Für Industrieunternehmen ist die Überwachung der Energieverbräuche eine ständige Herausforderung nicht nur, weil sich die Dokumentationspflichten in regelmäßigen Abständen ändern. Die Lastgang-Daten des jeweiligen Energieversorgers reichen nicht aus. Projekte, mit dem Ziel geeignete Energiemanagementsysteme zu identifizieren, scheitern häufig an über die Jahre gewachsenen Zähler-Zoos, die nur schwerlich ausgelesen werden können.

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Mit dem Enit Agent hat ein Spin-off-Unternehmen des Fraunhofer ISE eine Lösung entwickelt, die laut eigener Aussage auf die komplexen Anforderungen energieintensiver Betriebe zugeschnitten ist. Eingesetzt wird das System der Enit Energy IT Systems schon bei mehr als 50 Industriebetrieben wie etwa dem Automobilzulieferer Kendrion, dem Recyclingspezialisten APK oder der Großmetzgerei Ponnath.

»Bislang war die Auswertung der Energiedaten mühsam«, berichtet Heinz Jankowski, der die Rolle des Facility-Managers bei Kendrion innehat. Mit dem Enit Agent, der Energiedaten im Rhythmus von 15 Sekunden sammelt, hat sich das grundlegend verändert. Als Hardware wurde der Agent an den Hauptzähler in Villingen-Schwenningen angedockt, was innerhalb weniger Minuten erledigt ist.

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Anschließend beginnt die Suche nach Zählern und das Aufspüren von Energiefressern. »Je mehr Messstellen an Datenleitungen angeschlossen werden, umso mehr Information kann das Enit-System generieren«, so Jankowski.

Datenbank und logger

Neben der kleinen Hardware bekommt Kendrion nun regelmäßig ein Reporting, das die Daten auswertet und Empfehlungen gibt, die helfen, die Energieeffizienz zu verbessern. Dabei wird von der Trafo-Ebene von oben herab analysiert, wo die erzeugte oder bezogene Energie exakt verbraucht wird.

»Mit dem Reporting konnten wir bereits erste Verhaltensänderungen bei Mitarbeitern bewirken«, sagt Jankowski. So habe die Auswertung gezeigt, dass Reinigungsanlagen mit 25kW dauerhaft im Stand-by-Betrieb gehalten wurden. Inzwischen werden sie konsequent abgeschaltet und das Unternehmen spart alleine dadurch 5.500 €.

So unscheinbar der Enit Agent auch aussehen mag, umso mehr Technik steckt in ihm. Bei den Industrieunternehmen dient er als Web- und Anwendungsserver, Datenbank und Datenlogger in einem.

Erfasst werden können quasi alle gängigen Zähler für Strom, Wärme, Dampf oder Druckluft manchmal sind das 300 Stück in einem Unternehmen. Auch Erzeugungsanlagen wie Blockheizkraftwerke oder Photovoltaikanlagen werden entsprechend erfasst. Kendrion etwa verfügt über mehrere BHKW zur Eigenerzeugung.

Fehlerquellen im Fokus

Im Vergleich zu anderen Systemen erledigt das System auch die komplexe elektrotechnische Analyse. So kann Blindleistung identifiziert oder teure Lastspitzen können geglättet werden. Typische Fehlerquelle in Industrieunternehmen sind auch ungleichmäßig ausgelastete Transformatoren, was mit dem Agent identifiziert werden kann.

Bei der Metzgerei Ponnath, Warenlieferant großer Discounter, spielte das eine besondere Rolle: Nach Installation des Systems wurde schon während der dreimonatigen Testphase festgestellt, dass ein Transformator überflüssig ist und ohne Nachteile abgeschaltet werden kann. Damit ließen sich Einsparungen von 88.000€ realisieren.

»Aus betriebswirtschaftlicher Perspektive ist der Nutzen unseres Systems eindeutig: Es bringt Transparenz sowie Einsparungen, beispielsweise auch dadurch, dass vorausschauend Wartungsintervalle erkannt werden«, so Enit-Geschäftsführer Hendrik Klosterkemper. Aus volkswirtschaftlicher Sicht bildeten die Daten die Grundlage für sinnvolles Lastmanagement sowie die Bereitstellung von Regelenergie über virtuelle Kraftwerke.

»Unser System weiß, welche Verbraucher eventuell ab- oder zugeschaltet werden können ohne einen Ausfall der Produktion zu riskieren. Hierin liegt ein weiterer wichtiger Nutzen, um zur Realisierung der Energiewende beizutragen.«

Und für Heinz Jankowski steht inzwischen fest, dass in Zukunft weitere Standorte aus der Kendrion-Gruppe mit dem Enit Agent ausgestattet werden.

Martin Jendrischik (für Enit Systems)