Energiedatenmanagement bei der Deutschen Bahn

DB Energie nutzt eccplus für CRM und Energiedatenmanagement

Mit zigtausend Energiekunden und gut 15 TWh Stromumsatz pro Jahr gehört die DB Energie zu Deutschlands größten Energieversorgern. Das Unternehmen nutzt für Energiedatenmanagement und -vertrieb sowie Kundenbetreuung eine Software von eccplus.

08. April 2003

München-Pasing um halb sieben: Im Bahnhof herrscht die gewohnte morgendliche Hektik. In der Bäckerei am Nordausgang wärmen sich einige noch beim Frühstück auf, während im Laden gegenüber Pendler routiniert mit abgezähltem Kleingeld ihre Tageszeitung holen. Eine Durchsage für Gleis 9 schreckt ein paar Geschäftsreisende auf: „In wenigen Minuten erhält ICE 680 nach Frankfurt Einfahrt“, heißt es. Mit ihrem mobilen Büro im Gepäck hetzen die Manager auf den Bahnsteig, um den ICE-Sprinter nach Frankfurt nicht zu verpassen. In Gedanken sind viele Fahrgäste beim nächsten Termin. Fernreisende denken vielleicht gerade an ihre Daheimgebliebenen. Doch an eins denken die Passagiere in diesem Moment sicherlich nicht: an Energie. Dabei gäbe es ohne sie keine warmen Croissants, keinen Kaffee, kein Licht im Zeitungsladen - und keinen Strom für ihren Zug.

Anforderungen wie bei einem Energieversorger

Die DB Energie mit Sitz in Frankfurt ist zentraler Dienstleister in Sachen Energie und stellt Strom, Heizöl, Diesel, Schmierstoffe und sogar Sand (zum Bremsen) für die Deutsche Bahn und andere Unternehmen bereit. Mehrere Tausend Bezugs- und Lieferverträge managt das Unternehmen und wickelt jedes Jahr Energiegeschäfte im Wert von rund 1,4 Mrd. € Umsatz ab. Schon die Strommenge beeindruckt: 17,3 TWh fließen Jahr für Jahr durch die Netze der Bahn. Und das nicht nur als 16,7-Hz-Strom durch die Oberleitung (Traktionsstrom). Bahnhöfe, Verwaltungen, Stellwerke oder die Ladenlokale in den Stationen benötigen 50-Hz-Strom.

„Die Energiemenge, die wir liefern macht uns zu Deutschlands fünftgrößtem Versorger“, macht Volker Ledig die Dimensionen klar, in denen er und seine Kollegen bei der DB Energie denken. Ledig ist der verantwortliche IT-Manager und hat Auswahl und Einführung der Software koordiniert: „Um eine übergreifende Lösung für Kundenbetreuung, Vertragsverwaltung und den Vertrieb zu realisieren, benötigten wir eine zeitgemäße Software, die auch der Verbändevereinbarung Genüge leistet“, erklärt er.

Bei dem Energieversorger der Bahn herrscht Unbundling. Entsprechend dem Energiewirtschaftsgesetz muss die Softwarelösung also Übertragung, Verteilung sowie Netz- und Energievertrieb getrennt abbilden können. Zudem ist Flexibilität hinsichtlich der Verträge und der Produkte gefragt, damit die Lieferungen von zwei Stromsorten (16,7 und 50 Hz), Diesel, Heizöl und Betriebsstoffen für Großabnehmer und kleine Gewerbekunden berücksichtigt werden können. „In erster Linie ging es jedoch darum, die Kunden eindeutig zu identifizieren, intensiv zu betreuen und natürlich korrekt abzurechnen, und zwar bundesweit“, sagt Volker Ledig, CIO DB Energie und verantwortlich für die Auswahl und Einführung der neuen Software. „Den Anstoß für die Investition gaben die Abteilungen Vertrieb und Marketing, sie wünschten sich ein professionelles Kunden- und Energiedatenmanagement.“

Die neue Software sollte Prozesse unterstützen und harmonisieren, ein Abbilden der Abläufe gemäß der Verbändevereinbarung erfüllen und außerdem Energieprognosen zum Zwecke der Kalkulation zulassen. Die nötige Mischung aus Customer Relationship Management und Energiedatenmanagement schränkte die Auswahl an Standardlösungen ein, so dass nur wenige Produkte in die engere Wahl kamen, unter ihnen das Produkt eccplus der deutsche eccplus AG in Frankfurt/Main, das sich aufgrund seiner guten Standards und der hohen Flexibilität durchsetzte.

„Die Programmierer haben sich schnell in unsere spezielle Welt hineingedacht und Funktionen implementiert, die im Standard nicht abgedeckt waren“, so Ledig. Zu den Besonderheiten gehören zum Beispiel die Unterscheidung in Traktionsstrom und „normalen“ Strom, die Abbildung von Lastprofilen für den Zugbetrieb sowie die Anpassung an die Bedürfnisse der DB Energie als Diesellieferant.

Mittlerweile nutzt die DB Energie verschiedene Pakete von eccplus. Den Anfang machte 2001 eccplus sales, denn „an erster Stelle stand der Wunsch nach einem analytischen CRM“, so Ledig. In dem System werden Liefer-, Bezugs- und Rahmenverträge abgebildet sowie die Netznutzung dargestellt. Durch das Harmonisieren der Daten aus den Vertriebsregionen und die kundenorientierte Sicht ist es nun möglich, Kunden gezielter zu beraten. Arbeitsabläufe werden gezielt unterstützt. „Wichtig war, eine marktgerechte und wirtschaftliche Lösung auf die Beine zu stellen.“ Doch nach der Eingewöhnungsphase macht sich die Arbeitserleichterung positiv bemerkbar, beispielsweise beim Umgang mit den 50-Hz-Kunden. Angebunden sind des Weiteren das Tankdatensystem für die 230 bahneigenen Tankstellen sowie weitere Systeme.

Was bis vor einem halben Jahr nur für Kunden in und auf Bahnanlagen Verwendung fand, nutzt jetzt auch im Bereich Energiedienstleistungen 30 neuen Großkunden die mit ihren Lastprofilen ebenso in eccplus sales geführt werden. Diesbezüglich stellt die DB Energie ähnliche Anforderungen an die Software an Netznutzungs-, Bilanzkreis- und Energieliefermanagement wie andere Energieversorger und kann so auch hier von der Transparenz der Geschäftsprozesse und den durchgängig auswertbaren, einheitlichen Daten profitieren.

Erschienen in Ausgabe: 01/2003