»Energieeffizienz kommt immer noch zu kurz«

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Unternehmen haben bei Investitionen die kurze Amortisationszeit im Blick. Notwendig wäre eine längerfristige Betrachtung, so Dr. Carola Kantz vom Forum Energie im VDMA. Dann rechnet sich der Kauf energieeffizienter Technik.

26. Februar 2014

Wir sprechen uns für gezielte ökonomische Anreize aus, um bestehende Energieeffizienzpotenziale zu heben.

Das sind zum Beispiel verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten und neue Finanzierungsmodelle für Investitionen in energieeffizientere Technologien. Die unternehmerische Freiheit sollte dabei gewahrt bleiben. Staatliche Vorgaben führen erfahrungsgemäß immer zu Marktverzerrungen.

Sie plädieren auch für noch mehr Informationsangebote. Muss man wirklich noch erklären, dass sich Investitionen in moderne Technik lohnen?

Über die verfügbaren Technologien, deren Einsatzmöglichkeiten und Effizienzpotenziale wird eigentlich viel zu wenig geredet.

Nehmen wir die Frage der Rentabilität. Unserer Erfahrung nach investieren Unternehmen häufig nicht in effiziente Technologien, da nur sehr kurze Amortisationszeiten akzeptiert werden.

Dabei würden sich energieeffiziente Anlagen über ihre Lebensdauer hinweg rechnen, auch wenn sie eine etwas längere Amortisationszeit haben. Notwendig ist eine längerfristige Betrachtung, die insbesondere die Bewertung der Lebenszykluskosten miteinschließt. Hier ist der Aufklärungsbedarf immer noch sehr hoch.

Erfahrungsgemäß werden die Effizienzgewinne schnell durch Mehrverbrauch konterkariert. Wie kann man diesen Kreislauf durchbrechen?

Effizienzgewinne werden heute durch Faktoren wie Wirtschaftswachstum und die Entwicklung neuer Technologien neutralisiert. Wenn sich beispielsweise die Elektromobilität auch großflächig durchsetzt, wird der Strombedarf rapide ansteigen. Auch wenn wir uns in einem Strukturwandel hin zu einer Energieversorgung mit einem Anteil von 80 Prozent Erneuerbaren am Bruttostromverbrauch befinden, so müssen wir trotzdem mit den Ressourcen möglichst umsichtig umgehen. Selbst erneuerbare Energien stehen, beispielsweise bedingt durch ihren Flächenverbrauch, nicht unbegrenzt zur Verfügung. Effizienzverbesserungen sind also unabdinglich, um den Herausforderungen des wachsenden Energiebedarfs zu begegnen.

Der VDMA hat ein Kreditmodell entwickelt, das den Angaben zufolge real in der Zukunft anfallende Effizienzerträge bereits in der Gegenwart kassen- und liquiditätswirksam werden lässt. Wie funktioniert das Modell und was muss passieren, damit es umgesetzt wird?

Wir setzen an zwei zentralen Hemmnissen an. Die Unternehmen akzeptieren als Entscheidungskriterium für Effizienzinvestitionen nur kurze Amortisationszeiten, jedoch nicht die Lebenszykluskosten. Zudem gehört die Verbesserung der Energieeffizienz zumeist nicht zum strategischen Fokus der Unternehmen. Das Kreditmodell schlägt vor, dass ein Teil der späteren Energieeffizienzerträge schon vorab ausgezahlt wird. Hierfür könnte ein Kredit gewährt werden, der höher ist als die eigentliche Investitionssumme. Die Investition würde ohne Liquiditätsbelastung erfolgen und die Finanzierungssituation der Unternehmen würde sich verbessern, da es ja einen Vorschuss auf den Effizienzertrag gibt. Damit wird Energieeffizienz zu einem strategischen Faktor! Das Modell hat allerdings eine beihilferechtliche Dimension. Daher sind wir mit Vertretern der EU-Kommission im Gespräch, wie unser Vorschlag umgesetzt werden könnte.

Welche größte Herausforderung sehen Sie in Deutschland in Verbindung mit der Steigerung der Energieeffizienz?

Die Bedeutung der Energieeffizienz kommt in der politischen Debatte noch immer zu kurz. Der Koalitionsvertrag fällt beim Thema Energieeffizienz weit hinter den Erwartungen zurück. Ich bedauere sehr, dass eine Reihe guter Vorschläge, wie die steuerliche Absetzbarkeit von Effizienzmaßnahmen in Gebäuden, gekippt wurden. Unklar ist zudem, was mit einer sachgerechten Umsetzung der EU-Energieeffizienzrichtlinie gemeint ist. Um die Energieeffizienzziele zu erreichen, brauchen wir eine ambitionierte Politik. Die Energiewende ist nur durch die Erhöhung der Energieeffizienz in Industrie, Gewerbe, Gebäude und bei privaten Verbrauchern zu stemmen.

Erschienen in Ausgabe: 02/2014