministerium die Spielregeln an die Marktbedingungen angepasst. Nun können kommunale und private Unternehmen gleichberechtigt im Wettbewerb die besten Strategien und Produkte für Energieeffizienz entwickeln.”

Reiche: Richtiger Schritt

Der Zugang zu den Programmen werde zudem Einfluss auf die Erreichung der von der Europäischen Union vorgegebenen deutschen Energieeffizienzvorgaben haben, so der VKU.

Es würden nur Einsparungen gezählt, die im Rahmen von Programmen gefördert werden. „Damit wurden große Potenziale für mehr Energieeffizienz verschenkt“, so Reiche.

„Die europäischen Energieeffizienzziele sind sehr ambitioniert. Diese werden nur erreicht, wenn alle relevanten Akteure daran mitwirken können und ihre Leistungen in die Bestandsaufnahmen miteinzahlen. Die Öffnung der Förderprogramme ist ein richtiger Schritt.

Interessierte finden die vom BAFA zugelassenen, antragsberechtigten Energieberater z.B. in der Energieeffizienz-Expertenliste für Förderprogramme des Bundes unter: