Energiepreise und die Folgen

VGB-Kongreß in Köln

Unter dem Motto & pos;How can we fill the Generation Gap& pos; traf sich Anfang Oktober auf dem VGB-Kongreß in Köln die Kraftwerksbranche. Für reichlich Diskussionsstoff sorgten die hohen Energiepreise. Im Mittelpunkt standen zudem der zukünftige Energiemix sowie der Emissionshandel.

19. November 2004

Wir haben eine gewaltige Aufgabe zu leisten. Im erweiterten Europa müssen in den nächsten beiden Dekaden mehr als 200.000 MW ersetzt werden“, sagte der VGB-Vorsitzende Dr. Gerd Jäger in seiner Eröffnungsrede und gab damit die Rahmenbedingungen für die Diskussionen vor, die in Köln während des VGB-Kongresses geführt wurden. Dazu komme noch der steigende Strombedarf von rund 1,5 % pro Jahr, der weitere Neubauten erforderlich mache.

Der Kraftwerkeverband hat sich im Vorfeld der Veranstaltung Gedanken über den Stromerzeugungsmix in Deutschland im Jahr 2020 gemacht. Das Szenario präsentierte Dr. Jäger den rund 1.035 Besuchern in Köln. Danach müssen etwa 37.000 MW Kraftwerksleistung durch den Bau neuer Kohle- und Gaskraftwerke ersetzt werden. Selbst wenn das gesteckte Ziel von 20 % regenerativer Energie bis 2020 erreicht würde, müßten noch 70 % von Gas und Kohle getragen werden, gab der VGBVorsitzende zu bedenken. Das wohl wichtigste Ergebnis: Mit dem Erzeugungsmix sei das Ziel, den CO2-Ausstoß um 40 % bis 2020 zu reduzieren, nicht erreichbar. Dr. Jäger: „Dies zeigt, daß der Ausstieg aus der Kernenergie und die anspruchsvollen CO2-Ziele nicht gleichzeitig realisierbar sind.“

„Investition nicht gefährden“

Thema waren in Köln natürlich auch die hohen Energiepreise. Nach der Liberalisierung sei der Strompreis soweit gefallen, daß sich Investitionen in neue Kraftwerke nicht mehr rechneten, blickte der internationale Verband der Kraftwerkshersteller EPPSA zurück. Heute habe der Strompreis in etwa ein Niveau erreicht, das eine Kostendekkung über den gesamten Kraftwerkspark ermögliche. „Das Investitionsklima darf nicht durch eine unsachliche Debatte über den Strompreis gefährdet werden, die das Ordnungsprinzip Markt nicht anerkennt“, forderte der Kraftwerkeverband EPPSA.

Eine andere Meinung vertrat, wie erwartet, der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft VIK. „Deutschland hat nach Italien heute wieder die höchsten Strompreise in Europa. Die Erdgaspreise sind innerhalb der EU nur in Schweden höher“, beklagte der VIK-Vorsitzende Horst R. Wolf. Die Konkurrenzfähigkeit in einem maßgeblich vom Export abhängigen Land sei durch das derzeitige energiewirtschaftliche und -politische Umfeld sehr stark gefährdet.

Mit Blick auf die Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes und die damit verbundenen Chancen Versäumtes nachzuholen sagte er: „Diese Chance, es ist die letzte, muß jetzt konsequent genutzt werden.“ Drastisch formulierte die Situation ein Energieabnehmer: „Die Energiebranche kann ihre Energie nicht mehr verkaufen, wenn die Industrie nicht mehr da ist.“

Erschienen in Ausgabe: 11/2004