Energieträger Abwasser

Industrielle Biogasnutzung gewinnt an Dynamik

Während die energetische Biogasnutzung in der Landwirtschaft noch wenig entwickelt ist, konnte sie im industriellen Bereich ihren wirtschaftlichen und ökologischen Nutzen bereits erfolgreich unter Beweis stellen. Großes Potenzial besteht in energieintensiven Branchen wie der Lebensmittel-, Zucker- und Arzneimittelproduktion sowie in der Chemie- und Papierindustrie.

09. August 2004

Neben Geothermie, Wind- und Solarenergie rückt die Biomasse verstärkt in den Fokus der Energie- und Umweltpolitik. Dies wurde noch einmal bei der Internationalen Konferenz für Erneuerbare Energien & pos;Renewables 2004& pos; Anfang Juni in Bonn deutlich. Besonders in Deutschland wird die energetische Nutzung von Biogas im Rahmen der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und der Einigung des Vermittlungsausschusses von Bundestag und Bundesrat am 17. Juni dieses Jahres intensiv vorangetrieben.

Das heute noch brach liegende Potenzial in industriellen Anwendungen ist immens. Das zeigen einige aktuelle Projekte. Ein Beispiel ist eine der größten Biogasanlagen Europas, die das Krefelder Unternehmen G.A.S. Energietechnologie als Generalunternehmer im letzten Jahr in Belgien errichtete. Die in nur vier Monaten installierten Blockheizkraftwerke (BHKW) in Containerbauweise mit einer elektrischen Leistung von insgesamt 2,5 MW verstromen das Biogas der Firma Lutosa van den Broeke in Leuze-en-Hainaut.

Das Unternehmen verarbeitet jährlich rund 500.000 Tonnen Kartoffeln zu Fertigprodukten wie Pommes frites, Chips oder Püree. Dabei entsteht Biogas bei der anaeroben Behandlung des Wassers, welches im Produktionsprozess benötigt wurde. Um es jedoch mittels Gasmotoren nutzen zu können, muss das Gas bestimmten Qualitätskriterien entsprechen. So darf der Schwefelwasserstoffgehalt die Grenze von 1.500 ppm nicht überschreiten. Deshalb werden die rund 1.000 m3/h Gas am Standort Lutosa mit einer Biofilteranlage gereinigt und durch eine Verdichterstation auf den nötigen Vordruck gebracht, bevor das Gas zu den BHKWs geleitet wird.

Der produzierte Strom wird in das öffentliche Netz eingespeist. Die beim Betrieb der Motoren entstehende Wärme aus dem Abgas und dem Kühlkreislauf mit einer thermischen Leistung von 3,3 MW wird zur internen Prozessunterstützung eingesetzt. Die gleichzeitige Produktion von Elektrizität und thermischer Energie stellt einen zusätzlichen Vorteil dar und erhöht die Wirtschaftlichkeit des Betriebs.

In der Vergangenheit hatte das belgische Unternehmen das Biogas im Kessel verwertet und nur die Wärme aus dem Verbrennungsprozess genutzt. Eine Stromproduktion und -einspeisung zu einer garantierten Vergütung gab es nicht.

Ein weiteres Beispiel für die industrielle Nutzung von Biogas stellt die BHKW-Anlage im Industriepark in Frankfurt-Höchst dar. Auch hier entsteht das Biogas bei der anaeroben Behandlung des Abwassers, das bei der Humaninsulinherstellung produziert wird. Die Anlage umfasst drei Blockheizkraftwerke mit einer elektrischen Leistung von insgesamt 1,5 MW.

Die thermische Leistung von 1,9 MW wird im Betrieb zur Abwasservorwärmung genutzt und unterstützt somit die Biogasproduktion, indem die optimalen Temperaturbedingungen für die Bakterien im Anaerobreaktor sichergestellt werden.

Eine wichtige Grundlage für die Wirtschaftlichkeit einer BHKW-Anlage stellt ein effektives Servicesystem dar. Alle der mehr als 500 installierten BHKWs von G.A.S. sind mit einem Teleservicesystem ausgerüstet, das Tag und Nacht via Internet in Verbindung mit der Zentrale und dem Kundendienst steht. Darüber hinaus werden die Spezialfahrzeuge im Service mit einem GPS-System ausgestattet.

Sendet eine Anlage ein Störsignal über das Teleservicesystem zur Leitwarte nach Krefeld, werden am Bildschirm der Master-Station die Standorte aller Servicemitarbeiter identifiziert. Der Mitarbeiter, der sich in der Nähe der betroffenen Anlage befindet, wird dann informiert.

Erschienen in Ausgabe: 08/2004