Energieszenarien 2011: Schneller Ausstieg aus Kernenergie machbar

Gaskraftwerke können neben den erneuerbaren Energien um das Jahr 2030 gut ein Fünftel der Stromerzeugung übernehmen. Während über die Hälfte der Stromerzeugung auf erneuerbare Energien entfallen könnte, würden stärker ausgelastete Kohlekraftwerke sowie vermehrte Stromimporte dann den Rest der Versorgung übernehmen. Das ist das Ergebnis von Energieszenarien, die gemeinsam vom Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln (EWI), dem Prognos-Institut sowie der Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) erarbeitet wurden.

12. August 2011

Die neuen Szenarien untersuchen, welche energiewirtschaftlichen und gesamtwirtschaftlichen Konsequenzen bei einem Ausstieg aus der Kernenergie im Zeitraum 2020 bis 2025, verglichen mit den Auswirkungen des Beschlusses über eine Laufzeitverlängerung vom Herbst 2010, zu erwarten sind.

Für Dietmar Lindenberger, Direktor des EWI, zeigen die Szenarien, dass »der beschlossene Kernenergieausstieg machbar ist«. Er weist aber darauf hin, dass es bei einem verzögerten Ausbau des Kraftwerksparks und einer expansiveren Stromnachfrage als in den Szenarien unterstellt zu Problemen bei der Netzstabilität und der Versorgungssicherheit kommen könne. Darüber hinaus basiere das neue Ausstiegsszenario auf denselben Zielvorgaben wie die Szenarien des vergangenen Jahres, insbesondere die Reduktion der Treibhausgasemissionen um 40% zwischen 1990 und 2020, starke Steigerung der Energieeffizienz sowie einen Anteil der Erneuerbaren am Endenergieverbrauch von mindestens 18% bis 2020.

Die Mehrbelastungen der Endverbraucher durch den beschleunigten Ausstieg aus der Kernenergie gegenüber der Laufzeitverlängerung beziffern die drei Institute bis 2030 auf insgesamt rund 32 Mrd. €. Verglichen mit dem Szenario Laufzeitverlängerung wird laut eigener Angabe insbesondere die stromintensive Industrie durch den schnelleren Ausstieg mit höheren Preisen rechnen müssen. Sie dürften nach den Berechnungen der Wissenschaftler um bis zu 17 % höher liegen. Bei den Haushalten werden die Preise um bis zu zwei Prozent höher sein.